Dabei sind die Ansprüche der Jugendlichen deutlich gestiegen. Auf dem Zeltboden scheint heute keiner mehr schlafen zu wollen. Selbst in der günstigsten Kategorie "Komfort" sind die Zelte mit Feldbetten und Holzboden ausgestattet. Wer die "Deluxe"-Variante bucht, schläft in einem Zelt mit Stromanschluss auf einem richtigen Bett, und für 70 Euro Aufpreis steht ein sogenanntes Mobile Home, eine Holzhütte mit zwei Doppelzimmern, Bad mit Dusche und WC und kleiner Küche zur Verfügung. Seitdem Rufs Campingreisen luxuriöser geworden sind, steigt die Nachfrage wieder. Zwei Drittel der verkauften Reisen bei Ruf sind mittlerweile jedoch Hotelreisen.

Gehobene Standards sollen Erinnerungen schaffen, die die Kinder als Kunden langfristig binden. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium liegen die Ausgaben der Deutschen für Kinder- und Jugendreisen jährlich bei rund zwölf Milliarden Euro. Jedes Jahr finden mehr als dreißig Millionen Reisen von jungen Menschen unter 27 Jahren statt. Doch der Markt stagniert, der demografische Wandel intensiviert den Wettbewerb und "zwingt die Anbieter, sich an einem schrumpfenden Markt zu behaupten", sagt der Wissenschaftler Conrady. Deshalb werden Zielgruppen ausgeweitet und Programme ohne Betreuer entwickelt, um für die Jugendlichen auch über deren Volljährigkeit hinaus Angebote zu schaffen. Neben Themenreisen, Sommerzeltlagern in Spanien , Italien und Griechenland , oder Skitouren im Winter, listen die Kataloge vermehrt auch Sport-, Abenteuer-, Bildungs- und Sprachreisen auf. Der österreichische Anbieter Young Austria versucht beispielsweise, mit Diätcamps den Gesundheitsmarkt zu erschließen.

Im Ruf Your Camp bemüht sich Badwal indessen, während des Modelcoachings den Fokus weg von den reinen Äußerlichkeiten zu lenken: "Man kann ja nichts dran machen, wie man aussieht! Aber am Inneren kann man arbeiten: Selbstbewusstsein, Disziplin, Geduld, Frustrationstoleranz und Ausstrahlung." So wird gelaufen und getanzt, posiert und fotografiert. Am Ende dürfen die Teilnehmerinnen Badwal über Heidi Klum und Germany’s Next Topmodel ausfragen. Wer sich vorstellen könne, Model zu werden, will die Ex-Kandidatin wissen? Acht äußern ein zögerliches "Ja". Die anderen halten das Modelleben für zu stressig, zu anstrengend. Man sei so wenig zu Hause. Lieber wollen die Mädchen Lehrerin oder Physiotherapeutin werden, oder vielleicht "etwas mit Kindern machen".

Richtig überzeugt davon, dass eine Laufstegkarriere erstrebenswert ist, scheint eigentlich nur Jackie zu sein: "Ich verfolge alle Modelsachen und übe zu Hause vor dem Spiegel. Modeln ist für mich ein Traumjob. Man reist viel, lernt andere Kulturen kennen, zum Beispiel China – dafür interessiere ich mich sehr. In Nürnberg lerne ich auch Chinesisch in der Schule." Nach dem Camp will die 12-Jährige es in einer Modelagentur versuchen. Heute habe sie schließlich richtig was dazu gelernt. Sie bindet ihre Rastazöpfe wieder zusammen, die sich während des Fotoshootings hervorragend zum Über-die-Schulter-Werfen geeignet haben ("Acht Stunden hat meine Mutter dran geflochten!"). Wenn es mit dem Modeln nicht klappt, will sie Fotografin werden. Eine pinkfarbene Digitalkamera hat sie schon, sagt sie. Und verabschiedet sich: Sie müsse nun los, Mama anrufen.