Auf den Facebook-Seiten der Deutschen Bahn wird Tacheles geredet. Kunden beschweren sich dort über schmutzige Wagen, fehlende Information oder mangelnde Pünktlichkeit. "Heute wieder ein Zug einfach ausgefallen, natürlich kommt der nächste erst in zwei Stunden", klagt Dimitri Reisler. " Deutsche Bahn – alles außer pünktlich", findet Fabian Schiffer. "Und viel zu teuer!", ergänzt Maximilian Mucki.

Das stimmt so nicht. Zumindest den Vergleich mit dem Flugzeug entscheiden die Züge des Staatskonzerns meist für sich. In mehr als neun von zehn Fällen ist eine Reise mit ICEs und ICs innerhalb Deutschlands deutlich günstiger als mit der Lufthansa , Air Berlin und Co.

Das hat der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) in einer neuen Studie ermittelt . "Die Bahn ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch erwiesenermaßen preiswerter", urteilte der VCD-Vorsitzende Michael Ziesak am Mittwoch in Berlin . "Der Mythos vom Billigflieger ist widerlegt."

Für den VCD untersuchte das Hamburger Quotas-Institut 270 Verbindungen im Inland. Die Tester ermittelten die Preise mit drei Monaten, vier Wochen, einer Woche und einem Tag Vorlauf vor Reiseantritt – für Geschäfts-, Wochenend- und Urlaubsreisen. Am meisten sparen lässt sich im Durchschnitt aller Varianten zwischen Frankfurt am Main und München – dort ist der Zugfahrschein fast 53 Prozent billiger als das Flugticket. Am geringsten ist der Unterschied zwischen Köln / Bonn und Berlin, dort beträgt die Differenz knapp 23 Prozent. Das Institut verzichtete bei der Berechnung auf Bahncard-Rabatte und kalkulierte Sitzplatz-Reservierungen im Zug ein, nicht aber bei Flugreisen die Kosten für die Fahrt zum Flughafen.

Geschäftsreisende sparen am meisten zwischen München und Frankfurt am Main, dort sind es gut 135 Euro. Bei einem Wochenendausflug zu zweit von München nach Düsseldorf ist die Bahnfahrt 333 Euro günstiger, und eine vierköpfige Familie kann fast 610 Euro sparen, wenn sie zwischen Frankfurt am Main und Hamburg auf den Flug verzichtet. Besonders groß ist die Ersparnis generell, wenn das Ticket nur wenige Tage vor Reisebeginn gebucht wird. Da haben die Tester rasant steigende Flugpreise beobachtet. Die um durchschnittlich 2,8 Prozent zunehmenden Bahnpreise ab dem 9. Dezember sind in der Studie noch nicht berücksichtigt.

"Innerhalb Deutschlands ist Fliegen ganz und gar entbehrlich", erklärte VCD-Expertin Heidi Tischmann. Der Verband findet, dass der Flugverkehr vor allem angesichts seines Umweltnachteils von der Politik zu üppig gefördert wird. Fluggesellschaften brauchten für innerdeutsche Strecken weder Mineralöl- noch Ökosteuer zu bezahlen, außerdem genössen sie Privilegien beim Kohlendioxid-Ausstoß. Überdies sei die Bahn mit den höchsten Stromsteuern in Europa belastet. Der Konzern seinerseits müsse aber zuverlässiger werden. "Wir sind sehr gespannt auf den Winter ", sagte Ziesak.

Die Flugwirtschaft widersprach der Studie nicht. Schon aufgrund der Luftverkehrssteuer könne man die Bahn kaum unterbieten, sagte Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Branchenverbands BDL. "Der entscheidende Vorteil des Fliegens bleibt aber für Geschäftsreisende wie Privatleute bestehen: Mit dem Flugzeug kommen sie schneller ans Ziel."

Erschienen im Tagesspiegel