ReiseversicherungGegen Airline-Pleiten wird nicht mehr versichert

Vier Jahre lang konnten sich Fluggäste bei der Europäischen Reiseversicherung gegen den Bankrott einer Fluglinie schützen. Seit Anfang November gibt es das Angebot nicht mehr. von Matthias Meisner

Ein Flugzeug der von der Insolvenz bedrohten skandinavischen Fluggesellschaft SAS

Ein Flugzeug der von der Insolvenz bedrohten skandinavischen Fluggesellschaft SAS  |  © Johan Nilsson/AFP/Getty Images

Es war ein faires Angebot in Zeiten der Krise der Luftfahrtindustrie – die Versicherung Ticketsafe, mit der sich Reisende schon ab fünf Euro gegen die Insolvenz von Fluggesellschaften versichern konnten. Doch ohne Vorankündigung hat die Europäische Reiseversicherung (ERV) die Offerte, die seit 2008 auf dem Markt war, aus dem Programm genommen.

Die Entscheidung geht auf die immer häufigeren Pleiten von Airlines zurück. Ein Unternehmenssprecher sagte demTagesspiegel, die einheitliche Prämie für alle Flugbuchungen sei zunehmend zu einer "wirtschaftlichen Herausforderung" geworden. Er sprach von einem zu stark ausgeweiteten "Spannungsfeld zwischen risiko-kalkulatorischen Aspekten und einen alle Airlines umfassenden Versicherungsschutz".

Anzeige

Die ERV hat zuletzt mit Ticketsafe ganz offenbar Verluste gemacht. Zuletzt hatte im Februar etwa die nationale ungarische Fluglinie Malev den Betrieb eingestellt. Zuletzt ließen sich Tickets bestimmter Fluggesellschaften – etwa der ungarischen Wizzair oder der nationalen zypriotischen Cyprus Airways – mit Ticketsafe gar nicht mehr versichern. Die Hanse-Merkur Reiseversicherung AG bietet eine ähnliche Versicherung an, für fünf Euro pro Flugticket und Person. Allerdings hat auch sie mehrere scheinbar kriselnde Airlines vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Auf EU-Ebene wird diskutiert, ob sich Fluggesellschaften selbst gegen Insolvenzen absichern müssen – analog zur Pauschalreise-Richtlinie. Die ERV erwartet eine EU-weite Regelung "mittelfristig" – wie diese aussehen könnte, ist offen. Fest steht für den in München ansässigen Versicherungskonzern allerdings schon jetzt, dass dann "optional abschließbare Airline-Insolvenzabsicherungen kaum noch eine vielversprechende Marktperspektive haben werden".

Alternativ bietet die ERV eine Reiserücktrittsversicherung an, die vertraglich geschuldete Stornokosten, zum Beispiel bei unerwarteter schwerer Erkrankung, aber auch bei einem Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer betriebsbedingten Kündigung oder Schaden am Eigentum durch Feuer oder einen Wasserrohrbruch, erstattet. "Die Insolvenz einer Fluggesellschaft ist innerhalb der Reiserücktrittsversicherung allerdings kein versichertes Ereignis", sagte ein Firmensprecher.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Siehe Artikel: "Zuletzt ließen sich Tickets bestimmter Fluggesellschaften – etwa der ungarischen Wizzair oder der nationalen zypriotischen Cyprus Airways – mit Ticketsafe gar nicht mehr versichern". Das sind aber genau die Airlines, für die man diese Versicherung bräuchte. Bei Lufthansa oder Air Berlin ist doch bei mittelfristigen Tickets (3 bis 6 Monate im Voraus gebucht und bezahlt) das Insolvenzrisiko extrem gering.

    Jag

  2. Also eine Versicherung gegen Insolvenz, aber nicht bei kriselnden Fluglinien.

    Deshalb: Versichere nur, was dich ruinieren kann.

    Ansonsten ist das Sparschwein die beste Versicherung: All die gesparten Versicherungsbeiträge rein. Sollte ich wirklich wegen Insolvenz der Lufthansa stranden, reicht der angesammelte Betrag locker. Genau so kalkulieren die Versicherungen, nur dass sie die Gewinne selbst einstreichen wollen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Airline | Versicherung | Flugverkehr | Luftfahrt | Reise | Reiserücktrittsversicherung
Service