SimbabweDie Neureichen kommen nach Victoria Falls

Müßiggang ist nicht mehr: Früher kam die weiße Oberschicht in das berühmte Victoria Falls Hotel in Simbabwe, heute residieren hier asiatische und russische Investoren. von Andrea Jeska

Die Lobby des Victoria Falls Hotel in Victoria Falls, Simbabwe

Die Lobby des Victoria Falls Hotel in Victoria Falls, Simbabwe  |  © Stephane De Sakutin/AFP/Getty Images

Das Empire residiert hier nicht mehr. Die Herren, die an der Rezeption einchecken, haben asiatische Gesichtszüge und sprechen Chinesisch. Ihre Bewegungen sind die von Männern, die hart arbeiten. Von britischer Distinguiertheit keine Spur. Im Bulawayo Salon unterhalten sich zwei hochtoupierte Damen mit slawisch gerollten Rs und neigen dabei ihre blondierten Köpfe zueinander. Im Flur hängt ein Bild von Queen Victoria und wenn man nicht wüsste, dass das verkniffene Gesicht ihr Standardausdruck ist, man könnte meinen, sie schaue missbilligend.

Es ist ein sonniger Tag im Norden von Simbabwe , in der kleinen Stadt Victoria Falls. Auf der Veranda des Victoria Falls Hotels, dem einst besten und elegantesten Haus im Südrhodesien des frühen 20. Jahrhunderts, wird zum Nachmittagstee eine Etagere mit Sandwich und Teekuchen gereicht. Die Gäste tragen die saloppe Kleidung der Jack-Wolfskin-Generation. Nur eine Dame schwelgt äußerlich noch in der Vergangenheit und erscheint mit weißem Sonnenschirm. So wie es üblich war in den Tagen, als man in diesem Hotel die Oberschicht der weißen südafrikanischen Gesellschaft empfing.

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Das Victoria Falls Hotel gehört zu den weltweit besten Hotels. Nach vielen Grundrenovierungen in den vergangenen 20 Jahren hat es wieder höchsten Standard. Und auch wieder Gäste. Was in Simbabwe lange keine Selbstverständlichkeit war. Die diktatorische Politik des Staatspräsidenten Robert Mugabe , der wirtschaftliche Niedergang, gefälschte Wahlen, Gewalt gegen weiße Farmer und schwarze Oppositionelle, politische Morde, es gab im letzten Jahrzehnt viele Gründe, dem Land fern zu bleiben. Noch in den 1990ern kamen die Touristen in Scharen, dann ging es abwärts. "Diese Jahre" nennen die Simbabwer die Zeit zwischen 2007 und heute, als Hotels und Lodges leer standen und jeder um sein Überleben rang.

Heute pflegen Touristen keinen Müßiggang mehr

"Diese Jahre sind vorbei", sagt Ms Thembe. Ihr Nachname bleibt ein Geheimnis in einem Land, in dem man auch Minister mit Vornamen anredet. Ms Thembe ist verantwortlich für die Darstellung des Victoria Falls Hotels nach außen. Sie sagt, sie freue sich über die neue und gute Auslastung. Sicher, die Gäste blieben nicht mehr so lange wie früher, die Zeit des Müßiggangs sei vorbei. Dafür kämen sie heute aus anderen Gebieten, aus Russland und aus Asien etwa. "Und auch viele Simbabwer übernachten bei uns, viele Politiker." Auch Mugabe ? "Oh ja, der auch."

Unverändert, gerade so wie in den kolonialen Tagen, ist der Blick von der Hotelterrasse auf "die Brücke": Die Victoria-Falls-Brücke verbindet Simbabwe mit Sambia , verbindet Vic Falls, wie die Stadt genannt wird, mit dem gegenüberliegenden Livingstone. Nicht, dass sie überaus schön wäre – doch allein das Wissen, dass sich darunter der Sambesi durch eine schmale Schlucht quetscht und wie ein tollwütiges Tier schäumt, gibt der Brücke Erhabenheit. Stünde der Wind günstig, könnte man außerdem die Schreie der Bungeejumper hören, die sich vom Geländer gen Sambesi stürzen – 120 Dollar für einen Moment des Wahnsinns.

Fragile Regenbögen über den Wasserfällen

Die Wasserfälle , denen Vic Falls seine Existenz und seine Berühmtheit verdankt, machen sich an diesem Tag nur als zarter Schleier bemerkbar. Man könne ihre Gischt schon dreißig Kilometer vor Victoria Falls sehen, haben frühe Reisende behauptet, und tatsächlich gibt es Zeiten, in denen der Oberlauf von all seinen Zuflüssen und vom Regen so gespeist ist, dass er als dicklich schäumende Masse dahin fließt und mit entsprechender Gewalt über die geologische Bruchkante zwischen Sambia und Simbabwe stürzt. Die aufprallenden Wassermassen spritzen wieder hoch, bilden feine Sprühregen, in die das Licht der Sonne fragile Regenbögen zaubert.

Die Geschichte des Victoria Falls Hotels und seiner feinen Gesellschaft ist untrennbar mit diesen Fällen und der Brücke verbunden. Doch sie beginnt lange, bevor die ersten Brückenteile über die Schlucht gelegt wurden und den damaligen Häuptling vom Stamm der einheimischen Leya, Chief Mukuni, zu dem Kommentar veranlassten, die Weißen seien ja sehr clever, aber offenbar nicht clever genug, um zu verstehen, dass das Eisen in die Tiefe fällt, wenn man es weiter vom Rand der Schlucht entfernt. Als sich seine Prophezeiung nicht erfüllte, folgerte Chief Mukuni, es sei Gott selber, der mit seinem Finger die Brücke hielte.

Diese Statue von David Livingstone steht in Victoria Falls, Simbabwe.

Diese Statue von David Livingstone steht in Victoria Falls, Simbabwe.  |  © Stephane De Sakutin/AFP/Getty Images

Empire statt Magie und Engel

Am Anfang hörte der englische Entdecker David Livingstone auf einer seiner Reisen im Gebiet des heutigen Sambia von einem donnernden Rauch, von Mosi-oa-Tunya. So nannten die einheimischen Kololo die Fälle und schreiben ihnen allerhand Magie zu.

Livingstone ließ sich per Kanu zu den Fällen bringen und war von ihrer Größe und Gewalt so überrascht, dass er von Engeln faselte, die an diesem Ort schwebten. Flugs nannte er die Fälle um, gab ihnen den Namen seiner Königin und obwohl der Einfluss des Britischen Empire in Simbabwe inzwischen kritischer Geschichtsschreibung und politischer Verachtung gewichen ist, heißen die Fälle noch immer wie eine Dame, die sie niemals sah.

Leserkommentare
    • Layer 8
    • 21. August 2012 13:18 Uhr

    Ich kenne da von früher noch ein ähnliches Hotel. Das Strand-Hotel in Rangoon, Burma. Somerset Maugham et. al. hatten da damals schon genächtigt. Eine Perle des Empires war das mal. Nun, 1990 war ich mal für eine Woche in Burma. Ein längeres Touristenvisum gabs damals nicht für westliche Ausländer. Bin deswegen diese Woche in Rangoon geblieben und im Strand Hotel abgestiegen. Der Kasten war sowas von verschlissen, aber für die Briten immernoch ein Begriff. Und billig waren die Übernachtungen. Der Laden war voll mit Backpacker aus allen Herren Ländern. War ziemlich cool.

    Ich denke mal, dass sich das heute grundlegend geändert hat.

    Achja, Simbabwe: Bin da ein paar Jahre später mal erste Klasse von Vic Falls nach Bulawayo gefahren, auch als Backpacker. Das Logo des Zuges hieß noch "Rhodesian Railroads". Schlafwagen mit Butler. Alles erschwinglich, da auch dort schon in die Tage gekommen.

    [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unpassende Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/kvk

    • Layer 8
    • 21. August 2012 16:36 Uhr

    Was war denn jetzt hier an diesem einen Satz polemisch? Ich wollte hier nur zum Ausdruck bringen, dass das Empire schon einen gewissen "Stil" hatte. Natürlich nur für die Upper Class damals, das ist mir bewusst. Aber ich hatte in meiner Sturm- und Drangzeit als Backpacker ab und zu die Gelegenheit, einen schwachen Abglanz dieser "Atmosphäre" zu erleben. Es ist doch so, dass z.B. die heutige indische "Upper Class" dies bis heute zu imitieren versucht, während das vereinigte Königreich heutzutage nur noch Finanzblasen produziert. Aber das ist eine andere Geschichte.

    mfg

    • kalaf
    • 22. August 2012 16:00 Uhr

    Ja, welche Zeiten
    ich fuhr mit RR-Garret Dampfloks von Salisbury nach Cape Town;
    einige der Loks stehen noch - neben dem Salonwagen von Cecil Rhodes - im Eisenbahn-Museum in Bulawayo

  1. wie das "heutige englische Königspaar" 1947(!) "mit zwei Töchtern" anreisen konnte, wenn Liesken und Philip nur eine Tochter (Anne, geboren 1950 ...) haben und ihr ältester Sproß (Charles) erst 1948 das Licht der Welt erblickte ...

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    • Layer 8
    • 21. August 2012 15:17 Uhr

    waren das 1947 noch King Geoge VI. nebst Gattin (die spätere Königinmutter und letzte Kaiserin von Indien) und deren Töchter Elizabeth und Margaret

    Redaktion

    Sehr geehrte/r Mycroft Holmes,
    danke für den Hinweis, wir haben den Passus berichtigt.
    Beste Grüße.

    • Layer 8
    • 21. August 2012 15:17 Uhr

    waren das 1947 noch King Geoge VI. nebst Gattin (die spätere Königinmutter und letzte Kaiserin von Indien) und deren Töchter Elizabeth und Margaret

    Antwort auf "Bleibt die Frage, ..."
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    ... das "heutige Königspaar" ...

  2. ... das "heutige Königspaar" ...

    Antwort auf "Vielleicht"
  3. 5. [...]

    Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Backpacker"
  4. ... das Britische Empire hatte schon was – zum Beispiel für die paar, die in den Kolonien mit der "richtigen Hautfarbe" auf der "richtigen Seite" standen ...

    • Layer 8
    • 21. August 2012 16:36 Uhr

    Was war denn jetzt hier an diesem einen Satz polemisch? Ich wollte hier nur zum Ausdruck bringen, dass das Empire schon einen gewissen "Stil" hatte. Natürlich nur für die Upper Class damals, das ist mir bewusst. Aber ich hatte in meiner Sturm- und Drangzeit als Backpacker ab und zu die Gelegenheit, einen schwachen Abglanz dieser "Atmosphäre" zu erleben. Es ist doch so, dass z.B. die heutige indische "Upper Class" dies bis heute zu imitieren versucht, während das vereinigte Königreich heutzutage nur noch Finanzblasen produziert. Aber das ist eine andere Geschichte.

    mfg

    Antwort auf "Backpacker"
  5. Redaktion

    Sehr geehrte/r Mycroft Holmes,
    danke für den Hinweis, wir haben den Passus berichtigt.
    Beste Grüße.

    Antwort auf "Bleibt die Frage, ..."

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