LuftverkehrSAS bereitet sich auf Insolvenz vor

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS stellt sich auf ein Ende des Flugverkehrs ein. Mit einer Senkung der Lohnkosten versucht sie noch, die Pleite abzuwenden. von dpa

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS hat erste Schritte für eine mögliche Insolvenz eingeleitet und gleichzeitig mit Gewerkschaften über einen Krisenplan verhandelt. Wie Unternehmenssprecher in heimischen Medien mitteilten, sollten alle SAS-Maschinen im Ausland voll betankt werden, damit sie im Fall der Zahlungsunfähigkeit zum Wochenauftakt noch heimgeflogen werden können.

Gleichzeitig führte das Management in Kopenhagen abschließende Verhandlungen mit Gewerkschaften über einen vor knapp einer Woche vorgelegten Rettungsplan. Nach Angaben des Rundfunksenders DR wollte die Vertretung der Piloten in Dänemark , Norwegen und Schweden eine Kürzung ihrer Einkommen um zehn Prozent bei gleichzeitiger Anhebung der Arbeitsproduktivität um 15 Prozent akzeptieren.

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Die Organisationen des Kabinenpersonals signalisierten ihre weitgehende Zustimmung zum Krisenplan und verhandelten ebenfalls in Kopenhagen über noch strittige Fragen. Die Entscheidung des SAS-Aufsichtsrates über Sanierung oder Insolvenz wurde bis spätestens Montagmorgen erwartet.

Der Konzernchef Rickard Gustafson hatte in seinem Krisenplan vor sechs Tagen ultimativ unter anderem die Zustimmung zu Lohnkürzungen um 15 Prozent für alle 15.000 Beschäftigten verlangt. Hinzu kommen Arbeitszeitverlängerungen, Arbeitsplatzabbau und geringere Pensionsansprüche. SAS will 800 Stellen sofort streichen und 6.000 Jobs durch Verkauf der norwegischen Fluggesellschaft Widerøe und der SAS Ground Handling auslagern.

Das 1946 gegründete und halbstaatlich betriebene Unternehmen kämpft seit einem Jahrzehnt vor allem wegen des Erfolgs von Billig-Fluggesellschaften gegen Verluste. Die Unternehmensspitze nannte ihren Krisenplan gegenüber den Beschäftigten immer wieder "die absolut letzte Chance".

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Leserkommentare
  1. ihre Fluglinien verlieren haben wir ja bereits immer wieder erfahren.
    Das der Verbraucher sich so in die Hand von einer kleinen Menge Billigflieger begibt ist auch keine Lösung ohne Risiko.
    Wenn dann von denen zwei pleite gehen gibt es keinen Flugverkehr mehr für "billig" sondern nur noch teuer, vielleicht gewollt.

    Eine Leserempfehlung
  2. wären notwendig, um sich eine Meinung bilden zu können.

    Wie hoch sind die Schulden und woher kommen die Schulden?
    Wieviel muß für ZInsen ausgegeben wrden?
    Was hat das Management unter Umständen falsch gemacht?
    Wieso können andere Fluggesellschaften bestehen?

    Das alles bleibt dieser Artikel schuldig.

    Also: kein KOmmentar.

    3 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 19. November 2012 10:18 Uhr

    Wieviel Prozenz machen die Lohnkosten denn aus?
    (So ganz billig sollen ja Flugzeuge nicht sein, und der Sprit, Werbung, und Computer und Schreibpapier, und ... )

    Es ist ja ein Reflex in unserer Zeit, dass keine anderen Massnahmen denkbar sind als das Personal zu drangsalieren. (Das niedere, versteht sich. Der Vorstand ist vermutlich schon für 2013 entlohnt und be-boni-t?)

  3. Wie sagte Sir Richard Branson nochmal: "Die einfachste Art, Millionär zu werden, ist als Milliardär anzufangen, und eine Airline zu gründen". Airlines sind einfach zu austauschbar, als dass sie eine hohe Kundenbindung erreichen könnten, die aber für dauerhafte Profitabilität unumgänglich ist. Sonst kommt irgendwann der nächste und verlangt einen Euro weniger und die Passagiere sind wieder weg.

    Zudem reicht ein fatales Ereignis, und selbst die stolzeste Airline verliert ihre wichtigsten Kunden. So geschehen mit Swiss Airline, und nach der Aufklärung, dass der Absturz des Air-France-Fliegers von Rio nach Paris ein Pilotenfehler war, dürfte auch Air France die nächsten Jahre mit wirtschaftlichen Negativmeldungen auffallen, weil sie die besonders zahlungskräftigen, aber eben auch besonders sensiblen Business- und First-Class-Kunden verlieren.

    Jag

    2 Leserempfehlungen
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    die Swiss hat ebenso wie die Austrian vor allem ein Problem, und das ist die Flottengröße.

    Auch eine Finnair wäre längst vom Boden verschwunden, wenn nicht der Staat dafür Sorge tragen würde, dass sie am Leben bleibt.

    der gesamten Luftfahrtsbranche geht es schlecht. Da ist die SAS nun wahrlich keine Ausnahme.

    Problem hierbei ist vor allem ein wahnsinnig hart umkämpfter Markt.

    Dann kommt dazu, dass die Spritkosten immens gestiegen sind, und man natürlich Tickets, die man vor einem halben oder dreiviertelJahr verkauft hat, nicht nachträglich teurer machen kann.

    Hinzu kommt, dass international agierende Unternehmen auch Währungsmanagement betreiben müssen, das seit der Finanzkrise schlicht aus den Fugen geraten ist.

    und mal ganz einfach - die Personalkosten sind das einzige, woran die Fluggesellschaft sparen kann - oder soll sie mit weniger Sprit fliegen, weniger Flugzeuge nehmen oder wie?

    Mal davon ab, derart exorbitante Managergehälter wie in den USA oder hierzulande kennt man in Skandinavien nicht.

    • Chali
    • 19. November 2012 10:18 Uhr

    Wieviel Prozenz machen die Lohnkosten denn aus?
    (So ganz billig sollen ja Flugzeuge nicht sein, und der Sprit, Werbung, und Computer und Schreibpapier, und ... )

    Es ist ja ein Reflex in unserer Zeit, dass keine anderen Massnahmen denkbar sind als das Personal zu drangsalieren. (Das niedere, versteht sich. Der Vorstand ist vermutlich schon für 2013 entlohnt und be-boni-t?)

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mehr Informationen"
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    • dk9011
    • 19. November 2012 10:38 Uhr

    Ich wär mir ja nicht so sicher, ob man skandinavische Piloten als niederes, drangsaliertes Personal bezeichnen kann.
    Des Weiteren denke ich schon, dass die Lohnkosten einen großen Teil der Gesamtkosten ausmachen, nach den Spritkosten vielleicht...aber gegen hohe Treibstoffkosten ist eine Airline ja auch ziemlich machtlos.

    Und selbst wenn sie alle Vorstandsgehälter und Boni sofort streichen würden, davon käme SAS mit Sicherheit auch nicht mehr aus den roten Zahlen.

    • dk9011
    • 19. November 2012 10:38 Uhr

    Ich wär mir ja nicht so sicher, ob man skandinavische Piloten als niederes, drangsaliertes Personal bezeichnen kann.
    Des Weiteren denke ich schon, dass die Lohnkosten einen großen Teil der Gesamtkosten ausmachen, nach den Spritkosten vielleicht...aber gegen hohe Treibstoffkosten ist eine Airline ja auch ziemlich machtlos.

    Und selbst wenn sie alle Vorstandsgehälter und Boni sofort streichen würden, davon käme SAS mit Sicherheit auch nicht mehr aus den roten Zahlen.

    Eine Leserempfehlung
  4. 6. Swiss?

    die Swiss hat ebenso wie die Austrian vor allem ein Problem, und das ist die Flottengröße.

    Auch eine Finnair wäre längst vom Boden verschwunden, wenn nicht der Staat dafür Sorge tragen würde, dass sie am Leben bleibt.

    der gesamten Luftfahrtsbranche geht es schlecht. Da ist die SAS nun wahrlich keine Ausnahme.

    Problem hierbei ist vor allem ein wahnsinnig hart umkämpfter Markt.

    Dann kommt dazu, dass die Spritkosten immens gestiegen sind, und man natürlich Tickets, die man vor einem halben oder dreiviertelJahr verkauft hat, nicht nachträglich teurer machen kann.

    Hinzu kommt, dass international agierende Unternehmen auch Währungsmanagement betreiben müssen, das seit der Finanzkrise schlicht aus den Fugen geraten ist.

    und mal ganz einfach - die Personalkosten sind das einzige, woran die Fluggesellschaft sparen kann - oder soll sie mit weniger Sprit fliegen, weniger Flugzeuge nehmen oder wie?

    Mal davon ab, derart exorbitante Managergehälter wie in den USA oder hierzulande kennt man in Skandinavien nicht.

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    • jboese2
    • 19. November 2012 17:46 Uhr

    Die kleinen Airlines geraten immer mehr ins Abseits. Meistens Relikte aus der Zeit, als jedes Land noch seine eigene Airline hatte ist heute kein Markt mehr vorhanden. Kunden sind gnadenlos, sie reden zwar viel über 'faire Löhne', aber im Buchungsfall geht ein billiger Tarif immer vor den so wichtigen ethischen Gründen. So sind die beiden erfolgreichsten Airlines in Europa Airlines, die ihr Personal mit Hungerlöhnen abspeisen und gerne im Ostblock Personal suchen, weil man dort noch Piloten für 2000 Euro bekommt und Flugbegleiter für die Hälfte davon. Viele Airlines haben aber auch versagt und es versäumt, ihr Produkt so zu positionieren, dass die Leute ein paar Euro mehr dafür zahlen. Wer in den letzten Jahren SAS geflogen ist weiß genau was ich meine. Hochpreispolitik bei miesem Service und permanent schlechtgelauntem Personal.

    Versagt hat aber auch die Politik. Luftverkehr gilt als Melkkuh. Es gibt viele hochprofitable Airlines auf der Welt, aber meistens in den Ländern, die Luftverkehr und den damit verbundenen Tourismus als Chance ansehen und nicht wie bei uns als Umweltrisiko. Europa entindustrialisiert sich immer weiter. Anyway, die Etihad's, Delta's und China
    Airlines dieser Welt können auch den Fernverkehr in Europa abwickeln. Und den Kleinkram machen Ryanair und Easyjet.
    Verlierer sind wie immer die Arbeitnehmer. Und jeder Airlinebankrott bietet Chancen für die Konkurrenten.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Medien | Einkommen | Gewerkschaft | Insolvenz | Management | Sanierung
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