TunesienKairouan wurde noch nicht wachgeküsst

Tunesien hat die Tourismusflaute überwunden, doch nicht alle Orte profitieren vom Aufschwung. In Kairouan müssen Tagestouristen nirgendwo Schlange stehen. von 

Medina in Kairouan

Medina in Kairouan  |  © Katharina Pfannkuch

Die Schiebetür des Minibusses öffnet sich. Karim springt auf den heißen, staubigen Boden vor der hohen Mauer, die die Altstadt von Kairouan in  Tunesien umgibt. "Wir sind da!", ruft er in das Innere des Busses. Nur neun Personen haben sich für die Führung angemeldet, eine französischen Gruppe. "Früher, vor der Revolution, habe ich Gruppen von bis zu 30 Personen auf solche Ausflüge begleitet", sagt Karim, "heute bin ich schon über neun Teilnehmer froh".

Karim arbeitet für eine lokale Reiseagentur in Mahdia , einem kleinen Badeort, der rund 120 Kilometer entfernt von Kairouan liegt. Die Tour nach Kairouan ist seit Jahren fester Bestandteil des Programms, doch immer weniger Gäste entscheiden sich für den Trip ins Landesinnere. Aurélie gehört zu den wenigen Neugierigen. Die junge Studentin aus Marseille freut sich über die Teilnehmerzahl: "In kleinen Gruppen gewinnen solche Ausflüge doch eine Qualität, wie es sie sonst nur bei Studienreisen gibt."

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Nach den Massenprotesten in Tunesien im Frühjahr 2011, die nicht nur den Sturz des Ben-Ali-Regimes, sondern auch eine angespannte Sicherheits- und Wirtschaftslage zur Folge hatten, mieden vor allem europäische Touristen das Ferienziel am Mittelmeer. Unmittelbar nach der "Jasmin-Revolution" kam der tunesische Tourismus-Sektor mit Verlusten von bis zu 85 Prozent fast zum Erliegen .

Aufschwung – aber nicht überall

Mittlerweile hat sich die Branche erholt, die Buchungszahlen liegen nur noch knapp unter dem Niveau der Saison 2010 – und sie steigen weiter: Allein im Mai 2012 wurde die Ankunft von knapp 500.000 Touristen verzeichnet. Die meisten Besucher kommen aus Libyen – wie es schon in den 1990er Jahren der Fall war – und Frankreich ; an dritter Stelle stehen algerische Touristen. Deutsche Tunesien-Reisende stellen die viertgrößte Gruppe dar.

"Es geht wieder aufwärts mit dem tunesischen Tourismus", sagt Mohamad Kerrou, Soziologe und Tourismus-Experte an der Universität Tunis. Denn anders als etwa in Ägypten sei die Revolution in Tunesien weitgehend friedlich verlaufen: "Die positive Berichterstattung in den westlichen Massenmedien lockt wieder Touristen ins Land." Doch der Aufschwung kommt noch nicht überall an: Vor Touren ins Landesinnere schrecken viele Touristen seit der Revolution zurück. Anlass zu Sorge bei Fahrten ins tunesische Binnenland besteht jedoch nicht, wie auch das Auswärtige Amt bestätigt.

Kairouan gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe

Anders als Badeorte wie Sousse oder Mahdia hat Kairouan zudem kaum Übernachtungsgäste, die Stadt lebt vom Tagestourismus. Reisegruppen wie jene, die Karim heute durch Kairouan führt, verbringen maximal einen Tag in der 130.000-Einwohner-Stadt, die seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Oft bleibt sogar nur ein halber Tag, um die Sehenswürdigkeiten der Altstadt im Eiltempo zu besichtigen.

Die Touristen sind die einzigen, die es in der Altstadt von Kairouan eilig haben: Innerhalb der rund vier Kilometer langen Stadtmauer geht es gemächlich zu. Nur wenige Autos schieben sich durch die engen Straßen, vorbei an Händlern, die ihre Waren auf Karren hinter sich herziehen.

Die Altstadt von Kairouan sei ein "Extrakt aus Tausendundeiner Nacht, durchdringendes und berauschendes Aroma, gleichwohl erleuchtend", schrieb Paul Klee 1914 begeistert. Auch heute heben sich leuchtend weiße Mauern vor einem strahlend hellblauen Himmel ab – jenes Hellblau, in dem auch die kunstvoll geschwungenen Gitter vor den Fenstern der Stadthäuser gestrichen sind. 

Leserkommentare
  1. ...die gleichen Dinge erstehen, die man auch in Sousse erstehen könnte, oder Teppiche zweifelhaften Geschmacks kaufen, und sich mit dem deutschen Zoll herumschlagen ?
    Oder ein Moschee besichtigen, wo man ihn den Hof hineinkommt, aber nicht in die Gebetshalle ?

    Davon abgesehen hat speziell Mahdia aber hervorragende Strände und freundlichen Leute zu bieten, und einen Abstecher nach el Djem, oder ins nagelneugebaute Bardo-Museum, wäre auch etwas, nicht nur für die Touristen, sondern auch für eine Reportage bei zeit.de.

    Die besten Empfehlung für ein Reiseland wäre allerdings, nachzuhaken, ob man bei Ein-oder Ausreise immer noch so lange an den Schaltern im Flughafen steht, wie vor der Revolution.

  2. 2. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    Entfernt. Fragen zur Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    Die Redaktion titelt mit verfänglichem Anklang. Ich weise in angemessener Form darauf hin. Das soll unsachlich sein? Na, ich weiß nicht.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Fragen zur Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "[...]"
  4. ... hat lediglich darauf hingewiesen, daß die Überschrift sehr nahe am Beginn von Schestaks Lied ist, das mit "Deutschland erwache" anfängt. Das ist auch mir sehr säuerlich aufgestoßen und hat mich vom Lesen dieses Artikels abgehalten.
    Deswegen einen Kommentar als "unsachlich" zu löschen, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie.

  5. Die Redaktion titelt mit verfänglichem Anklang. Ich weise in angemessener Form darauf hin. Das soll unsachlich sein? Na, ich weiß nicht.

    Antwort auf "[...]"
  6. Redaktion

    Sehr geehrte Leser,

    danke für den Hinweis. Wir haben die Überschrift geändert.

    Viele Grüße aus der Redaktion.

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