ArchäologieDas Geheimnis der Steine von Simbabwe

Afrikas größtes Stein-Bauwerk nach den Pyramiden: Die Ruinen von Groß-Simbabwe bergen bis heute Rätsel. Die Regierung erklärte sie zum nationalen Kulturgut. Von A. Jeska von Andrea Jeska

Das wegweisende Schild steht dort, wo sich Jason Moyo und Robert Mugabe kreuzen. Die beiden kreuzen sich in fast jeder Stadt. Miteinander oder mit Heribert Chitepo, Kwame Nkrumah, Julius Nyere, Kenneth Kaunda, Nelson Mandela . Die Helden der Revolutionen und Befreiungskriege sind in Simbabwe auf Straßenschildern verewigt. Dass die dazu gehörige Straße manchmal nur ein Schotterweg ist, passt in dem einen oder anderen Fall recht gut. Steinig und voller Schlaglöcher war schließlich auch der Weg der afrikanischen Länder in die Unabhängigkeit.

Das Schild weist zum Nationalheiligtum dieses Landes: Great Zimbabwe . Die Ruinenlandschaft eines untergegangenen Reiches. Eine aus aufeinandergelegten Granitblöcken erbaute Stadt, 722 Hektar groß, ummauert und befestigt. Man sagt, sie sei neben den Pyramiden das größte steinerne Bauwerk in Afrika . In seiner Blütezeit, vom 11. bis zum 15. Jahrhundert, reichte sein Einfluss vermutlich bis Botswana im Süden, Mosambik im Osten. Dzimba dza mabwe ist der Name der einheimischen Shona für dieses Reich: steinernes Haus. Von diesem erhielt das Land nach seiner Unabhängigkeit seinen Namen: Aus Rhodesien wurde Zimbabwe.

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Seit 1986 ist Groß-Simbabwe Teil des Weltkulturerbes. Entsprechend hatte ich eine Unmenge an Schildern erwartet, vielleicht schon Informationsbuden, Souvenirverkäufer, die nachgemachte Steine dieses Reiches verhökern oder eine Miniatur in einem Schüttelglas. Doch aus der Hauptstadt Harare kommend, gab es bis Masvingo keinen Hinweis. Nur Busch und Dörfer, durch Lowveld und über Highveld fuhr ich, durch Laubwälder und Savanne. Die wellblechbedachten Steinhäuser in den Ausläufern der Stadt verschwanden, stattdessen baute man Rundhütten aus Lehm, die Grasdächer waren tief gezogen und die Vorratskammern auf Stelzen gestellt.

Benzin aus Kanistern statt aus Zapfsäulen

Es war ein afrikanisches Idyll und hätte ich nicht gewusst, dass nach der letzten simbabwischen Wahl im Jahr 2008 vor allem hier, im menschen- und bisweilen gottverlassenen Inneren der Wahlsieg des Präsidenten Mugabe mit Gewalt erzwungen wurde, die Schönheit hätte mich tief berührt. Irgendwann entlang der Strecke brauchte das Auto Benzin. An der einen Tankstelle, die ich fand, gab es Zapfsäulen, aber mehr auch nicht. Ein paar hilfsbereite Leute kamen mit Reservekanistern und einem Trichter, für ein Viertel Tankfüllung reichte es und die Quittung dafür gab man mir auf einer herausgerissenen Zeitungsseite darauf stand die Schlagzeile: "Mann aus Masvingo ließ seine Schwiegermutter verhexen."

Masvingo war zunächst eine lange Ausfallstraße und dann eine Ansammlung von uncharmanten Häusern, die sich um ein paar Kreuzungen gruppierten. Die Straßen waren nicht besonders sauber und es gab keinen Grund zu bleiben. Die Ausschilderung nach Great Zimbabwe führte auf eine weitere Ausfallstraße und dann hinaus aus der Stadt und wieder hinein in ein schwungvolles Hügelland. Hatte ich gedacht, auf Scharen von Touristen zu treffen? Wenigstens auf Dutzende Einheimische? Schulklassen auf dem Weg zu jenem Reich, in dessen Tradition sich das Land heute sieht? Doch die Straße war leer, nur ein Fahrradfahrer ächzte die Hügel hinauf.

Labyrinth aus Mauern

An der Einfahrt zu dem Nationalpark, der Great Zimbabwe heute ist, wäre ich fast vorbei gefahren. Sie war alles andere als pompös. Die 20 Dollar Eintrittsgebühr für den Nationalpark zahle ich noch gerne, aber die Zettelwirtschaft, die ich ausfüllen musste, erschien mir so umfangreich, als wolle ich die Staatsbürgerschaft beantragen.
Die Ruinen sahen auf den ersten Blick aus wie ein Kinderbauwerk. Great Enclosure, The Hill Complex und The Valley Complex heißen die drei Gebiete, die für Touristen hergerichtet wurden. Von allen dreien sind nur noch die umfriedenden Mauern übrig, hinter denen die Bewohner in Hütten lebten. Die dicken Mauern schützten vor Feinden und vor Kälte.

The Hill Complex auf einem steilen Hügel schien mir am spannendsten. An Horden von Affen vorbei gelangte ich in eine Art Mauerlabyrinth, auf Wege, die wie eine Schnecke angelegt sind, zwischen schmalen Felsen hindurch, auf verschiedene Ebenen. Das alles erforschte ich, als sei ich Indianer Jones persönlich. Der Blick auf das Tal und die dort liegenden beiden anderen Einfriedungen war spektakulär, und wenn es nicht so bestialisch nach Affenkacke gerochen hätte, wäre es ein schöner Ort gewesen.

Rinder, Gold und Elfenbein

Steine, Steine und weitere Steine. So historisch bedeutsam das Nationalheiligtum ist, so unspektakulär ist es als Besichtigungsstätte, zumindest dann, wenn man kein Hobbyarchäologe ist. Meine Vorstellungskraft reichte für einen Gesamteindruck nicht aus und so hätte ich mir im dazugehörigen Museum eine Rekonstruktion gewünscht, wie dieses Reich wohl einmal aussah. Doch die gab es nicht.


Leserkommentare
  1. und spannend ausführliche Beschreibung wie sich die Vergangenheit heute zeigt.

  2. "Im 14. Jahrhundert war dieses Reich auf seinem Höhepunkt und sein Einfluss ging bis Mosambik und Botswana."

    Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass man vor Ort auch noch Porzellanfragmente aus der chinesischen Ming-Periode fand. Der Handel ging also noch viel weiter, falls diese dort gezeigten Fragmente keine Mugabe-Propaganda waren. Ansonsten ein sehr schöner Artikel und es scheint sich in den letzten 20 Jahren dort nicht viel verändert haben.

    • ikstej
    • 02. November 2012 8:56 Uhr

    "Indiana Jones", bitte

  3. "Die Straßen waren nicht besonders sauber und es gab keinen Grund zu bleiben.", "Affenkacke", "ausgerechnet in dieser Pampa","Dass die dazu gehörige Straße manchmal nur ein Schotterweg ist, passt in dem einen oder anderen Fall recht gut"...

    mehr Klischee-Gedanke geht wohl kaum. Kann man nicht erst einmal wertschätzend erleben, bevor man alles besser weiß?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich denke, dass es der Autorin auch um den Kontrast geht zwischen dem heruntergekommenen Simbabwe heute und der einzigartigen großen Vergangenheit. Davon abgesehen - waren Sie schon mal in Masvingo? Ich kann Ihnen versichern, dass es nicht gerade die aufstrebenste Stadt Afrikas ist. Auch Pampa und Schotterwege stimmen. Um nach Great Zimbabwe zu kommen, muss man gefühlt kilometerweit über einen Trampelpfad laufen. Erschlossen ist da nichts.

    Vielleicht wäre das anders, wenn Mugabe nicht nur Straßen nach sich benannt hätte, sondern sie auch hätte ausbauen lassen, aber er entschied sich dazu, das Land zu plündern. Vor etwa 10 Jahren war es noch ein sehr schönes Land zum Leben, aber heute - wie die Autorin schreibt, gibt es keinen Grund mehr zu bleiben.

  4. Ich denke, dass es der Autorin auch um den Kontrast geht zwischen dem heruntergekommenen Simbabwe heute und der einzigartigen großen Vergangenheit. Davon abgesehen - waren Sie schon mal in Masvingo? Ich kann Ihnen versichern, dass es nicht gerade die aufstrebenste Stadt Afrikas ist. Auch Pampa und Schotterwege stimmen. Um nach Great Zimbabwe zu kommen, muss man gefühlt kilometerweit über einen Trampelpfad laufen. Erschlossen ist da nichts.

    Vielleicht wäre das anders, wenn Mugabe nicht nur Straßen nach sich benannt hätte, sondern sie auch hätte ausbauen lassen, aber er entschied sich dazu, das Land zu plündern. Vor etwa 10 Jahren war es noch ein sehr schönes Land zum Leben, aber heute - wie die Autorin schreibt, gibt es keinen Grund mehr zu bleiben.

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