PreispolitikBahntickets werden teurer

Die Bahn erhöht die Preise mit dem Winterfahrplan um knapp drei Prozent. Nebenbei blockiert sie die Möglichkeit, auf Monatskarten im großen Stil Mitfahrer mitzunehmen. von afp, dpa, reuters und dapd

Ein Intercity Express der Deutschen Bahn im Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)

Ein Intercity Express der Deutschen Bahn im Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)  |  © Michele Tantussi/GettyImages

Ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember kosten Fahrten mit der Deutschen Bahn durchschnittlich 2,8 Prozent mehr. Das Unternehmen begründete den Preisaufschlag vor allem mit den kontinuierlich steigenden Energiekosten. Strom und Benzin seien in zwölf Monaten um mehr als drei Prozent teurer geworden, sagte Bahnvorstand Ulrich Homburg.

Die Sparangebote sollen mit 29 Euro innerhalb Deutschlands und 39 Euro für Europa preislich stabil bleiben.

Der Maximalpreis im deutschen Streckennetz steigt demnach für eine einfache Fahrt in der zweiten Klasse im Winter von 135 auf 139 Euro. Das entspricht etwa der Strecke Hamburg-München. 

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Kritik an Preiserhöhung 2011

Die Bahncard wird um durchschnittlich 2,4 Prozent teurer. Die reguläre Bahncard 25 wird dann 60 Euro kosten, der Preis der Bahncard 50 wird um sieben Euro auf 247 Euro erhöht. Die Preise für Reservierungen bleiben konstant.

Bereits vor einem Jahr war der bundeseigene Konzern wegen einer Preiserhöhung im Fernverkehr um 3,9 Prozent heftig kritisiert worden. Diese Preispolitik nannte die Bahn zuletzt als Hintergrund ihres wirtschaftlichen Erfolgs : Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 verdreifachte sich das Betriebsergebnis der ICs und ICEs und übertraf damit sogar bereits das Gesamtjahr 2011 deutlich.

Missbrauch mit Monatskarten

Nur 2010 hatte der Konzern erstmals seit Längerem seine Preise im Fernverkehr nicht erhöht. Daher fiel der Anstieg im vergangenen Jahr auch deutlicher aus.

Gegen den Missbrauch von Monatskarten für bestimmte Strecken will die Bahn künftig stärker vorgehen. Mit diesen Fahrkarten kann ein Pendler am Samstag mehrere andere Reisende, etwa Familienmitglieder, mitnehmen. Das Angebot werde auf Strecken wie Berlin-Hamburg systematisch und kommerziell ausgenutzt, hieß es.

Der Hintergrund:  Über Mitfahrportale suchten manche Kartenbesitzer Mitreisende und kassierten von ihnen Geld. Künftig darf der Besitzer der Monatskarte am Samstag nur noch einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder mitnehmen.

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Leserkommentare
    • dj09111
    • 25. September 2012 12:59 Uhr

    ..es ist gut für die umwelt und günstiger als mit dem auto ist es allemal - was bahn fahren ist teurer, na dann ist der spritpreis noch zu günstig" würde ein anhänger der grünen diktatur wohl sagen...

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    Wenn alle externen Kosten des Autofahrens internalisiert würden, müssten die Anschaffungs- und Kraftstoffpreise sowie die Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuern so hoch sein, dass sie über die Produktionskosten, die Straßenkosten und die Kosten der Verkehrsüberwachung hinaus auch die externen Kosten der Lärmbelästigung, der Krebserzeugung durch den Abrieb der Reifen, der umweltschädlichen Emissionen und der nichtversicherten Unfallfolgen begleichen. Das Autofahren insgesamt würde dann wenigstens das Doppelte der heutigen Aufwendungen kosten. Vgl. Teufel 1986, Das Energie- und Produktsteuermodell des UPI-Instituts. Eine ähnliche Schätzung bei Meyer-Abich, Klaus Michael 1997a, Praktische Naturphilosophie, 356.
    http://www.nehmenundgeben...
    Die Externalisierung bringt ihnen privaten Nutzen, auch wenn sie zugleich anderen schadet. Die Leidtragenden der Abwälzung sind nicht sie, sondern bestimmte Menschengruppen (z.B. Lärmempfindliche), die Umwelt (Klima, Biodiversität usw.), die Gesellschaft (z.B. Staat und Kommune, die für die Beseitigung von Schäden aufkommen). Doch die Distanz zu den Geschädigten ist meist so groß, dass die Nutznießer den Schaden, den sie anrichten, nicht direkt vor Augen haben; zudem verteilt der Schaden sich meist auf eine diffuse Gesamtheit, so dass die Nutznießer die individuelle Schädigung für unerheblich halten können.
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    • WhoIAm
    • 25. September 2012 13:40 Uhr

    Stromkostenpauschale als Alibi?
    Ach Quatsch, Die Bahn muss den Gewinn aufrecht erhalten.
    Statt dem Kunden zu dienen, wird er gemolken...

    • gquell
    • 25. September 2012 13:41 Uhr

    Ich bin im Grunde ein begeisterter Bahnfahrer, aber manchmal bin ich am verzweifeln. Das fängt z.B. damit an, daß ein Regionalzug ausfällt. Als ich dann die Hotline anrief, durfte ich ca. 5,-EUR für die Warteschleife bezahlen, um zu erfahren, daß der Zugführer krank geworden war. Aus diesem Grund wurde auch eine Kostenerstattung für die nicht genutzte Fahrkarte abgelehnt.

    Das geht dann weiter zu unmöglichen Bahnhöfen. Ich habe zur Zeit ein Laufproblem. In großen Bahnhöfen wie Augsburg gibt es keinen Aufzug. Möglicherweise ist einer vorhanden, aber dann verdammt gut versteckt. Was macht dann eigentlich ein Rollstuhlfahrer?

    Und wenn ich dann noch erleben darf, daß die Bahn kostant pünktlich ist, wäre es auch sehr schön. Aber die Fahrpläne sind heute so dicht getaktet, daß jede kleine Verzögerung gleich das ganze System beeinflußt.

    Insgesamt muß die Bahn noch sehr viel für den Nahverkehr tun.

  1. Die Bahn zeigt durch diesen Schritt wieder einmal mehr ihre rückständigen Vorstellungen. Jeder ökonimischen Theorie zur Folge, bestimmt die Nachfrage den Preis. Reagiert die Bahn auf mit Preiserhöhungen auf Nachfragerückgänge? Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Noch kann sich die Bahn das leisten, schließlich subventioniert der Staat das Unternehmen und Konkurrenz gibt es hier in Deutschland sowieso nicht. Was hier geschieht ist die Ausnutzung seiner Monopolstellung. In einer Zeit, in der Mobilität als wichtiger Erfolgsfaktor im Berufsleben gilt, kann sich dieses Konzept nicht mehr lange durchsetzen. Es wird an jeder Ecke versucht, den Kunden (die CASHCOW) so gut wie es geht zu melken. Ich fahre schon lange nicht mehr Bahn. Mittlerweile ist es billiger, einen Mietwagen zu organisieren und 4 Mitfahren zu nehmen. Selbst mit der Bahncard 50 sind viele Mitfahrgelegenheiten günstiger. Der Bahnvorstand hat wohl noch nicht kapiert, dass sich das Verhalten der Kunden langsam ändert.

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    wird 2013 fallen und es dürfen Busse im Fernverkehr antreten. Für gewisse Distanzen werde auch ich dann umsteigen.

  2. Beispiel: Ulm - Erlangen:

    Bayern-Ticket 22 Euro (etwa vor einem Monat erhöht worden, wobei eine weitere Erhöhung bevorsteht).
    Normalpreis: ab 32,90€ (!!!)
    Geplante Reisedauer: etwas über 3 Stunden.
    Verspätung: wen wunderts, ständig. Bei der letzten (das bleibt auch die letzte) Reise eineinhalb Stunden Verspätung.
    Umstiege: 3.
    Entfernung: etwa 250km.

    Also da kann mir die Bahn und alle "Grünen" gestohlen bleiben, wenn ich in maximal 2 Stunden mit dem Auto die 250 km zurück legen kann! Als Mitfahrer kostet mich diese Strecke lediglich 13 Euro. Und muss nicht ein Mal umsteigen!

  3. Die Bahn hat einen Haupteigentümer: Unser Bund.
    Also sollte es Politikern möglich sein, Einfluß zu nehmen, aber anscheinend ist denen das egal. Warum? Was ist mit den hehren Klimazielen, Frau Bundeskanzler? Alles vergessen?

    Anschließend können wir wohl froh sein das die Bahn nicht privatisiert wurde, dann würde es wahrscheinlich noch schlimmer aussehen.

  4. Was ist schlimm, wenn Preise um 2,8% steigen? Jeder Bäcker erhöht mal die Brötchenpreise. Warum gibt das nur bei der Bahn so eine Aufregung?

    Ich fahre viel ICE, und meist sind die Züge pünktlich. Kann es sein, dass sich hier diejenigen echauffierne, die überhaupt nie Bahn fahren?

    Oder gehört blinder Bahn-Hass längst zum Kulturgut?

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    Ich gebe Ihnen recht: die, die am lautesten schreien, fahren auch selten Bahn. Ich sitze jeden Morgen als Pendler in einem Zug Richtung Frankfurter Flughafen und wenn wirklich mal zwei, drei Minuten draufkommen, dann meckern die mit den großen Koffern (natürlich auf den Sitzen verstaut), die genau zweimal im Jahr Zug fahren: nämlich zum Flughafen. Und das endet dann mit den Sätzen: Typisch Bahn (egal, ob DB oder Regionalverkehr).

    Über die Aufregung: ich glaube, es liegt ein bisschen daran, dass sich die Leute ohne Alternative sehen. Wenn man als Pendler auf die Bahn angewiesen ist und der Weg zur Arbeit teurer wird, ohne dass auch gleichzeitig das Gehalt steigt, dann tut das mehr weh als die Kaffeepreiserhöhung , weil der Zusammenhang deutlicher ist. Bei Benzinpreiserhöhungen ist das ja nicht anders.

    • hairy
    • 25. September 2012 15:00 Uhr

    Wenn mein Einkommen nicht steigt, derweil Baecker, Bahn und sonstwer, tja, dann bin ich der Depp. Ich fordere einen Mobilitaetzuschlag fuer Geringverdiener.

    Zum Bahn- kommt auch noch ein Grünen-Bashing, bei dem sich ein Zusammenhang für mich hier überhaupt nicht erschließt (Kommentar 1 und 5). Es schreiben wohl viele während der Arbeit, die ihren Frust nicht direkt beim Chef ablassen können...

    @nozomi07: "Ich fahre viel ICE, und meist sind die Züge pünktlich."
    Ja, prima - und woran, glauben Sie, liegt das wohl? Sie fahren in der „Premiumclass“ (ICE) - und nicht in der „Holzklassse“ (RB, RE). Die Bahn investiert doch überwiegend in die obersten Segmente ihres Angebotes; der Rest (Pendler, Nahverkehrsreisende und der ganze „Pöbel“) mag sehen, wo er bleibt. Damit spiegelt die Bahn allerdings auch nur die sonstige allgemeine Entwicklung der Gesellschaft wider. - Wer eher "oben" schwimmt, hat auch selten Grund zur Klage.

    • rev909
    • 25. September 2012 15:22 Uhr

    Ach wirklich, Herr nozomi07? Ich fahre ebenfalls sehr viel Bahn, und ich kann überhaupt nicht sagen dass die Bahn pünktlich ist! Zwischen Stuttgart und München ist es nämlich eine KATASTROPHE mit der Pünktlichkeit! Wo fahren Sie denn, bitteschön?
    Und jetzt kommst: Letzten Freitag Nachmittag, von Stuttgart nach München via ICE: Nach 15 Minuten hinter der geplanten Zeit sagte der Zugführer: "Der Zug ist überfüllt, wir können nicht losfahren! Wir bitten die Passagiere in den Gängen den Zug zu verlassen! Wenn nicht, dann muss der Zu geräumt werden."
    FAZIT: Man kauft für 27 EUR ein Bahnticket (wohlgemerkt bei Bahncard 50!), man hat KEINEN Anspruch auf einen Sitzplatz, und wird dann noch rausgeworfen!
    "Das kommt selten vor", mögen Sie sagen. NEIN, bei Strecken wie Stuttgart - München ist das nicht der Fall. WAS TUT DIE BAHN dagegen NICHT, GAR NICHTS. Und ich gebe hier einigen Lesern Rechts wenn Sie zeitgleich auf die Grünen schimpfen, das tute ich nämlich auch! Da die Grünen nämlich stolz auf ihr Monopol BAHN AG sind!

    hat bei mir erst angefangen, als mein Sohn zwei mal kurz hintereinander eine Nacht auf einem Bahnhof zubringen musste. Einmal in Füssen und einmal in Magdeburg. Nach der Nacht in Magdeburg war zu allem Überfluss seine Fahrkarte nicht mehr gültig und er musste die Schaffner überreden, ihn mitzunehmen.
    Bis heute warten wir auf eine Rückmeldung der Deutschen Bahn, obwohl wir die Formulare, die er von den Schaffnern zur Erstattung korrekt ausgefüllt haben (was nicht gerade einfach war) und mit allen Anlagen gleich am nächsten Tag abgeschickt haben.
    Ein Erwachsener hat meist noch Möglichkeiten, irgendwie weiterzukommen, aber ein Jugendlicher, der von einer Wanderung in den Alpen zurückkehrt, nicht. Er hatte noch 5 € in der Tasche und sein Handy-Akku war leer.

    • Maksi
    • 25. September 2012 14:24 Uhr

    Die Preiserhöhungen sind eine dermaßene Unverschämtheit. Wenn dann wenigstens das Zugpersonal freundlich, die Züge nicht hoffnungslos überfüllt (Beispiel: München -> Nürnberg nach Arbeitsende) und die Abfahrtszeiten zuverlässig wären, könnte man hohe Preise halbwegs rechtfertigen.

    Ich für meinen Teil greife wenn möglich auf Portale wie mitfahrgelegenheit.de zurück, oder treffe mich am Bahnsteig mit anderen Reisenden um den Fahrpreis zu teilen. Wenn sich die Menschen nur halbwegs organisieren würden, könnte die Bahn mit ihren Preisen einpacken.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, dapd
  • Schlagworte Bahncard | Benzin | Energiekosten | Erwachsene | Euro | Fernverkehr
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