Sie nehmen ein Bad im Wasserloch, wälzen sich im Laub, dösen in der Sonne. Oder strecken den Besuchern ihre dicken Hintern entgegen. Die 56 Braunbären im Reservat Libearty sind arbeitslos, und das tut ihnen gut. Die meisten der Tiere sind ehemalige Tanz-, Zoo- und Zirkusbären, die in dem europaweit größten Reservat für "ausgediente" Braunbären Zuflucht gefunden haben. Manche von ihnen haben ihr Leben als Käfigbären in illegalem Privatbesitz verbracht, bevor sie auf das weitläufige Gelände am Rande des Nationalparks Piatra Craiului in Transsilvanien gebracht wurden.

Cristina Lapis von der rumänischen Tierschutzorganisation Milioane de Prieteni (Millionen Freunde) hat den Bärenwald unweit von Brașov (Kronstadt) im Jahr 2005 gegründet. Unterstützt wurde sie dabei von der internationalen Tierschutzorganisation WSPA .

Etwa 60 Hektar gehören zum Gelände. Die Tiere leben in Waldgehegen mit Baumbestand, Beerensträuchern, Wasserstellen und Höhlen. Besucher können die Bären so in einer an ihr natürliches Terrain angepassten Umgebung erleben, ihnen beim Fressen und Baden zusehen, und die Tiere fühlen sich dabei nicht gestört.

Das ist wichtig, denn viele der Tiere sind krank und verängstigt, wenn sie in das Reservat kommen. So auch Max, der als Touristen-Fotobär vor dem Königsschloss Peleș benutzt wurde. Sein Besitzer träufelte Max Säure in Augen und Schnauze, um seinen Seh- und Geruchssinn zu zerstören. Das gewaltige Tier wurde zum Haufen Elend. Die rumänischen Behörden konfiszierten den Bären und brachten ihn in das Reservat.

Neuankömmlinge wie Max müssen erst einmal auf die Krankenstation. Viele der Tiere haben Fehlstellungen von der Käfighaltung, leiden an Magenproblemen. Sobald sie gesund gepflegt sind, wird ihr Käfig geöffnet und sie können raus ins Waldgehege. Doch bei manchen dauert es Tage, bis sie es wagen, den Käfig zu verlassen. Viele kennen weder das Gefühl von Waldboden unter den Pfoten noch die Geräusche der Natur.

Um die Ruhe der Tiere nicht zu stören, ist der Zugang zum Reservat für Besucher beschränkt. Wer es besuchen will, kann sich an die deutsche Reiseleiterin Katharina Kurmes wenden . Sie hilft dabei, Tagesausflüge zu organisieren und kennt die Geschichte des Reservats und der Bären. So auch die von Gina und Sophia. Die beiden sind die Schützlinge des Schauspielers Pierre Brice, der das Reservat unterstützt. Er hat den Bärenwaisen ihre Namen gegeben: "nach meinen guten Freundinnen Gina Lollobrigida und Sophia Loren".

Erschienen im Michael Müller Verlag