Hochgeschwindigkeitszug2.300 Kilometer mit Tempo 300

Die Volksrepublik China hat zwischen Peking und Guangzhou die längste Highspeed-Trasse der Welt in Betrieb genommen. Für 2.300 Kilometer brauchen die Züge acht Stunden. von afp und dpa

Ein Schnellzug fährt in den Bahnhof im chinesischen Xuchang ein.

Ein Schnellzug fährt in den Bahnhof im chinesischen Xuchang ein.  |  © AFP/Getty Images

China baut sein Bahnnetz aus: Zwischen der Hauptstadt Peking und der Millionen-Metropole Guangzhou (Kanton) im Süden des Landes ist die längste Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke der Welt eröffnet worden.

In nur etwa acht Stunden legen die Züge die 2.298 Kilometer zurück. Konventionelle Züge brauchten bislang mehr als 20 Stunden. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liege bei 300 Stundenkilometern, berichteten staatliche Medien.

Das Fernsehen zeigte am Mittwoch live die Abfahrt des ersten Zugs von Pekings Westbahnhof und dessen Ankunft in der Stadt Kanton etwa acht Stunden später. Auf der Strecke werden Schätzungen zufolge täglich bis zu 155 Züge vor allem des chinesischen Herstellers CNR in beiden Richtungen unterwegs sein. Stopps sind in 35 Bahnhöfen geplant.  Die Fahrkarten kosten zwischen 865 Yuan (etwa 107 Euro) und 2.727 Yuan (etwa 338 Euro). Die Durchschnittspreise sind somit vergleichbar mit denen eines preiswerten Fluges.

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Das Hochgeschwindigkeitsnetz im Reich der Mitte erreichte mit der neuen Trasse eine Gesamtlänge von etwa 9.300 Kilometern. Es soll noch weiter wachsen: Bis 2020 soll es mit milliardenschweren Investitionen auf 50.000 Kilometer erweitert werden. Die Trasse soll dazu beitragen, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben. Mit dem Schnellzug demonstriert China zudem die Fortschritte seiner selbst konstruierten Technologie. "Diese Inbetriebnahme zeigt, dass Chinas Hochgeschwindigkeitsnetz anfängt, Gestalt anzunehmen", sagte der Direktor für Wissenschaft und Technologie im Bahnministerium, Zhou Li, nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua .

Bislang hatte China bei der Entwicklung seines Hochgeschwindigkeitsnetzes vor allem auf ausländische Technologie zurückgegriffen, etwa die des deutschen Siemens-Konzerns . Seine selbst entwickelte Technologie exportierte das Land hingegen in Länder wie die Türkei oder Venezuela .

Pannen-Serie bei Schnellzügen

Einen Dämpfer hatte der rasche Ausbau der Bahnstrecken in China im Juli 2011 erhalten. Damals starben beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge bei Wenzhou im Osten des Landes 40 Menschen. Etwa 190 wurden verletzt. Ein Blitzschlag hatte die Stromversorgung des einen Zugs lahmgelegt. Er verlor immer mehr an Geschwindigkeit. Als er fast stillstand, kollidierte der andere Zug mit ihm. Dabei stürzten zwei Waggons von einer Brücke.

Nach dem Vorfall warfen Chinesen der Regierung eine Vertuschung des Unglücks vor. Die Zahl der Toten wurde von der Regierung erst nach und nach mitgeteilt. Die Unfall-Waggons wurden ungewöhnlich schnell entsorgt und verschrottet. Zudem wurden die staatlichen Medien aufgefordert nicht nach den Ursachen des Unglücks zu fragen, sondern stattdessen über die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu berichten. Die chinesische Regierung machte eine defekte Signalanlage für den Unfall verantwortlich . Kritiker warfen der Regierung vor, die Hochgeschwindigkeitsstrecke zu schnell in Betrieb genommen zu haben. Beim schnellen Ausbau des Bahnnetzes sollen demnach Abstriche bei der Sicherheit gemacht worden sein. Auch auf der Strecke zwischen Peking und Shanghai kam es wiederholt zu technischen Pannen: In mehreren Hochgeschwindigkeitszügen fielen Licht und Klimaanlage aus. Die Eisenbahnbehörde nannte als Grund Stürme und starke Winde.

Nach dem Unglück gab Chinas Regierung Fehler beim Umgang mit dem Unglück zu und ordnete eine Sicherheitsüberprüfung des gesamten Netzes und eine Verringerung der maximalen Geschwindigkeiten um 50 auf 300 Stundenkilometer an. Diese Kontrollen hätten die Eröffnung der neuen Trasse zwischen Peking und Guangzhou um etwa ein Jahr verzögert, hieß es in Medienberichten.

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Leserkommentare
  1. Haben Sie nicht mit bekommen, das China mitbekommen hat, das China über die Klima Erwärmung,und der Nähe des Himalaja, des abschmelzen, der Gletscher,

    ...bis an die 80tausender ...

    Mir genügt die Expertise in den Zentral Alpen.
    Und da kenne ich mich wirklich aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 可为
    • 27. Dezember 2012 0:51 Uhr

    Das es ein großes Land ist?
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. "Im Juli 2011 waren bei einem Unglück mit einem Hochgeschwindigkeitszug 40 Menschen getötet worden." (Videobericht)
    Auch wenn es von der Bedeutung her gleich bliebe, aber hierzulande würden bei einem Unfall keine Menschen "getötet" werden, sondern wenn überhaupt "verunglücken".
    Vielleicht bin ich ja überempfindlich, aber bei einer solchen Wortwahl klingeln bei mir die Ohren.

    • kitoi
    • 27. Dezember 2012 0:38 Uhr

    "Wieviel Leichen auf der Strecke bleiben? Wieviel Menschen auf den ländlichen Strecken zum Opfer dieses chinesischen Dragons fallen ?"

    Der Zeit.de war es schon ein Artikel wert, wenn in New York es einen ganzen Tag keinen Mord gibt.

    http://www.zeit.de/gesell...

    Sie dürfen auch mal anfangen die Leichen der US-Amerikaner in den verschiedenen Kriegsgebieten wie Irak, Afghanistan oder z.B. dem Balkan - alles nach 1990 - zählen. Da wird es mir jedenfalls übel.

    Bevor Sie so viel Mist hier ausschütten, sollten Sie sich mit den Erfolgen der Chinesen auseinandersetzen. Eventuell fahren Sie mal hin. Dann bietet sich sachlich natürlich auch sehr viel Kritik an. Manchmal ist es aber besser den Mund zu halten, wenn andernfalls sein Glashaus einstürzen würde.

    Gegenwärtig haben die Chinesen in Industrie, Finanzpolitik, Wissenschaft, Tourismus, Infrastruktur und Außenpolitik sehr viel Erfolge. Macht Sie das neidisch?

    Wenn der gute Westen u.a. hier kritisiert wird, werden Beiträge ganz schnell mit solchen Kommentaren gelöscht: "Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo." http://www.zeit.de/gesell...

    Heißt das jetzt Demokratie andere unreflektiert zu beschmutzen und deren Leistungen in den Dreck zu ziehen?

  3. Für die ca. 250 km von Bamberg nach Ulm brauche ich mit dem noch bezahlbaren Bayernticket 3 1/2 Stunden...

  4. ...Respekt, in der selben Zeit kommt unser ICE gerade mal nach Garmisch.

    Ich fürchte, solange wöchentlich ein kompletter Transrapid in die Rettung des Euros fließt (tägl. ca. 1-1.5 Mrd. Euro aus Deutschland via Rettungspakete, ELAT, Target-II etc...) wird sich daran nicht viel ändern. Denke mal, mit dem Euro im Schlepptau hängt uns die chinesische Wirtschaft und Technologie binnen drei Jahren komplett ab. Bei den Hochgeschwindigkeitszügen ist es offenkundig schon jetzt geschehen.

    • 可为
    • 27. Dezember 2012 0:51 Uhr
  5. kommt also in Fahrt. Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht?

    Außerdem werden sie sich geschwinder der bürgerlichen Demokratie annähern.

    Und danach haben sie dann 15 Jahre Shit-Storm in Internet. Wenn wir dann schon nicht mehr aushalten werden. :)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte Medien | China | Nachrichtenagentur | Siemens AG | Stromversorgung | Technologie
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