Wussten Sie, dass …Aus der Urzeit der Schreibmaschine

Der Südtiroler Peter Mitterhofer erfand 1866 die Schreibmaschine. Keiner interessierte sich dafür, heute zeigt das Schreibmaschinenmuseum in Partschins die Geschichte. von Dietrich Höllhuber

Dieses Diorama im Schreibmaschinenmuseum zeigt Peter Mitterhofer.

Dieses Diorama im Schreibmaschinenmuseum zeigt Peter Mitterhofer.  |  © Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer

Man muss sich das im Detail vorstellen: Ein Tischler aus dem Dorf Partschins in Südtirol trägt eine Schreibmaschine auf dem Rücken über die Alpen . In einer Tragkraxe, mit der man einen Schwung Ziegel auf die Baustelle bringt. Wir schreiben das Jahr 1866, der Tischler heißt Peter Mitterhofer (1822 bis 1893), und er ist auf dem Weg nach Wien . Zum Kaiser – wohin auch sonst! Südtirol gehört zur Donaumonarchie und dessen Hauptstadt Wien ist ihr kulturelles und technisches Zentrum. Wo anders als dort würde man die Erfindung, die Mitterhofer auf dem Rücken schleppt, würdigen können?

Mitterhofer ist 42 Jahre alt, ein gewiefter Tüftler, der schon anderes erfunden hat – zum Beispiel eine Waschmaschine etwa. Und sich nicht zu schade ist, auf Märkten als Bauchredner aufzutreten. Er ist nicht der erste, der an eine Maschine denkt, mit der man den Schreibprozess vereinfachen und normieren kann. Ein ganzes Rudel von Erfindern hatte sich seit hundert Jahren damit abgeplagt, aber keinem ist wie Mitterhofer der Knopf aufgegangen: Du musst Typenhebel bauen, mag er gedacht haben, damit die Buchstaben einzeln mit Hilfe von nachstellbaren Stoßstangen und Kipphebeln aufs Papier geschlagen werden können.

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Man klopft auf einen Typenhebel und – wupp – ist das Papier mit diesem Buchstaben versehen. Die Typen sind aus abgebrochenen Nadeln zusammengesetzt, der Rahmen bewegt sich mittels mehrerer Hebel; das darauf aufgespannte Papier muss ja weiterlaufen, um einen Text zu erzielen. Das Modell ist – wie könnte es bei einem Erfinder, der den Tischlerberuf ausübt, anders sein – aus Holz. Es wird "Dresdner Modell" genannt.

Papier sparen durch maschinelles Schreiben

Der Wiener Hof aber hat anderes zu tun, als sich um einen Tiroler Tischler zu kümmern, der mit einem selbstgebastelten Holzspielzeug anrückt. Österreich hat gerade einen Krieg gegen Preußen verloren und ist mit Selbstmitleid beschäftigt. Dabei hat Mitterhofer eine so schöne Beschreibung seiner Maschine angefertigt, des Inhalts, dass das Schreiben mit seiner Erfindung " … den vierten Teil an Raum von der gewöhnlichen Kanzleihandschrift …" benötige.

Dietrich Höllhuber
Dietrich Höllhuber

Dietrich Höllhuber studierte in Wien Geografie und. Inzwischen hat der erfahrene Globetrotter etwa 150 große Reisen in alle Erdteile unternommen und 30 Bücher vom Wanderführer für Biertrinker – Fränkische Schweiz bis zu Reiseführern über einige Mittelmeerländer sowie eine ganze Reihe Wanderführer geschrieben. Seit 2001 arbeitet der ehemalige Studienreiseleiter ausschließlich als Sachbuchautor. Höllhuber lebt in Dresden, eine Stadt, über die er auch ein individuelles Reisebuch für den Michael Müller Verlag verfasst hat.

Ja sakra, kann man da nur nachträglich fluchen! Hat Mitterhofer denn gar keine Ahnung, was das für die Kanzleihengste, mit denen er es zu tun hatte, auf lange Sicht bedeuten würde? Immerhin, am 25. Februar 1867 zahlt man Mitterhofer einen Ehrensold von 200 Gulden aus – und schickt ihn nach Hause. Dabei handelt es sich um eine Belohnung für des Erfinders Mühen, obwohl der Kaiser wenig mit der Maschine anfangen kann. Das Modell nimmt Mitterhofer wieder mit. Es ist das zweite, nachdem er einen unvollendeten Prototypen schon zu Hause gelassen hatte.

Der Kaiser zahlt, aber Anerkennung bekommt Mitterhofer nicht

Ins nächste, heute verschollene Modell baut Mitterhofer erstmals eine Walze ein, das ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der modernen Schreibmaschine. Das vierte dann, das "Meraner Modell", ist schon in Metall ausgeführt, und das fünfte ebenfalls, das "Wiener Modell" von 1869, dessen Typen sind als Lettern gegossen. Der Hof zahlt mal wieder 200 Gulden und Franz Joseph I. Kaiser von Gottes Gnaden verfügt die Aufnahme dieses Prototyps in die Sammlung des Polytechnischen Instituts. Punktum.

Peter Mitterhofer stirbt 1893, ohne jemals auch nur einen Funken Anerkennung bekommen zu haben. Die Remington Schreibmaschine ist schon zu seinen Lebzeiten ein weltweiter Verkaufsschlager, das hat er noch miterlebt.

Das "Dresdner Modell" schob Mitterhofer, aus Wien wieder zurückgekehrt, samt Transportkiste in eine Ecke. Dort wurde es 1911 gefunden, kam 1933 auf Umwegen nach Chemnitz , wo man in der Kiste Teile eines weiteren, bisher unbekannten Modells fand. In den Technischen Sammlungen in Dresden ist das Modell, mit dem Mitterhofer über die Alpen kraxelte, bis heute zu sehen.

Erst nach der Wende begann man an der Technischen Universität Dresden mit der Rekonstruktion jenes Prototypen, der nur noch in Teilen existierte. Mittlerweile ist man sich sicher, dass es sich um das Original handelt. Es entstand ein alt-neues Modell, genannt "Modell TU Dresden", und – Tüpfelchen auf dem i – die Dresdner überließen es dem Schreibmaschinenmuseum in Partschins in Südtirol , wo es zumindest für ein paar Jahre im Diorama der Mitterhofer-Werkstatt im Jahr 1864 auf einer Tragkraxe zu bewundern ist.

Erschienen im Michael Müller Verlag

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Leserkommentare
    • mugu1
    • 26. September 2012 20:42 Uhr

    Meines Wissens hat die "Erfindung" der Schreibmaschine eine wesentlich längere Geschichte hinter sich. Ich könnte jetzt googlen, aber ich meine mich auch so zu erinnern, dass die erste verkaufsfähige Schreibmaschine aus Dänemark oder Schweden stammt und dass schon zuvor welche für Blinde, glaube ich, hergestellt wurden.

    Also, Herr Mitterhofer war sicher ein toller Erfinder, aber m.E. nicht der erste SM-Bauer. 1866 gab es diese nämlich schon.

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    • Tiroler
    • 27. September 2012 10:50 Uhr

    Dann googeln Sie doch bitte einmal, Sie werden keinen früheren Erfinder der Schreibmaschine finden. Übrigens ist die Remington-Schreibmaschine, die erste im Handel erhältliche, der Mitterhoferschen Schreibmaschine täuschend ähnlich. Störend ist im Artikel die Bezeichnung Peter Mitterhofers als "Südtiroler". Als der geniale Tischler seine Erfindung machte, gab es Südtirol noch nicht. Er war schlicht und einfach ein Tiroler.

    • Tiroler
    • 27. September 2012 10:50 Uhr

    Dann googeln Sie doch bitte einmal, Sie werden keinen früheren Erfinder der Schreibmaschine finden. Übrigens ist die Remington-Schreibmaschine, die erste im Handel erhältliche, der Mitterhoferschen Schreibmaschine täuschend ähnlich. Störend ist im Artikel die Bezeichnung Peter Mitterhofers als "Südtiroler". Als der geniale Tischler seine Erfindung machte, gab es Südtirol noch nicht. Er war schlicht und einfach ein Tiroler.

    Antwort auf "Ist ja ganz was neues."
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    • mugu1
    • 27. September 2012 18:31 Uhr

    ...und bin fündig geworden.

    Als Erfinder der Schreibmaschine gilt danach Henry Mill (1714), wobei man das durchaus als umstritten bezeichnen darf, da er diese wohl niemals baute, sondern nur ein Patent dafür erhielt.

    Die 1. gebaute SM stammt demnach von P. Turri (1808); er arbeitete mit Typendruck und Farbpapier und stellte sie für eine erblindete Person her. Die 1. SM mit Farbband wurde schon 1855 konstruiert. Peter Mitterhofer entwickelte seine SM ab 1864. Schon 1865 gab es in Dänemark (so falsch lag ich zuvor also nicht) eine marktfähige SM und waren sogar tw. elektrisch.

    Entnommen aus WIKIPEDIA, Stichwort: Schreibmaschine

    Grüße

    Schon 1808 erfand der Italiener Pellegrino Turri eine Art Blindenschreibmaschine, Typendruck und 3 mm Schrifthöhe. Der Abdruck bei dieser Blindenschreibmaschine erfolgte mittels Kohlepapier; Turri ist damit auch der Erfinder des Kohlepapiers (damals).

    Die für die Entwicklung der Schreibmaschine wertvollste Konstruktion ist die des Italieners Guiseppe Ravizza im Jahre 1855, der seinen Schreibapparat Cembalo scrivano (Schreibklavier) nannte. Er hat auch erstmals ein Seidenfarbband verwendet.

    Also alles noch locker vor 1866..google Sie mal, aber richtig.. !

    • mugu1
    • 27. September 2012 18:31 Uhr

    ...und bin fündig geworden.

    Als Erfinder der Schreibmaschine gilt danach Henry Mill (1714), wobei man das durchaus als umstritten bezeichnen darf, da er diese wohl niemals baute, sondern nur ein Patent dafür erhielt.

    Die 1. gebaute SM stammt demnach von P. Turri (1808); er arbeitete mit Typendruck und Farbpapier und stellte sie für eine erblindete Person her. Die 1. SM mit Farbband wurde schon 1855 konstruiert. Peter Mitterhofer entwickelte seine SM ab 1864. Schon 1865 gab es in Dänemark (so falsch lag ich zuvor also nicht) eine marktfähige SM und waren sogar tw. elektrisch.

    Entnommen aus WIKIPEDIA, Stichwort: Schreibmaschine

    Grüße

    Eine Leserempfehlung
  1. bei Wikipedia ist Mitterhofer aber ebenfalls der Erfinder der Schreibmaschine
    http://de.wikipedia.org/w...

    Geräte wird es mehrere gegeben haben, nur ist jedes Gerät auch wirklich eine Schreibmaschine....

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    • mugu1
    • 28. September 2012 16:50 Uhr

    ...aber dieser Eintrag bei Wikipedia, den Sie verlinkt haben, ist ja ofen´sichtlich falsch recherchiert. Geben Sie mal nur als Stichwort "Schreibmaschien" ein, dann finden Sie den Artikel, den ich meine. Und wenn man im Netz die einzelnen Namen überprüft, wird man sehen, dass dies auch stimmt.

    Wieso Herr Mitterhofer fälschlicherweise so oft als der Erfinder der SM dargestellt wird, weiß ich nicht. Er war noch nicht einmal der Erfinder der 1. marktreifen SM; die stammt aus Dänemark (1865), gebaut von Pastor Malling Hansen, und wurde - witzigerweise - später ja auch in Österreich gebaut. Herr Mitterhofer entwickelte sein Dresdner Modell ja erst 1866.

    Grüße

    • mugu1
    • 28. September 2012 16:50 Uhr

    ...aber dieser Eintrag bei Wikipedia, den Sie verlinkt haben, ist ja ofen´sichtlich falsch recherchiert. Geben Sie mal nur als Stichwort "Schreibmaschien" ein, dann finden Sie den Artikel, den ich meine. Und wenn man im Netz die einzelnen Namen überprüft, wird man sehen, dass dies auch stimmt.

    Wieso Herr Mitterhofer fälschlicherweise so oft als der Erfinder der SM dargestellt wird, weiß ich nicht. Er war noch nicht einmal der Erfinder der 1. marktreifen SM; die stammt aus Dänemark (1865), gebaut von Pastor Malling Hansen, und wurde - witzigerweise - später ja auch in Österreich gebaut. Herr Mitterhofer entwickelte sein Dresdner Modell ja erst 1866.

    Grüße

    Antwort auf "Wikipedia"
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    • mugu1
    • 28. September 2012 16:51 Uhr

    offensihtlich - muss es natürlich heißen.
    Sorry.

    • mugu1
    • 28. September 2012 16:51 Uhr

    offensihtlich - muss es natürlich heißen.
    Sorry.

    Antwort auf "Interessant..."
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    • mugu1
    • 28. September 2012 16:52 Uhr

    offensichtlich

    • mugu1
    • 28. September 2012 16:52 Uhr

    offensichtlich

    Antwort auf "Falsches Wort"
  2. Schon 1808 erfand der Italiener Pellegrino Turri eine Art Blindenschreibmaschine, Typendruck und 3 mm Schrifthöhe. Der Abdruck bei dieser Blindenschreibmaschine erfolgte mittels Kohlepapier; Turri ist damit auch der Erfinder des Kohlepapiers (damals).

    Die für die Entwicklung der Schreibmaschine wertvollste Konstruktion ist die des Italieners Guiseppe Ravizza im Jahre 1855, der seinen Schreibapparat Cembalo scrivano (Schreibklavier) nannte. Er hat auch erstmals ein Seidenfarbband verwendet.

    Also alles noch locker vor 1866..google Sie mal, aber richtig.. !

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    • mugu1
    • 29. September 2012 17:17 Uhr

    Sie bestätigen damit meinen Kommentar (Nr. 3).

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