Von Truth or Consequences, der Stadt der heißen Quellen im Tal des Rio Grande, führt eine erst geteerte, dann steinige Straße nach Osten, am Stausee von Elephante Butte vorbei, wo der zweitgrößte Damm Amerikas liegt, zu den San-Andreas-Bergen. Hinter diesen Bergen liegen Alomogordo und die White Sands Missile Range. Hier hat Wernher von Braun seine ersten Raketen in den amerikanischen Himmel geschossen, der Ursprung des Raumfahrtprogramms. An unserer, der westlichen Seite dieser Berge liegt dessen Zukunft: der Spaceport , der Weltraumbahnhof.

Das Terminal mit der Abfertigungshalle und einem Besucherzentrum ist bereits fertig; mit seinem gewölbten sandfarbenen Dach fügt es sich perfekt in die Landschaft ein. Es erinnert ein wenig an den riesigen Sandwurm von Dune aus Frank Herberts Science-Fiction-Serie – oder an die Siedlungen auf Tatooine aus der StarWars -Saga. Daneben liegt das ähnlich aussehende, aber deutlich kleinere Verwaltungsgebäude von Spaceport America. Die "Agency", die dem Staat New Mexico gehört, betreibt den Weltraumbahnhof. Die Gebäude, entworfen vom britischen Star-Architekten Sir Norman Foster, sollen noch begrünt werden.

Die Landebahn ist extra dick

Wir stehen vor dem Hangar, mitten auf der Betonfläche in der heißen Sonne, Christine Anderson, die Direktorin von Spaceport America, David Wilson, der Sprecher, und ich. Anderson deutet auf die große Glaswand des Hangars. "Dahinter werden die Besucher stehen und den Abflug beobachten können", sagt sie. "Aber wir bieten auch ein Programm für die, die nicht selber fliegen, ein richtiges Weltraumerlebnis, mit bunten Lichtern, mit einem simulierten Flug ins All in einem 3-D-Theater, und mehr."

Mit dem Design wurde die Firma Ideas aus Orlando beauftragt, die für Disney World arbeitet, zu dessen Attraktionen ebenfalls simulierte Weltallflüge gehören. Vor dem Hangar erstreckt sich die extra dicke Landebahn, für die hohen Belastungen ausgelegt, die der Start mit sich bringt. 2013 soll die Eroberung des Weltraums beginnen, aber Touren gibt es bereits jetzt.

Der Architekt Sir Norman Foster entwarf den Weltraumbahnhof in New Mexico. © Eva C. Schweitzer


Der Spaceport ist mitten im Wilden Westen. Hier lebten Billy the Kid und der Sheriff Pat Garret. Nördlich verläuft die Route 66 und die Eisenbahn über Santa Fe nach Los Angeles , der Southwest Chief. Östlich, noch jenseits von Alamogordo, liegen die Reservate der Mescalero-Apachen – und Roswell, wo 1947 angeblich ein berühmtes Ufo abstürzte. Im Westen erstreckt sich der Gila National Forest, wo einst Glücksjäger nach Silber gruben. Im Süden liegt Mexico. Entlang der Grenze verlief früher eine der ersten Bahnlinien, die Topeca Railroad, von Santa Fe über Bisbee bis nach Tucson, Arizona. Sie wurde parallel zum Camino Real de Tierra Adentro verlegt, dem 400 Jahre alten Handelsweg der Spanischen Krone, der von Mexico City kommt.

Keine Passagierjets sollen die Raumfahrt stören

"Die Topeca Railroad wurde von deutschen Ingenieuren gebaut", sagt David Wilson. "Deshalb haben viele Kleinstädte hier deutsche Namen, so wie Engle." Leider sei Engle heute eine Ghosttown. Früher habe auch die Lufthansa hier Übungsflüge veranstaltet, auf der Militärbasis bei Alamogordo. "Es gab damals eine Straße durch die San-Andreas Berge, da hat Wernher von Braun seine Raketen entlang gezogen", sagt Wilson. "Aber das Militär hat die heute aus Sicherheitsgründen geschlossen." Für den Spaceport sei die nahe Basis von Alomogordo allerdings essenziell: "Das Militär hat den Luftraum für Zivilflüge gesperrt, und das muss auch sein, denn sonst könnte ein Passagierjet unserem Raumschiff in die Quere kommen."

Das Raumschiff! Spaceport America baut zwar die Raumbasis im Auftrag des Staates New Mexico – für bislang 200 Millionen Dollar. Der Flug in den Weltraum aber wird von privaten Betreibern angeboten. Der "Anchor Tenant", wie Anderson sagt, also der erste wichtige Mieter, ist Virgin Galactic. Virgin gehört dem britischen Milliardär Richard Branson , dessen Ego es an Größe gut mit dem Sandwurm von Dune aufnehmen kann. Branson hatte, um den Zuschlag für den 20-Jahres-Vertrag zu bekommen, eigens eine amerikanische Firma gegründet .

Testflüge über der Wüste

Das Raumschiff wird derzeit in der Mojave Wüste in Kalifornien getestet, es gab aber auch schon Testflüge hier auf dem Spaceport. Das eigentliche Raumschiff, SpaceShipTwo genannt, wird von dem Mutterschiff, WhiteKnightTwo getragen, das wie ein Doppelflugzeug aussieht. WhiteKnightTwo fliegt bis zur Stratosphäre, rund 15 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Hier ist die Erdkrümmung schon zu erkennen. In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit, wo die Schwerkraft deutlich nachlässt.