Der Abdeen-Platz im Februar 2011 - zwei Jungen spielen Fußball vor Panzern © Amr Dalsh / Reuters

Ein Mal im Monat ist es so weit: Wenn die Sonne in Ägyptens Hauptstadt untergeht, füllt sich der weitläufige Abdeen-Platz im Osten der Kairoer Innenstadt mit Menschen. Im Hintergrund erhebt sich der Abdeen-Palast. Von 1873 bis 1952 als Regierungssitz genutzt, ließ Hosni Mubarak während seiner Amtszeit unter anderem das Präsident-Mubarak-Museum in den Räumen des Palastes einrichten.

Seit die ägyptische Revolution am 25. Januar 2011 den Weg für ein neues Ägypten ebnete, ist der Abdeen-Platz jedoch mehr als nur der Platz vor dem Palast – zumindest an jedem ersten Samstag im Monat, denn dann heißt es: Al-Fan Midan , die Kunst ist ein Platz. Musik, Theater, Lesungen, Kunst-Workshops für Kinder und Filmvorführungen unter offenem Himmel, das alles bietet das überwiegend aus Spenden und privaten Mitteln finanzierte Kultur-Festival Al-Fan Midan .

 "Die Ägypter haben sich mit der Revolution den öffentlichen Raum zurückerobert", sagt Abir Ali, einer der Initiatoren des alternativen Kultur-Events. "Die Straßen, die Plätze – die ganze Stadt gehört wieder uns, den Bürgern Ägyptens." Um dieses neu erwachte Bewusstsein zu stärken, sei ihm und seinen Mitstreitern die Idee gekommen, den öffentlichen Raum nicht nur für politische Demonstrationen, sondern auch für die Kunst zu nutzen.

Auf den Namen Al-Fan Midan kamen die Organisatoren, nachdem während der Massenproteste im vergangenen Frühjahr auf dem Tahrir-Platz eine Bühne aufgebaut wurde. Bands, Theatergruppen und andere Künstler verbanden dort politischen Protest mit ihrer Kunst. "Der Name Al-Fan Midan soll verdeutlichen, dass jeder das Recht auf Zugang zu Kunst hat", sagt Abir Ali. Das monatliche Kulturfestival wird von der Independent Arts Coalition organisiert, einer Vereinigung von Künstlern und privaten Kulturzentren, die im März 2011 gegründet wurde.

Musik und Tanz aus dem Senegal

"Rede- und Meinungsfreiheit sowie das Ende jeglicher Zensur für künstlerisches Arbeiten in Ägypten sind unsere wichtigsten Anliegen", sagt Ali. Auf dem Al-Fan-Midan-Event genießen die auftretenden Künstler diese Freiheit. Unter freiem Himmel, beleuchtet von bunten Lichterketten spielt an diesem Abend eine Band aus dem Senegal . Einige Meter weiter beginnen gerade zwei Derwische mit ihrem Programm und tanzen sich in Ekstase, während immer mehr Zuschauer einen dichten Kreis um sie bilden. Rund um das Geschehen haben Künstler und Studenten kleine Stände aufgebaut, an denen sie Zeichnungen, selbst entworfenen Schmuck oder Bücher verkaufen.

Nicht nur auf dem Abdeen-Platz hat sich seit der ägyptischen Revolution einiges getan: Die Zahl der Galerien, der Konzerte und der kulturellen Events nimmt im Kairo nach der Revolution stetig zu. Neben vielen neuen und oft improvisierten Kulturzentren hat der politische Umsturz auch bereits etablierten Galerien neuen Auftrieb verschafft. Die Townhouse Gallery etwa hat seit ihrer Eröffnung 1998 einen festen Platz in der Kunstszene Kairos. Auf drei Stockwerken wird hier zeitgenössische Kunst ausgestellt, der Eintritt ist frei.