EntschädigungEuropäisches Gericht stärkt Fluggastrechte

Hat ein Flug mehr als drei Stunden Verspätung, können Reisende mit bis zu 600 Euro entschädigt werden. Das Urteil gilt auch rückwirkend. von afp, dpa und dapd

Bei Flugverspätungen von mehr als drei Stunden haben Reisende nun endgültig Anspruch auf eine Ausgleichsleistung von bis zu 600 Euro. Dies entschied der Europäische Gerichtshof ( EuGH ) und präzisierte damit seine erste Entscheidung zum Ausgleich für Flugverspätungen vom November 2009.

Die Regelung greift dann, wenn die Verspätung mehr als drei Stunden beträgt. Betroffene können in diesem Fall je nach Flugentfernung zwischen 250 und 600 Euro Ausgleichsleistung fordern. Nach Meinung von Experten ist das Urteil auch noch rückwirkend von Bedeutung. Deutsche Flugreisende können "Altansprüche bis zu drei Jahre rückwirkend geltend machen", sagte Philipp Kadelbach vom Verbraucherportal für Fluggastrechte, flightright.de.

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Nach Auffassung des Gerichts gibt es allerdings eine Einschränkung für die Regelung. Demnach müssen die Airlines dann nicht zahlen, wenn die Ursache der Verspätung von den Gesellschaften "nicht zu beherrschen" ist. Dies gilt immer dann, "wenn das Luftfahrtunternehmen nachweisen kann, dass die große Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären". Gemeint sind laut EuGH damit "Umstände, die von dem Luftfahrtunternehmen tatsächlich nicht zu beherrschen sind" – wie etwa ein spontaner Streik des Bodenpersonals eines Flughafens.

Der EuGH bezieht sich dabei auf seine eigene Rechtsprechung im sogenannten Sturgeon-Urteil. Demnach sind Reisende verspäteter Flüge mit jenen annullierter Flüge gleichgestellt. Ob Annullierung in letzter Minute oder erhebliche Flugverspätung: In beiden Situationen müssten Reisende einen Zeitverlust hinnehmen und hätten damit einen Anspruch auf Ausgleichsleistung.

Das Urteil gilt laut EuGH "unbegrenzt". Betroffen sind also nicht nur die Kläger des Ausgangsverfahrens gegen Lufthansa , TUI Travel, British Airways und die Billigfluggesellschaft Easyjet, sondern alle Betroffenen innerhalb der nationalen Verjährungsfristen. In Schweden wären das Kadelbach zufolge zehn Jahre, in England sechs und in Deutschland drei Jahre.

Der Jurist Kadelbach geht mit Blick auf das Urteil davon aus, dass die Airlines bei Ausgleichsforderungen nun kooperativer werden. "Das Urteil des EuGH wird zum Sargnagel in ihrer Argumentation, die Rechtslage sei unklar ."

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Leserkommentare
  1. [...]
    Wir können, wenn das so weiter geht, langsam von einem "goldenen Zeitalter des Mittelalters", denn die heutige Justiz verbreitet mehr Unheil zum Entsetzen gegen jedes Rechtsempfinden.
    So erhalten Mörder, Vergewaltiger und Betrüger Bewährung, .... Forscher werden im Gegenzug zu 6 Jahren Haft verurteilt weil diese keine Hellseherischen Fähigkeiten haben.
    Und anstatt froh zu sein das ein Flug ohne Blitzeinschlag und Terror usw. verläuft, sollen die Fluggesellschaften .... der verwöhnten Rasse "Neumensch" wegen Verspätung das Geld noch hinterher tragen.
    Ja,...ja,... Geiz ist Geil, damit machen wir uns die Wirtschaft nur kaputt und vor allem das Miteinander und das menschliche.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    Eine Leserempfehlung
    • MaxS2
    • 23. Oktober 2012 14:31 Uhr

    Bei einem ähnlichen Fall habe ich bei einer Airline einen Flug mit Zwischenlandung/Umsteigen gebucht. Der erste Flug war zwei Stunden verspätet, der Anschlussflug wurde nicht erreicht. In der Konsequenz musste ich übernachten und kam erst 15 Stunden später am Zielort an.

    Hier hat sich die Airline geweigert zu zahlen mit dem Hinweis, die Abflugsverspätung des ersten Fluges sei unter 3 Stunden gewesen. Leider hat der EUGh hierzu noch nicht entschieden (EuGH C 11-11).

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/sam

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, kg
  • Schlagworte EuGH | Lufthansa | TUI | Airline | Euro | Europäischer Gerichtshof
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