ZEIT-ONLINE-Umfrage : Alkohol im Zug bitte nur im Bordrestaurant

Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind für ein Alkoholverbot in Zügen, hat eine ZEIT-ONLINE-Umfrage ergeben. Die Hälfte von ihnen ist für eine Ausnahme im Bordrestaurant.
Bahnmitarbeiter verladen Getränke am Hauptbahnhof Frankfurt am Main. © Boris Roessler/dpa

Das Thema Alkoholkonsum in deutschen Zügen ist heftig umstritten und wird von den deutschen Verkehrsbetrieben regional unterschiedlich gehandhabt : Während im Hamburger Verkehrsverbund seit einem Jahr ein Alkoholkonsumverbot in Bussen und Bahnen gilt, ist man in Fernzügen der Deutschen Bahn bei Fußballspielen umgeben von mit Bierdosen ausstaffierten Fans. Eine einheitliche Regelung ist nicht in Sicht. Diese sei vor allem eine Aufgabe der Politik, heißt es seitens der Deutschen Bahn.

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Wie eine Umfrage des Forschungsinstituts YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE ergab, sprechen sich 41 Prozent der Befragten für ein generelles Alkoholverbot in Zügen aus, 42 Prozent sprachen sich dafür aus, nur im Bordrestaurant Wein, Bier oder Sekt zu konsumieren. In den übrigen Waggons sollte ebenfalls Alkoholverbot herrschen.

Frauen stimmten mit 48 Prozent deutlich häufiger für ein ausnahmsloses Alkoholverbot als Männer (34 Prozent).

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Gefragt, wie Verstöße gegen ein etwaiges flächendeckendes Alkoholverbot geahndet werden sollten, war die Mehrheit der Meinung, ein Bußgeld sei das geeignete Mittel (59%). 45 Prozent plädierten dafür, den Trinkenden des Zugs zu verweisen. 13 Prozent fanden, eine mündliche Verwarnung reiche aus.

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Ein Drittel der Befragten gab an, schon einmal von alkoholisierten Fahrgästen belästigt worden zu sein, zwei Drittel hatten nach eigenen Angaben noch keine solche Erfahrung gemacht. Hier gab es keinen Unterschied bei Frauen und Männern.

Diese Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Online-Interviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende repräsentative Umfrage befragte YouGov vom 20. bis 22. November 2012 insgesamt 1.027 Menschen.

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Kommentare

319 Kommentare Seite 1 von 30 Kommentieren

Abwägungen

Ich nehme abends gerne ein kühles Bier mit auf die lange Zugfahrt zwischen Deutschland und Frankreich, bin aber durchaus bereit darauf zu verzichten, wenn ich dafür nicht von besoffenen Mitfahrern belästigt werde.

Eine Regelung "ein Bier ist erlaubt, mehr nicht" ist praktisch ja nicht kontrollierbar.

Die Frage bleibt: "wer setzt das durch?". Wird der Schaffner eine vielköpfige betrunkene Fangruppe aus dem Zug werfen? Ein Verbot für den Normalbürger, aber nicht für diejenigen, die dem Schaffner Angst machen, hat wenig Sinn.

Bier und so.

Interessant, dass über vier Fünftel der Befragten für ein Verbot, aber nur ein Drittel der Befragten jemals von alkoholisierten Mitreisenden belästigt worden sind. (Vermutlich bestehen die anderen zwei Drittel zum größeren Teil aus bekennenden Autofahrern, die es schon immer eine Sauerei fanden, dass man im Zug trinken darf, am Steuer eines Autos aber nicht.)

Wie wäre es, wenn man, statt die Alkoholisten ins Bordrestaurant zu sperren (vielleicht handelt es sich bei der Umfrage ja auch um eine Kampagne der Bahn, ihren Restaurantsabsatz zu steigern), einen oder mehrere alkoholfreie Wagen anbietet? In denen können sich dann all diejenigen verstecken, die noch nie von alkoholisierten MItfahrenden belästigt worden sind und diese traumatischen Begegnungen auch in Zukunft vermeiden wollen.

Belästigung kann vieles bedeuten

Man muß ja nicht aktiv von Besoffenen belästigt worden sein. Es ist auch belästigend, etwa die Fahrt über mit den Sohlen immer wieder an der klebrigen, eingetrockneten Bierlache festzukleben, die ein trinkender Vorgänger auf dem Boden hinterlassen hat. Vom Gestank von Bier mal ganz zu schweigen - der ist in einer Liga mit Salamibrötchen. Lecker, wenn man das Zeug selbst konsumiert, den Mitmenschen aber eine Zumutung. Nicht zuletzt gibt es natürlich die Belästigung durch die indirekten Folgen des Alkoholkonsums: Beschwipste und Besoffene haben bekanntlich deutlich weniger Hemmungen, Müll herumliegen zu lassen, sie müssen öfter zur Toilette und zielen dabei gern mal daneben, und allein ein Grölen aus dem nächsten Waggon reicht aus, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu verschlechtern. Niemand hat etwas gegen Leute, die 0,33 Liter Bier auf dem Nachhauseweg zu sich nehmen. Aber es gibt eben genug Leute, die es nicht scahffen, sich zusammenzureißen und nach einem kleinen Bier aufzuhören. Wenn, dann sollten sich die zivilisierten Trinker bei diesen Menschen beschweren und nicht bei der Bahn und den "Gesundheitsaposteln".

Keine Unterstellungen bitte

"Interessant, dass über vier Fünftel der Befragten für ein Verbot, aber nur ein Drittel der Befragten jemals von alkoholisierten Mitreisenden belästigt worden sind."

Darf man nur dagegen sein, wenn man selbst belästigt wurde? Oder reicht es auch einmal Augenzeuge einer Belästigung gewesen zu sein? Oder reicht es sogar, wenn ich jemanden kenne, der mal belästigt wurde? Oder würden Sie sogar so weit gehen, dass ich gegen Alkoholkonsum in der Bahn sein darf, wenn ich mir vorstellen kann, dass es nicht angenehm ist, von angetrunkenen Fahrgästen belästigt zu werden?

80% sind schon eine Hausnummer, das kann man nicht einfach mit ein paar Unterstellungen kleinreden.

Der Gestank rechtfertigt das! :-)

Ich aber würde das Mümmeln von Karotten und Nüsschen verbieten. Ich werde beinahe aggressiv, wenn ich im Zugabteil diese aus Tupperschüsseln äsenden Mensch gewordenen Hasen mir gegenüber sitzen sehe! :-)

Wer im öffentlichen Raum sich bewegt, muss damit leben, dass Menschen sich anders verhalten, als man das vielleicht wünscht. Und mein Beispiel zeigt, dass selbst so harmlose Menschen wie die Mümmler Missmut auf sich ziehen. Freilich ist es in diesem Fall doch wohl eher mein Problem, wenn ich diese kauenden Wesen schwer erträglich finde. Und so rufe ich mich zur Besinnung wegen meiner Aversion und begegne den Mümmlern dennoch freundlich.

Rücksichtnahme und Toleranz sind im öffentlichen Raum geboten. Deshalb sollte nur gegen Belästigung und Pöbelei vorgegangen werden.

obwohl ich

schon einen "fast zusammenstoß" mit alkoholisierten sportfans hatte bin ich strikt gegen ein verbot
und ob das personal sich durchsetzt... in meinem fall hatt die nicht gerade große dame des restaurantabteils den fans nicht nur erst ihr mitgebrachtes erfolgreich verboten, so das sie brav bestellten und aus dem glas tranken, sondern sie faltete sie auch als sie hochdrehten verbal erfolgreich zusammen
meine hochachtung
aber
das sind die probleme die jede kneipen oder restaurantbedienung lösen können muss
gehört sozusagen zum anforderungsprofil

Ihr Problem...

Nehmen Sie doch ein Taxi! Es ist einfach verrückt. Da gibt es die (angeblich) puritanischen Mitmenschen, die Raum und Luft nicht mit alkoholisierten Mitmenschen teilen möchten. Dann gibt es die Fraktion, die sich über jeden anderen, der nicht starmm und still sitzt/steht... Aber so einfach geht es eben nicht, ich hätte auch gerne viele Dinge ganz anders in meiner Umgebung. Man lebt zusammen in einer Gesellschaft und die ist nunmal und zum Glück sehr vielfältig. Wenn alle mit ein wenig mehr Respekt durch's leben gehen würden - und nicht nach Verboten und schier andlose Regelmentierung betteln würden oder jedem seine ganz persönlichen Ansichten aufzwängen müssten, das Leben wäre lebenswerter. Wer's uniformiert haben will, der kann ja in die BW gehen - und nicht einmal da leben alle nach einem einzigen strengen Muster... Noch eine Anmerkung zum Thema, das Gegenüber merkt es, wenn man es mit verachtenden Blicken "straft" oder belächelt, das trägt zum harmonischen Zusammenleben natürlich auch nicht bei!

Leider notwendig und damit begrüßenswert

Da heutzutage leider immer weniger Anstand herrscht und jeder meint, er könne auch an öffentlichen Orten machen was er will, ist dies wohl leider notwendig. Es ist mittlerweile eine Zumutung, wie viele Junggesellenabschiede z.B. in der Bahn anfangen, wo man vielen Leuten einen Schnapps aufnötigen kann. Von den dabei lautstarken dummen Gelaber kann niemand im Wagon entfliehen. Wer Freitag Abends nach der Arbeit nach Hause pendelt und zwei Stunden im Zug sitzen muss, der braucht das mit Sicherheit nicht.

Vor kurzen erst hatte ich eine Gruppe Frauen im Zug die ihren trinkfreudigen Junggesellinnenabschied am Samstag morgen um 9:30 im Zug begonnen/beendet haben. Die Mehrzahl der anderen Fahrgäste waren Familien mit kleinen Kindern.

Und wer als Pendler mal das Vergnügen hatte, am Freitag Abend mit einem Zug besoffener Fußballfans Heim fahren zu dürfen, der überlegt sich gut ob er künftig nicht doch lieber das Auto nehmen soll.

Tut mir leid, aber die Bahn ist ein öffentlicher Ort und wenn immer mehr Leute über die Stränge schlagen, dann bleibt nur ein Komplettverbot.

Eine Ausnahme im Speisewagen kann man natürlich machen, da man eine (weitere) Ausgabe von Alkohol an bereits stark An- bzw. Betrunkene verweigern kann. Ist im Flugzeug auch nicht anders.

Hach nein, die Fußballfans

Ist ja nicht so, dass diese Fußballfans sich unter den Sitzen verstecken und dann, nachdem die Türen geschlossen sind, plötzlich hervorzuspringen um die anderen Fahrgäste zu terrorisieren. Der gemeine Fußballfan ist insbesondere aufgrund seiner farbprächtigen Dekoration bereits aus der Ferne gut zu erkennen. Wenn man weiß, dass man darauf allergisch reagieren wird, geht man doch bitte einfach in einen anderen Wagen, anstatt sofort VERBOT zu schreien. Ich kann mir außerdem auch nicht vorstellen, dass regelmäßig am Samstagmorgen in der Bahn Junggesellinnenabschied gefeiert wird.

Man hat den Eindruck, die Leute werden immer empfindlicher.

Lebensart-Polizei

"alkoholisierte Leute belästigen mich schon wenn ich mit denen den gleichen Raum und Luft teilen muss."
Dieses wird der Anfang sein, nach dem Rauchverbot kommt, das Alkoholverbot in Gaststätten, dann das Verbot des Fleischkonsums, was ist denn den vergriesgnaddelten Leuten ohne jegliche Lebensfreude noch so alles nicht genehm?
Bald machts gar keinen Spaß mehr.
"Ich bin, Gott sei dank, nicht mehr jung..." M.Chevalier
Und nein, ich bin NICHT ein bißchen abhängig!

Knoblauchfresser

Ein Püllekin Rotwein, ein Bierchen zur rechten Zeit, können auch aus besonderem Anlass mehrere Bierchen sein...
warum nicht ?
Ich haue nach Genuss dieser "Drogen " keinem aufs Maul, randaliere nicht im öffentlichen Nahverkehr, klaue älteren Damen nicht die Geldbörse, sondern bin nur noch auf der Suche nach meinem Bett.

Soweit alles in Ordnung an der Ruhefront.
Keine Ruhe herrscht wenn der "Knoblauchfresser" meine Wege kreuzt.
Derartige Stinker, im Büro genossen, gehören zu aktenentstaubenden Tätigkeiten in die Katakomben der Firma verbannt.
Wir hatten mal einen Praktikanten im Büro der sich allabendlich ein Vollbad inmitten dieser Knollen gönnte.
Einmal durfte er duftumweht antreten, danach nur noch nach dem Versprechen eine totalen Körperwässerung.
Vor Dienstbeginn.

Lächerlich!

Ich persönlich fühle mich beim Bahnfahren ja viel Stärker von den "Duftwolken" verzweifelter Mitreisender belästigt. Deshalb: Pro Parfümglocken-Verbot in deutschen Bahnen!
Auch die völlige Rücksichtslosigkeit diverser Wichtigtuer, die ihr halbes Privatleben oder ihre Bürotätigkeit in ihre Mobiltelefone schreien macht Bahnfahren für mich fast unerträglich.
Was stören mich da hin und wieder ein paar Betrunkene.