USADie Zukunft des Tourismus liegt im Weltall

Früher sollen in der Nähe Ufos gelandet sein, in Zukunft sollen Touristen in den Weltraum fliegen: New Mexico baut einen Weltraumbahnhof. Von Eva Schweitzer, Alamogordo

Ab 2013 sollen vom Spaceport kommerzielle Weltraumflüge starten. Die Gebäude werden noch begrünt.

Ab 2013 sollen vom Spaceport kommerzielle Weltraumflüge starten. Die Gebäude werden noch begrünt.

Von Truth or Consequences, der Stadt der heißen Quellen im Tal des Rio Grande, führt eine erst geteerte, dann steinige Straße nach Osten, am Stausee von Elephante Butte vorbei, wo der zweitgrößte Damm Amerikas liegt, zu den San-Andreas-Bergen. Hinter diesen Bergen liegen Alomogordo und die White Sands Missile Range. Hier hat Wernher von Braun seine ersten Raketen in den amerikanischen Himmel geschossen, der Ursprung des Raumfahrtprogramms. An unserer, der westlichen Seite dieser Berge liegt dessen Zukunft: der Spaceport, der Weltraumbahnhof.

Das Terminal mit der Abfertigungshalle und einem Besucherzentrum ist bereits fertig; mit seinem gewölbten sandfarbenen Dach fügt es sich perfekt in die Landschaft ein. Es erinnert ein wenig an den riesigen Sandwurm von Dune aus Frank Herberts Science-Fiction-Serie – oder an die Siedlungen auf Tatooine aus der StarWars-Saga. Daneben liegt das ähnlich aussehende, aber deutlich kleinere Verwaltungsgebäude von Spaceport America. Die "Agency", die dem Staat New Mexico gehört, betreibt den Weltraumbahnhof. Die Gebäude, entworfen vom britischen Star-Architekten Sir Norman Foster, sollen noch begrünt werden.

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Die Landebahn ist extra dick

Wir stehen vor dem Hangar, mitten auf der Betonfläche in der heißen Sonne, Christine Anderson, die Direktorin von Spaceport America, David Wilson, der Sprecher, und ich. Anderson deutet auf die große Glaswand des Hangars. "Dahinter werden die Besucher stehen und den Abflug beobachten können", sagt sie. "Aber wir bieten auch ein Programm für die, die nicht selber fliegen, ein richtiges Weltraumerlebnis, mit bunten Lichtern, mit einem simulierten Flug ins All in einem 3-D-Theater, und mehr."

Mit dem Design wurde die Firma Ideas aus Orlando beauftragt, die für Disney World arbeitet, zu dessen Attraktionen ebenfalls simulierte Weltallflüge gehören. Vor dem Hangar erstreckt sich die extra dicke Landebahn, für die hohen Belastungen ausgelegt, die der Start mit sich bringt. 2013 soll die Eroberung des Weltraums beginnen, aber Touren gibt es bereits jetzt.

Der Architekt Sir Norman Foster entwarf den Weltraumbahnhof in New Mexico.

Der Architekt Sir Norman Foster entwarf den Weltraumbahnhof in New Mexico.


Der Spaceport ist mitten im Wilden Westen. Hier lebten Billy the Kid und der Sheriff Pat Garret. Nördlich verläuft die Route 66 und die Eisenbahn über Santa Fe nach Los Angeles, der Southwest Chief. Östlich, noch jenseits von Alamogordo, liegen die Reservate der Mescalero-Apachen – und Roswell, wo 1947 angeblich ein berühmtes Ufo abstürzte. Im Westen erstreckt sich der Gila National Forest, wo einst Glücksjäger nach Silber gruben. Im Süden liegt Mexico. Entlang der Grenze verlief früher eine der ersten Bahnlinien, die Topeca Railroad, von Santa Fe über Bisbee bis nach Tucson, Arizona. Sie wurde parallel zum Camino Real de Tierra Adentro verlegt, dem 400 Jahre alten Handelsweg der Spanischen Krone, der von Mexico City kommt.

Keine Passagierjets sollen die Raumfahrt stören

"Die Topeca Railroad wurde von deutschen Ingenieuren gebaut", sagt David Wilson. "Deshalb haben viele Kleinstädte hier deutsche Namen, so wie Engle." Leider sei Engle heute eine Ghosttown. Früher habe auch die Lufthansa hier Übungsflüge veranstaltet, auf der Militärbasis bei Alamogordo. "Es gab damals eine Straße durch die San-Andreas Berge, da hat Wernher von Braun seine Raketen entlang gezogen", sagt Wilson. "Aber das Militär hat die heute aus Sicherheitsgründen geschlossen." Für den Spaceport sei die nahe Basis von Alomogordo allerdings essenziell: "Das Militär hat den Luftraum für Zivilflüge gesperrt, und das muss auch sein, denn sonst könnte ein Passagierjet unserem Raumschiff in die Quere kommen."

Das Raumschiff! Spaceport America baut zwar die Raumbasis im Auftrag des Staates New Mexico – für bislang 200 Millionen Dollar. Der Flug in den Weltraum aber wird von privaten Betreibern angeboten. Der "Anchor Tenant", wie Anderson sagt, also der erste wichtige Mieter, ist Virgin Galactic. Virgin gehört dem britischen Milliardär Richard Branson, dessen Ego es an Größe gut mit dem Sandwurm von Dune aufnehmen kann. Branson hatte, um den Zuschlag für den 20-Jahres-Vertrag zu bekommen, eigens eine amerikanische Firma gegründet.

Testflüge über der Wüste

Das Raumschiff wird derzeit in der Mojave Wüste in Kalifornien getestet, es gab aber auch schon Testflüge hier auf dem Spaceport. Das eigentliche Raumschiff, SpaceShipTwo genannt, wird von dem Mutterschiff, WhiteKnightTwo getragen, das wie ein Doppelflugzeug aussieht. WhiteKnightTwo fliegt bis zur Stratosphäre, rund 15 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Hier ist die Erdkrümmung schon zu erkennen. In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit, wo die Schwerkraft deutlich nachlässt.

Leser-Kommentare
    • k00chy
    • 05.10.2012 um 10:22 Uhr

    Der Vergleich mit den American Airlines hinkt doch gewaltig.

    Haben die Leute sich da in der Wüste zuviel Sonne auf den Kopf scheinen lassen? Wir haben hier gewaltige Probleme auf uns zukommen, die geringer-werdenden Ressourcen sind nur eines davon.

    Wer glaubt, dass bald jede Stadt einen eigenen Spaceport hat und man mal eben auf die andere Seite der Welt fliegen kann, der irrt sich. Selbst Flugzeuge zu betreiben wird in den nächsten Dekaden zu einem kostenschweren Unterfangen. Und das ist auch gut so.

  1. Die Flughöhe von Langstreckenflugzeugen liegt bei 10-12km, also kaum unter der hier angegebenen 15 km - kann man da schon von Weltall sprechen? Die Aussicht wird jedenfalls nicht viel anderes als im Flugzeug sein.

    Die Schwerelosigkeit kommt natürlich nicht durch nachlassende Gravitation zum Tragen, sondern wird höchstwahrscheinlich durch einen sogenannten Parabelflug erreicht. Das ist wie ein "freier Fall", der sogar bereits im Anstieg beginnen kann, sobald die Beschleunigung weggenommen wird. Ein solcher wird für wissenschaftliche Zwecke auch mit normalen Flugzeugen durchgeführt. Die mitfliegenden Passagiere brauchen wohl, sofern sie nicht wirklich trainierte Flieger sind, einiges an Medikamenten gegen Übelkeit. Also bitte Plastiktüte nicht vergessen.

    Ich bezweifle daher, ob eine solche Reise wirklich ein Genuss ist. Wohl eher eine Eintrittskarte in den Klub der reichen und tollkühnen Männen. Naja, wers braucht ...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Da fliegt ein Flugzeug etwas höher, und schon schwärmen Sie von "Eroberung des Weltraums"? Also, ich gehe jetzt auf die Terrasse, und sag dann ich hätte die Welt erobert.

    Übrigens, dass man demnächst im Hyperschall-Jet in nur 2 Stunden bis Sydney kommt, wissen alte P.M.-Leser seit etwa 1980...

  3. mea culpa, da haben einige einschließlich mir wohl nicht genau genug gelesen - es geht insgesamt in 15 + 100 km Höhe, also schon deutlich mehr in Richtung Weltall.

    Das ändert aber nichts daran, dass dort die Schwerkraft erst mal fast genau so groß ist auf der Erde... und dass ich wie viele Vorredner hoffe, dass dies nicht die Zukunft des Tourismus wird - für eine halbe Stunde Staunen und Übelkeit eine obszöne Menge an Treibstoff zu verbrennen kann kaum eine nachhaltige Lösung sein.

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    • Kiira
    • 05.10.2012 um 17:21 Uhr

    Im Artikel steht es falsch:

    Das eigentliche Raumschiff, SpaceShipTwo genannt, wird von dem Mutterschiff, WhiteKnightTwo getragen, das wie ein Doppelflugzeug aussieht. WhiteKnightTwo fliegt bis zur Stratosphäre, rund 15 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Hier ist die Erdkrümmung schon zu erkennen, und es herrscht kaum noch Schwerkraft. In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit.

    Erst während des Parabelfluges des ausgeklinkten SpaceShipTwo werden Höhen erreicht, bei denen die Erdkrümmung zu überblicken ist. Wie schon mehrfach gesagt, erfahren die Passagiere dort für etwa fünf Minuten ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Aber nicht, weil die Schwerkraft wegen der Höhe nennenswert nachlassen würde, sondern wegen der parabelförmigen Flugbahn. Die Schwerkraft beträgt am höchsten Punkt der Parabel in 115 km Höhe immer noch etwa 96 Prozent.

    Übrigens ist der "Hybridantrieb" keine Kombination aus Benziner und Elektromotor (wie im heutigen Sprachgebrauch üblich - keine Ahnung, ob die Autorin das vermutet), sondern eine Kombination aus Feststoffrakete und Gas-Antrieb.

    • Kiira
    • 05.10.2012 um 17:21 Uhr

    Im Artikel steht es falsch:

    Das eigentliche Raumschiff, SpaceShipTwo genannt, wird von dem Mutterschiff, WhiteKnightTwo getragen, das wie ein Doppelflugzeug aussieht. WhiteKnightTwo fliegt bis zur Stratosphäre, rund 15 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Hier ist die Erdkrümmung schon zu erkennen, und es herrscht kaum noch Schwerkraft. In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit.

    Erst während des Parabelfluges des ausgeklinkten SpaceShipTwo werden Höhen erreicht, bei denen die Erdkrümmung zu überblicken ist. Wie schon mehrfach gesagt, erfahren die Passagiere dort für etwa fünf Minuten ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Aber nicht, weil die Schwerkraft wegen der Höhe nennenswert nachlassen würde, sondern wegen der parabelförmigen Flugbahn. Die Schwerkraft beträgt am höchsten Punkt der Parabel in 115 km Höhe immer noch etwa 96 Prozent.

    Übrigens ist der "Hybridantrieb" keine Kombination aus Benziner und Elektromotor (wie im heutigen Sprachgebrauch üblich - keine Ahnung, ob die Autorin das vermutet), sondern eine Kombination aus Feststoffrakete und Gas-Antrieb.

    • Kiira
    • 05.10.2012 um 17:21 Uhr

    Im Artikel steht es falsch:

    Das eigentliche Raumschiff, SpaceShipTwo genannt, wird von dem Mutterschiff, WhiteKnightTwo getragen, das wie ein Doppelflugzeug aussieht. WhiteKnightTwo fliegt bis zur Stratosphäre, rund 15 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Hier ist die Erdkrümmung schon zu erkennen, und es herrscht kaum noch Schwerkraft. In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit.

    Erst während des Parabelfluges des ausgeklinkten SpaceShipTwo werden Höhen erreicht, bei denen die Erdkrümmung zu überblicken ist. Wie schon mehrfach gesagt, erfahren die Passagiere dort für etwa fünf Minuten ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Aber nicht, weil die Schwerkraft wegen der Höhe nennenswert nachlassen würde, sondern wegen der parabelförmigen Flugbahn. Die Schwerkraft beträgt am höchsten Punkt der Parabel in 115 km Höhe immer noch etwa 96 Prozent.

    Übrigens ist der "Hybridantrieb" keine Kombination aus Benziner und Elektromotor (wie im heutigen Sprachgebrauch üblich - keine Ahnung, ob die Autorin das vermutet), sondern eine Kombination aus Feststoffrakete und Gas-Antrieb.

  4. "In der zweiten Stufe fliegt das Raumschiff SpaceShipTwo, das einen Hybridantrieb hat, noch einmal gut Hundert Kilometer in den Orbit"

    Nein. Nix Orbit.
    Ich habe gestutzt als ich das gelesen habe, nachgeschaut bei WP (eine Sache von Sekunden!):
    "Das Raumflugzeug soll ab Ende 2013 suborbitale Raumflüge durchführen [...]"

    suborbital ist einfach nur ein Weilchen Parabel fliegen, hier immerhin jenseits der 100km, also mal kurz im Weltraum. Ist aber nicht zu vergleichen mit einem Aufenthalt im Orbit.

    Zum Thema: Ich finde es gut daß Branson sowas aufbaut. Ja, er mag ein Ego haben, mir egal, aber er verwirklicht Träume, er wagt etwas!
    Trotz hungernder Kinder in Afrika würde ich mitfliegen, wenn ich die Kohle hätte. Auch wenn heißt: nix Orbit.

    Eine Leser-Empfehlung

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