Great Barrier ReefBestandsaufnahme im Korallengarten

Wenn die Korallen des Great Barrier Reefs in Australien sterben, ist auch der Tourismus in Gefahr. Ein Freiwilligen-Programm soll helfen, das Riff zu erhalten. von 

Die Wasseroberfläche ist sanft und glatt, als Dan Bolton das Flugzeug in der Hardy Lagune landet. Bolton, sein Kollege Chad Banfield und die acht Passagiere wechseln vom Flugzeug – einer Cessna Caravan in der Ausführung Amphibian – auf ein kleines Motorboot, das hier vor Anker liegt. Das Boot bringt sie in flacheres Wasser. Ausgerüstet mit Schnorchel und Brille steigen die Touristen ins türkisgrüne Wasser.

Auch Dan Bolton knöpft seine Hose und das Hemd mit den Schulterstreifen auf. In Badeshorts mit eingestickter Vogel-Silhouette, dem Logo der Fluggesellschaft Air Whitsunday, schlüpft Bolton in blaue Gummiflossen, zieht Maske und Schnorchel über den Kopf. Dann springt er ins Wasser, das so warm ist wie ein gut geheiztes Hallenbad. Die Aufgaben für die nächsten zwanzig Minuten sind klar verteilt: Banfield bleibt an Bord und behält die Touristen im Auge. Bolton hilft, das Riff zu retten.

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Die Hardy-Lagune liegt im Gebiet der Whitsunday Islands, rund 65 Kilometer vom Festland bei Airlie Beach im australischen Queensland entfernt. Sie ist ein Teil des Great Barrier Reef , des größten Korallenriffs der Erde. Die Lagune ist eine submarine Landschaft aus großen Kalkplateaus, die bis knapp unter die Wasseroberfläche ragen und dicht mit Korallen besiedelt sind. Wer den Kopf unter Wasser hält, fühlt sich wie in einem riesigen Aquarium. Gestreifte Fischchen huschen durch die feinen Äste der Korallenstöcke, vorbei an Riesenmuscheln mit violettem Mund.

Das Korallenriff ist der größte lebende Organismus der Erde

Alles ist bunt und lebendig – und in großer Gefahr: Durch Tropenstürme, die Ausbreitung eines aggressiven Seesterns sowie die Erwärmung des Ozeans und schlechte Wasserqualität beginnen die Korallen an manchen Stellen des Riffs zu sterben. Fische und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum. Laut einer aktuellen Studie des Australian Institute of Marine Science ist etwa die Hälfte der Korallenbedeckung des Great Barrier Reef bereits beschädigt. Der größte lebende Organismus der Erde ist akut bedroht – und damit eine der Haupttouristenattraktionen Australiens .

Rund 5,1 Milliarden australische Dollar nimmt Australiens Wirtschaft jährlich durch den Riff-Tourismus ein. Damit das so bleibt, hat die staatliche Verwaltung des Great Barrier Reef Marine Park ein Freiwilligenprogramm ins Leben gerufen. Die Botschaft ist einfach: Jeder, der vom Riff lebt, soll es als sogenannter Riff-Wächter schützen.

Piloten als Hilfsforscher

Nach dem Schnorcheln klettert Pilot Dan Bolton zurück ins Boot. "Unsere Aufgabe ist, die Wissenschaftler mit regelmäßigen Beobachtungen zu unterstützen", sagt er. "Wir Piloten sind ein paar Mal die Woche hier draußen am Riff, viel öfter als die Forscher." Bolton nimmt eine kleine weiße Tafel mit Fragen und Antwortfeldern.

Hat er ausgeblichene oder zerstörte Korallen gesehen? Sind die Korallen gewachsen? Welche Fische waren zu sehen, in welcher Größe und Zahl? Der schwarze Filzstift wischt über die Tafel. "Die Daten werden später per E-Mail weitergeleitet und in eine Datenbank eingetragen", sagt Bolton.

Leserkommentare
  1. „Ihre Diagnosen sind so ähnlich wie alarmierend: Verletzungen durch den Zusammenstoß mit Booten oder lebensbedrohlicher Gewichtsverlust, weil ihr Darm mit Plastik verstopft ist.“

    Ein gutes Beispiel für die Kehrseite des Ökotourismus. Auf der einen Seite gibt er den Menschen vor Ort die Möglichkeit von der Natur als Touristenziel zu leben.
    Auf der anderen Seite führt er bei nicht nachhaltiger Ausführung zur Zerstörung dieser Erdschätze, welche die Existenzgrundlage vor Ort bildet.

    Sicher eine sehr dramatische Entwicklung, in Australien, wie auch insbesondere in Südamerika oder Afrika, wo Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine geringere Rolle spielen.

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  • Schlagworte Australien | Riff | Tafel | Queensland
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