Wie die Seefahrer brachten auch die Sklaven etwas von ihrer Kultur mit auf die Insel. Dinah Veeris bemüht sich in ihrem botanischen Garten darum, überliefertes Pflanzenwissen zu bewahren. Die Herbologin kultiviert verschiedene Heilkräuter. Stoki zum Beispiel, ein faseriges Gewächs, das den Bewohnern lange Zeit als Zahnbürste diente. Agave galt als Aphrodisiakum, das Shampoo aus der grünen Calbas-Frucht beugt angeblich grauen Haaren vor. Fieber behandelt Veeris mit Basilienkraut und Kaffee. "Damit weicht die Wärme aus dem Körper", sagt sie. Ihr Garten ist ein beliebtes Ausflugsziel: Jeden Tag hat sie Touristen zu Gast.

Curaçao lebt hauptsächlich vom Tourismus. Die zweite Einnahmequelle ist das Erdöl. Von der Königin-Juliana-Brücke, die sich in 60 Metern Höhe über Willemstad wölbt, sieht man riesige Raffinerien. Das Rohöl wird aus Venezuela importiert. Obwohl das Öl auf Curaçao raffiniert wird, ist der Benzinpreis hoch. Rund einen Dollar kostet ein Liter Treibstoff. Bei einem Durchschnittseinkommen von 1.200 US-Dollar sind die Mobilitätskosten für die Einwohner hoch.

Dass Armut ein großes Problem der Insel ist, sieht man vor allem im Hinterland. Arbeiter werden auf Pritschenwägen auf Baustellen und Äcker gekarrt, viele Menschen leben in Wellblechhütten. Die niederländischen Subventionen stützen das Sozialsystem: 150 Millionen Euro zahlt die niederländische Regierung jährlich an die Antilleninseln. Diese Abhängigkeit ist einer der Gründe dafür, dass die Inselbewohner keine vollständige Souveränität anstreben. Das Geld der Touristen, die abends in Willemstad vor der Kulisse der Aristokratenhäuser einen Blue Curaçao trinken oder in Partybussen durch den Statdteil Punda tuckern, hilft ihnen zumindest dabei, sich ein Stück weit zu emanzipieren.