Mocky Job steht am DJ-Pult und legt Musik aus Curaçao auf. Die schwarzen Haare sind zurückgegelt, die Knöpfe des Lacoste-Hemds weit geöffnet. Der DJ wippt im Takt. Auf der Insel nennen sie ihn alle nur den "Music Man". In der Disco Tik Tak hat er früher selbst aufgelegt, heute betreibt er mit seinem Sohn ein CD-Geschäft in der Innenstadt von Willemstad. Mocky Job gibt eine kleine Kostprobe: Sony Sanso Mercure von Shon Pe und Tur ta den von Raul Pien Piedra Piar. Die Lieder sind in Papiamento geschrieben, der Muttersprache auf den ABC-Inseln. Es ist eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch mit holländischen Versatzstücken.

Die Klänge von Curaçao speisen sich aus Elementen von Salsa, Merengue und Calypso. Einflüsse von über 40 verschiedenen Nationen haben sie geprägt. Auf Curaçao pflegt man lateinamerikanische Traditionen, afrikanische, asiatische und europäische. Mitgebracht wurden diese von Seefahrern und Kolonialherren.

Im Jahr 1499 wurde Curaçao von den Spaniern entdeckt, 1634 eroberte der Expeditionsleiter Johan von Wall das Eiland für die niederländische Westindien-Kompanie. Peter Stuyvesant, der Gouverneur von Curaçao und New Amsterdam, dem späteren New York, musste 1664 vor den Engländern kapitulieren – Curaçao wurde Teil der britischen Krone. Erst 1814 fiel die Insel wieder an Holland zurück. Heute ist Curaçao ein autonomer Landesteil im Königreich der Niederlande.

Der Hauptstadt Willemstad mit ihren rund 125.000 Einwohnern sieht man das an. Die Straßen heißen Windstraat, Midstraat und Kuiperstraat. Die pastellfarbenen Häuser sind im Rokoko- und Flamboyant-Stil gebaut. Und die pittoreske St. Anna Bay wird vom Fort Amsterdam flankiert, wo Holländer und Briten früher um die Vorherrschaft fochten. Curaçao hatte eine wichtige strategische Bedeutung. Die Insel ist auch heute noch wichtig für den Welthandel. Fast stündlich treffen große Frachtschiffe im Hafen von Curaçao ein. Das Gros der Waren wird importiert – vom Bier bis zum Besteck.

Jorge, ein Fischer von der Isla Margarita, kommt jeden Morgen mit seinem Fischkutter an den Hafen. Für den Venezolaner ist der heimische Markt nicht mehr attraktiv genug. "Auf Curaçao kann ich pro Kilo acht Dollar verlangen, in Venezuela bekomme ich gerade mal die Hälfte", sagt er. "Das Geschäft läuft nicht so gut", sagt eine Kundin, die aus Maracaibo kommt.

Viele Venezolaner sind der sozialistischen Politik von Machthaber Hugo Chávez überdrüssig und wandern aus – oft nach Curaçao. Eine Marktfrau, die neben den Fischerboten Obst feilbietet, stammt aus Sierra Leone. "Ich habe meine Eltern im Bürgerkrieg verloren", sagt sie. "Seit gut 20 Jahren bin ich hier. Ich fühle mich hier wohl."

Tauchboot am Steg

Die Mehrheit der Bewohner sind afrikanischer Abstammung und Nachfahren von Sklaven. Im 17. Jahrhundert war Curaçao der größte Sklavenhandelsplatz der Karibik. Das Kurá Hulanda Museum in Otrabanda erzählt diese Geschichte – und vom Elend, in dem die Menschen lebten. Die Kolonialherren "registrierten" ihre Sklaven mit Brandzeichen. Käfige, die ungeschützt in der Sonne standen, wurden zur Disziplinierung genutzt. Viele der Insassen starben.