JugendreisenNachwuchsmodels zelten nicht
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Die Ansprüche der Jugendlichen sind deutlich gestiegen

Jackie (links) träumt davon, später als Model zu arbeiten.

Jackie (links) träumt davon, später als Model zu arbeiten.  |  © Mareike Nieberding

Dabei sind die Ansprüche der Jugendlichen deutlich gestiegen. Auf dem Zeltboden scheint heute keiner mehr schlafen zu wollen. Selbst in der günstigsten Kategorie "Komfort" sind die Zelte mit Feldbetten und Holzboden ausgestattet. Wer die "Deluxe"-Variante bucht, schläft in einem Zelt mit Stromanschluss auf einem richtigen Bett, und für 70 Euro Aufpreis steht ein sogenanntes Mobile Home, eine Holzhütte mit zwei Doppelzimmern, Bad mit Dusche und WC und kleiner Küche zur Verfügung. Seitdem Rufs Campingreisen luxuriöser geworden sind, steigt die Nachfrage wieder. Zwei Drittel der verkauften Reisen bei Ruf sind mittlerweile jedoch Hotelreisen.

Gehobene Standards sollen Erinnerungen schaffen, die die Kinder als Kunden langfristig binden. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium liegen die Ausgaben der Deutschen für Kinder- und Jugendreisen jährlich bei rund zwölf Milliarden Euro. Jedes Jahr finden mehr als dreißig Millionen Reisen von jungen Menschen unter 27 Jahren statt. Doch der Markt stagniert, der demografische Wandel intensiviert den Wettbewerb und "zwingt die Anbieter, sich an einem schrumpfenden Markt zu behaupten", sagt der Wissenschaftler Conrady. Deshalb werden Zielgruppen ausgeweitet und Programme ohne Betreuer entwickelt, um für die Jugendlichen auch über deren Volljährigkeit hinaus Angebote zu schaffen. Neben Themenreisen, Sommerzeltlagern in Spanien , Italien und Griechenland , oder Skitouren im Winter, listen die Kataloge vermehrt auch Sport-, Abenteuer-, Bildungs- und Sprachreisen auf. Der österreichische Anbieter Young Austria versucht beispielsweise, mit Diätcamps den Gesundheitsmarkt zu erschließen.

Im Ruf Your Camp bemüht sich Badwal indessen, während des Modelcoachings den Fokus weg von den reinen Äußerlichkeiten zu lenken: "Man kann ja nichts dran machen, wie man aussieht! Aber am Inneren kann man arbeiten: Selbstbewusstsein, Disziplin, Geduld, Frustrationstoleranz und Ausstrahlung." So wird gelaufen und getanzt, posiert und fotografiert. Am Ende dürfen die Teilnehmerinnen Badwal über Heidi Klum und Germany’s Next Topmodel ausfragen. Wer sich vorstellen könne, Model zu werden, will die Ex-Kandidatin wissen? Acht äußern ein zögerliches "Ja". Die anderen halten das Modelleben für zu stressig, zu anstrengend. Man sei so wenig zu Hause. Lieber wollen die Mädchen Lehrerin oder Physiotherapeutin werden, oder vielleicht "etwas mit Kindern machen".

Richtig überzeugt davon, dass eine Laufstegkarriere erstrebenswert ist, scheint eigentlich nur Jackie zu sein: "Ich verfolge alle Modelsachen und übe zu Hause vor dem Spiegel. Modeln ist für mich ein Traumjob. Man reist viel, lernt andere Kulturen kennen, zum Beispiel China – dafür interessiere ich mich sehr. In Nürnberg lerne ich auch Chinesisch in der Schule." Nach dem Camp will die 12-Jährige es in einer Modelagentur versuchen. Heute habe sie schließlich richtig was dazu gelernt. Sie bindet ihre Rastazöpfe wieder zusammen, die sich während des Fotoshootings hervorragend zum Über-die-Schulter-Werfen geeignet haben ("Acht Stunden hat meine Mutter dran geflochten!"). Wenn es mit dem Modeln nicht klappt, will sie Fotografin werden. Eine pinkfarbene Digitalkamera hat sie schon, sagt sie. Und verabschiedet sich: Sie müsse nun los, Mama anrufen.

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Leserkommentare
  1. für die Jugendlichen, hoffentlich bleibt auch noch Geld in der Elternkasse für sinvolle Bildungsvarianten.

    Igendwie setzen sich die Kinder bis Teenager ja da schon einem Druck aus der in die falsche Richtung führt, häufig Einstieg in die Magersucht, Drogenkonsum und auch Prostitution.

    Hauptsache der Veranstalter verdient Geld dabei.

  2. 2. Dafuq?

    Laufsteg? Talent-Camp? Was hat das denn mit Reisen zu tun?

    Ist der eigentliche Sinn einer Reise (als junger Mensch) nicht der, etwas Neues zu erleben? Warum will man unbedingt das machen, was tagtäglich in der Glotze läuft?

    Ich habe mit jungen Jahren schon halb Europa (oft per Zug) bereist und würde es jeden Sommer in einem neuen Land wagen, wenn die finanziellen Mittel unbegrenzt wären. Das verstehe ich unter Reisen.

    Anspruch gestiegen? Nur noch Hotelübernachtungen? Die sollen sich mal umgucken und vielleicht etwas aus ihrer Konsumwelt erwachen und sehen, dass es eben auch andere Orte und Menschen auf diesem Planeten gibt.

    Die hier kurz angerissenen Konzepte scheinen mir auf den reinen Event abzufahren. Spaß und der Kick sollen im Vordergrund stehen. Bloß nichts Unerwartetes. Durchorganisiert bis ins Grab, oder wie? Das ist echt ein Jammer. Gerade diese Erfahrungen auf Reisen allein oder in einer kleinen Gruppe im Ausland prägen einen doch und helfen einem in der Persönlichkeitsentwicklung. Wenn da alles wie im heimeligen Deutschland ist, wo ist dann noch der Clou der Reise?

    3 Leserempfehlungen
    • Lyna
    • 08. November 2012 22:44 Uhr

    Ich glaube diesen Mädchen würde es gut tun, ein Outdoor-abenteuer-Camp besuchen, als zu konsumausgerichteten Modepuppen zu mutieren. Im Grunde bin ich nicht viel älter als diese Mädchen, aber damals hatte ich etwas besseres zu tun, als über den Laufsteg zu stolzieren.

    Eine Leserempfehlung
  3. Klar, dass ein dem Privatfernsehen oder seinen Figuren offenbar verbundenes Reiseunternehmen nun auch noch die passende Reiseform oder sagen wir den passenden Selbstdarstellungstrip verkaufen will und klar, dass die Idee aus dem Mutterland des Kapitalismus kommt und nun hier im US-kompatiblen Good Old Europe unbedingt kopiert werden muss.

    Irgendwie sollen die Jugendlichen ihren von den Castingshows nach US-Vorbild stimulierten Narzismus schließlich ausleben können, sich auch mal richtig wichtig fühlen dürfen wie ein echter STAR, schließlich ist STAR zu sein der Sinn des Lebens, überhaupt.

    DANKE besch** Privatfernsehen.

    2 Leserempfehlungen
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    Typisch. Der Deutsche meckert. Wenn du deine Kinder in den Wald schicken willst zu den Pfadfindern, dann mach es doch. Aber lass die anderen Urlaub machen wies ihnen Spass macht. Leben und leben lassen.

  4. Typisch. Der Deutsche meckert. Wenn du deine Kinder in den Wald schicken willst zu den Pfadfindern, dann mach es doch. Aber lass die anderen Urlaub machen wies ihnen Spass macht. Leben und leben lassen.

    Antwort auf "Selbstdarstellungstrip"
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    • R_IP
    • 09. November 2012 7:45 Uhr

    dass es der deutsche Michel ist, der den Deutschen einen Michel schimpft, nicht wahr?

    • R_IP
    • 09. November 2012 7:45 Uhr

    dass es der deutsche Michel ist, der den Deutschen einen Michel schimpft, nicht wahr?

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    Antwort auf "Und typisch typisch"
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    Entfernt. Bitte äußern Sie sich mit sachlichen Kommentaren. Danke. Die Redaktion/kvk

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich mit sachlichen Kommentaren. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Antwort auf "Typisch auch,"
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    • R_IP
    • 09. November 2012 8:57 Uhr

    Letztlich ist es mir völlig egal, aus welcher Region oder Nation Sie kommen. Ich kann nur eine Argumentation nicht ab, die sich in einer Form kapriziert, die derjenigen, die man zu kritisieren meint, bereits im Ansatz ähnelt und dadurch das eigentliche Vorhaben kolportiert. Ein Nörgler, der über das Nörgeln der Deutschen nörgelt, ist in erster Linie auch nur so ein typisch deutscher Nörgler.

    • R_IP
    • 09. November 2012 8:57 Uhr

    Letztlich ist es mir völlig egal, aus welcher Region oder Nation Sie kommen. Ich kann nur eine Argumentation nicht ab, die sich in einer Form kapriziert, die derjenigen, die man zu kritisieren meint, bereits im Ansatz ähnelt und dadurch das eigentliche Vorhaben kolportiert. Ein Nörgler, der über das Nörgeln der Deutschen nörgelt, ist in erster Linie auch nur so ein typisch deutscher Nörgler.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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