Das Valle delle Cartiere , das "Tal der Papierfabriken", liegt bei Toscolano-Maderno am südwestlichen Ende des Gardasees . Es lässt sich in einer genussvollen Wanderung entdecken, die durch üppige Vegetation vorbei an den steinernen Ruinen alter Dörfer und Fabrikgebäude entlang des Flusses Toscolano führt.

Die Anfänge der Papierherstellung liegen in China . Im 8. Jahrhundert verbreitete sich die Technik über Persien und Ägypten nach Spanien und bis zum 13. Jahrhundert über ganz Europa . Die Anfänge der Produktion am Gardasee gehen ins 14. Jahrhundert zurück. Damals etablierte sich das Tal zum Zentrum der Papierherstellung der venezianischen Republik mit Handelsbeziehungen, die bis zu den Märkten der Levante, südöstlich von Genua , reichten.

Grundstoff für die Herstellung waren Baumwoll-, Leinen- und Hanflumpen. Diese mussten zunächst einem Faulungsprozess unterworfen und zerfasert werden. Dabei wurden die Lumpen in einem Stampfwerk in wassergefüllten Holztrögen von mächtigen Stampfhämmern bearbeitet. Ein Wasserrad und eine Nockenwelle trieben die Mechanik an. Deshalb lagen die Stätten der Papierproduktion stets an Bachläufen – wie auch im Valle delle Cartiere.

Wie Papier im Mittelalter produziert wurde

Nach der Zerfaserung verdünnte man den breiigen Stoff stark mit Wasser und schöpfte daraus die Papierlagen, die Bütten. Wichtig war eine gleichmäßige Schüttelbewegung des Siebes während des Schöpfprozesses. Die Blätter wurden auf dickem Filz abgelegt und lagenweise übereinander geschichtet. Anschließend erfolgte der Pressvorgang in einer hölzernen Spindelpresse. Die immer noch feuchten Blätter hängte man wie auf einer Wäscheleine über Seile aus Rosshaar. Wichtig bei der abschließenden Trocknung war eine gleichmäßige Belüftung. Man erreichte sie durch verstellbare Luken in den Trockenräumen.

Schreibpapier musste mit Tierleim – Gelatine aus Tierknochen – imprägniert werden, sonst hätte es die Tinte wie ein Löschpapier aufgesogen. Zuletzt wurde das noch wellige Papier mit Achatsteinen von Hand geglättet. In einer Papierfabrik entstanden im Mittelalter täglich etwa 3.000 Bögen handgeschöpftes Papier, das sind etwa 40 Kilogramm.

Die Papierproduktion stieg kontinuierlich an. So bauten die Dominikanermönche im 18. Jahrhundert zwei weitere Mühlen: Das Papier aus dem Tal hatte einen exzellenten Ruf und wurde für offizielle Verlautbarungen verschiedener norditalienischer Regierungen ebenso verwendet wie für Dekrete des türkischen Sultans.