Der Nürnberger Hauptbahnhof wurde trocken gelegt: Weil sich Reisende von angetrunkenen Jugendlichen in der Bahnhofshalle gestört fühlten, ist der Alkoholkonsum dort seit Mitte Oktober zu bestimmten Uhrzeiten verboten. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist die Maßnahme wirksam, das Klima im Bahnhof wieder besser. Auch einige regional agierende Beförderer untersagen den Konsum von Alkohol in ihren Zügen. Ein generelles Gesetz wird es in absehbarer Zeit wohl dennoch nicht geben. Wie unterschiedlich der Umgang mit angetrunkenen Fahrgästen und Alkoholkonsum in Zügen und am Gleis gehandhabt wird, zeigen diese vier Szenarien.

Alkoholkonsumverbot im Bahnhof

Seit Mitte Oktober ist es im Nürnberger Hauptbahnhof verboten, Alkohol zu trinken – zumindest in den Nächten auf Samstag und Sonntag sowie vor Feiertagen in der Zeit von 20 bis 6 Uhr. Passagiere hatten sich zu oft von Gruppen angetrunkener Jugendlicher belästigt gefühlt oder waren bedroht worden, auch kam es zu Schlägereien. Hat das Alkoholkonsumverbot bereits etwas bewirkt?

Claudia Gremer, Bahnhofsmanagerin des Nürnberger Hauptbahnhofs, DB Station&Service AG:

"Die Stimmung hat sich merklich abgekühlt. Vor dem Alkoholkonsumverbot kamen am Wochenende bis zu 500 junge Menschen in den Bahnhof, um für den Diskotheken-Besuch vorzuglühen. Nun treffen sie sich anderswo, oder kommen nur noch in kleinen Gruppen. Nach den ersten vier Wochen des Verbots können wir feststellen: Pöbeleien und Vandalismusschäden haben merklich abgenommen. Konkrete Zahlen können wir aber noch nicht nennen.

Obwohl es richtig war, unser Hausrecht zu ändern, halten wir ein generelles Alkoholkonsumverbot für überzogen. Es ist ein Unterschied, ob eine Gruppe, die gar nicht verreisen möchte, die Bahnhofshalle stundenlang zur Bar macht, oder ob jemand noch einen letzten Schluck aus der Flasche Feierabendbier trinkt, bevor er zum Zug geht. Für Reisende, die an einer Gruppe vorbeikommen, die Alkohol trinkt und die sich davon gestört fühlen, bleibt immer noch die Möglichkeit, die Kollegen der DB-Sicherheit oder der Bundespolizei anzusprechen oder am Informationsschalter auf das Problem hinzuweisen."

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Alkoholkonsumverbot in der S-Bahn

Am Wochenende sieht man in der Berliner S- und U-Bahn oft größere Gruppen von Partygängern, die mit Bier- und Wodkaflaschen unterwegs zu Bars und Clubs sind. Auch wenn sich die Mehrheit friedlich verhält, kommt es doch immer wieder zu Pöbeleien oder Handgreiflichkeiten. Muss man betrunkene Mitreisende still ertragen?

Hans-Werner Franz, Geschäftsführer desVerkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB):

"Das ist eines der Themen des Netzwerks für Fahrgastsicherheit, das Mitte 2011 auf Initiative des VBB gegründet wurde. Vertreter der beiden Länder Berlin und Brandenburg , der Kommunen, der Verkehrsbetriebe, der beiden Innenministerien, der Landes- und der Bundespolizei treffen sich zweimal im Jahr, um solche Probleme gemeinsam anzugehen.

In einer von uns mit der TU Berlin durchgeführten Studie gaben 48 Prozent der befragten Fahrgäste an, dass sie sich von Alkohol trinkenden Personen belästigt fühlen. Handelt es sich um alkoholisierte Gruppen, steigt das Gefühl der Verunsicherung noch. Ein nicht unerheblicher Teil der Straftaten im öffentlichen Personennahverkehr von Berlin und Brandenburg wird unter Alkoholeinfluss verübt. Eine genaue Statistik dazu gibt es leider nicht.

Man kann aber davon ausgehen, dass die Polizei rund 2.000 Mal im Jahr wegen einer Straftat im Berliner Nahverkehr zu Hilfe gerufen wird – also etwa 40 Mal pro Woche. Da verwundert es nicht, dass 56 Prozent der befragten Fahrgäste sich ein Alkoholverbot wünschen – dass es im Prinzip in Berlin und Brandenburg schon gibt. In den VBB-Beförderungsbedingungen steht: Wer stark alkoholisiert ist, hat kein Recht darauf, befördert zu werden. Wir haben sogar noch einen zweiten Passus: Offene Getränke sind nicht erlaubt, also auch kein Bier und kein Schnaps.

In den U-Bahnen gibt es entsprechende Aufkleber mit einer durchgestrichenen Flasche. Das Verbot lässt sich aber nur schwer durchsetzen: Wir haben zu wenig Personal und auch keine eindeutige Regelung im Sinne eines gesetzlichen Alkoholkonsumverbots. Fahrgäste können natürlich auf die Verbotsschilder hinweisen, doch selbst, wenn die Feiernden daraufhin aussteigen: Erfahrungsgemäß steigen sie einfach in die nächste U-Bahn wieder ein.

Die Situation erinnert mich an das Rauchverbot. Seit das gesetzlich verankert ist, ist die soziale Kontrolle viel größer. Mit einem generellen Alkoholkonsumverbot auf gesetzlicher Grundlage würde sich das sicher ähnlich verhalten."