Die großen auf Gesundheit spezialisierten Reiseanbieter in Deutschland dagegen machen ihr Geschäft weniger mit kaputten Zähnen oder Fahrten in Privatkliniken am Bosporus. Bei Dr. Holiday aus Sinzing bei Regensburg zum Beispiel macht diese Reisegruppe nur einen geringen Prozentsatz aus, sagt Karl Staedele. Er ist einer von zwei Vorständen von Dr. Holiday und hat den Reiseanbieter 2005 mitgegründet.

Das Gros seiner rund 40.000 Kunden im Jahr schickt Staedele auf Gesundheitsferien nach Österreich, Italien, Tschechien und Ungarn zu sogenannten Präventionsreisen und Kuren. In Hotels oder Clubs kümmern sich Physiotherapeuten beim Nordic Walking oder Yoga um die Urlauber.

Aktivkurse und Augenlasern

"Die Ferien sind die perfekte Zeit für solche Kurse", sagt der Tourismusmanager. Im Alltag nach Feierabend bleibe doch für solcherlei Ertüchtigung gar keine Zeit. Die Krankenkassen bezuschussen die Aktivreisen mit bis zu 150 Euro.

Staedele legt Wert darauf, dass es sich bei den Kursen nicht um "irgendein Halligalli wie Bauchtanz" handelt, sondern um "zertifizierte Prävention". Das sehen auch die Krankenkassen so. So kooperiert Dr. Holiday unter anderem mit der DAK, die ihren Kunden den Reiseanbieter empfiehlt. Dr. Holiday greift für seine Angebote wiederum auf Dertour zurück, einen der größten deutschen Reiseveranstalter.

Die Deutschen, die sich über Aktivkurse hinaus für größere Eingriffe wie Zahnbehandlungen, Operationen und Augenlasik im Ausland entscheiden, teilt Medizintourismus-Forscher Helmut Wachowiak in drei Gruppen ein: erstens diejenigen, die teilweise geringere Wartezeiten im Ausland nutzen. Dann gebe es die Sparer, die auf günstige Angebote setzten – vor allem bei Eingriffen, die deutsche Kassen kaum oder gar nicht übernehmen wie Schönheits-OPs. Die weiter steigenden Eigenbeteiligungen bei deutschen Kassen machten das Ausland für sparsame Medizinreisende nur noch attraktiver, so Wachowiak. Als dritte Gruppe hat der Forscher schließlich die Wohlhabenden ausgemacht, die es sich leisten können, zu den Koryphäen eines Fachs ins Ausland zu fliegen.

Wer haftet bei Behandlungsfehlern?

Doch nicht alle sind vom Medizintourismustrend begeistert . So klagt zum Beispiel der Deutsche Zahnärzte Verband, dass mit dem Gesundheitstourismus deutsche Krankenbeiträge ins Ausland abfließen. Mehr als das Wohl des deutschen Kassensystems liegen der Interessenvertretung bei ihrer Kritik wahrscheinlich die eigenen Mitglieder am Herzen, deren Kunden die Billigbehandlung im Ausland nutzen.

Experten warnen aber auch vor den legalen Streitigkeiten, die eine Operation im Ausland auslösen kann, wenn die Patienten ohne Einwilligung der Kasse die Reise antreten. Denn bei Behandlungsfehlern übernehmen die ausländischen Ärzte häufig keine Haftung. Die Berater des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) raten deshalb, sich unbedingt vor einer Behandlung mit der Krankenkasse in Verbindung zu setzen, um Kosten und etwaige Risiken zu klären. Dann stehe dem Strandurlaub mit Krankenhausabstecher nichts mehr im Weg.