Deutsche BahnDie Bahn kassiert mehr und kommt später

Bahnfahren wird ab Sonntag wieder teurer – im Schnitt um 2,8 Prozent. Der Konzern rechtfertigt das mit höheren Strompreisen, Kritiker machen eine andere Rechnung auf. von dpa

Abfahrt am Hauptbahnhof in Berlin

Abfahrt am Hauptbahnhof in Berlin  |  © Sean Gallup/Getty Images

Am zweiten Advent ist es wieder soweit: Die Deutsche Bahn wechselt ihren Fahrplan und erhöht zugleich die Preise, wie fast in jedem Jahr. Verbraucherschützer halten das für überzogen. Zumal sich das Angebot für die Kunden an diesem Sonntag kaum verbessert, wenn das Unternehmen im Durchschnitt 2,8 Prozent mehr für seine Fahrscheine verlangt . Die Bahn rechtfertigt das mit gestiegenen Strompreisen, legt aber ihre Kalkulation nicht offen.

Anton Hofreiter von den Grünen weist auf Vorteile des Großkunden bei der Strombeschaffung hin. Die Bahn profitiere seit Monaten von sinkenden Strompreisen. "Sie freut sich darüber, dass der Großhandelspreis sinkt, und gegenüber den Kunden begründet sie die steigenden Ticketpreise mit steigenden Strompreisen", schimpft der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses in der ZDF-Sendung Frontal 21 .

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Fest steht, dass sich Bahnfahren nach einem Umbau des Preissystems seit Ende 2003 um etwa 35 Prozent verteuert hat, während die Verbraucherpreise – laut Index des Statistischen Bundesamtes – insgesamt nur um 16,3 Prozent stiegen. Umgerechnet sind das pro Jahr im Durchschnitt 3,4 Prozent Preisaufschlag für Bahntickets im Vergleich zu 1,7 Prozent Teuerungsrate. Die Deutsche Bahn macht eine andere Rechnung auf: Ihr Preisniveau sei 2003 um 12 Prozent gesenkt worden. Wenn man das berücksichtige, liege sie mit ihren Anhebungen nicht über der Inflationsrate.

Zugverspätungen haben zugenommen

"Die Qualität ist nicht so, als dass man eine Preiserhöhung rechtfertigen könnte", sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er meint damit vor allem die vielen Zugverspätungen. Die jüngste Statistik der Bahn belegt das . Demnach waren im Oktober 27,4 Prozent der Fernzüge mit Verspätung unterwegs. Im März lag diese Quote noch bei 14,4 Prozent. "Solange die Bahn das nicht im Griff hat, kann sie nicht mehr Geld verlangen", moniert Naumann. Sie solle wie zuletzt lieber noch mehr Fahrgäste gewinnen und so die Einnahmen erhöhen. Im ersten Halbjahr ist die Fahrgastzahl um vier Prozent gestiegen.

Der höchste Preis für eine Strecke im ICE steigt am Sonntag von 135 auf 139 Euro. Das betrifft etwa die Fahrt von Hamburg nach München . Die Strecke Stuttgart-München verteuert sich um einen Euro von 54 auf 55 Euro. Bahncards kosten durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Die Bahncard 25 gibt es dann für 60 Euro (bisher 59 Euro), die Bahncard 50 für 247 Euro (bisher 240 Euro). Neu: In 120 deutschen Städten können Bahncard-Inhaber mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Extra-Ticket zum Startbahnhof fahren. Bislang war das nur am Zielort möglich.

Die neuen ICE lassen weiter auf sich warten

Vom 9. Dezember an will die Bahn freitags und sonntags ein paar Züge mehr einsetzen. Davon sollen Wochenendpendler auf stark genutzten Verbindungen profitieren, etwa auf der Strecke Hamburg-Köln oder Köln-Hannover-Berlin. "Kleine punktuelle Entlastungen", sagt Naumann dazu. Auf der Intercity-Linie Stuttgart-Köln-Hamburg setzt die Bahn die ersten von 770 Wagen ein, die bis 2014 eine neue Inneneinrichtung bekommen. Das ist kein Zufall: Seit Ende Juli pendelt der Bahnkonkurrent HKX zwischen Köln und Hamburg.

Nicht eingesetzt werden können acht nagelneue ICE von Siemens . Sie sind bei Testfahrten durchgefallen , die Software für die Zugsteuerung erwies sich als mangelhaft. Der Bahn fehlt deshalb im Fernverkehr eine Winterreserve. Sollten bei Schnee und Eis viele Züge ausfallen, hat sie kaum Ersatz . Im Schienennetz gibt es ab Sonntag zwei wesentliche Verbesserungen. Der Katzenbergtunnel südlich von Freiburg im Breisgau wird den grenzüberschreitenden Güterverkehr mit der Schweiz beschleunigen. Und zwischen Hildesheim und Braunschweig verschwindet ein 34 Kilometer langes eingleisiges Nadelöhr.
 

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Leserkommentare
  1. könnte der Bahn mal wer mitteilen daß sie kein staatlicher Laden mehr ist?

    Da kann man mal sehen wie Nachhaltig das Beamtentum und Monopole in dem Konzern wirken... Kopfschüttel...

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    die wissen das sehr gut. zumal die angestellten wirklich weniger kriegen als die "noch"(?) vorhandenen beamten. das problem ist ihre monopolstellung.

    • HeidiS
    • 06. Dezember 2012 11:44 Uhr

    steigen die Preise, ist die Bahn unpünktlicher - und vor allem schlicht und einfach sehr, sehr oft verdreckt. Sind nun die 'Fahrgäste' schmuddelider geworden oder ist es nicht eher so, dass die Billig- bis Billigst-Reinigungstrupps nur noch durch die Waggons eilen? Die Bahn muss eine gewisse Rendite einfahren - das war unter dem Staatbetrieb ein Fremdwort, man fühlte sich dem Fahrgast irgendwie verpflichtet.

    • Sven88
    • 06. Dezember 2012 11:55 Uhr

    Ich würde sagen, dass das Schmuddelige zum Teil wirklich von mehr Reisenden kommt. Darunter sind dann natürlich auch Anteilig "Assis". Vor allem die Regionalzüge finde ich ätzend.

  2. Kämen die Züge so pünktlich wie die Fahrpreiserhöhungen hätte die Bahn sogar einen vertretbaren Grund für letztere.

    In ihrer derzeitigen Verfassung ist sie aber nichts weiter als das beste Argument, weiterhin Auto und Flugzeug zu nutzen.

  3. Das Argument Auto verschärft sich so sogar noch:
    Ich fahre heute und am Sonntag eine 380km Strecke, ich nehme auf jeder Strecke 2 Mitfahrer mit. So zahle ich und meine Mitfahrer jeweils 15€ für die Strecke.

    Man setze sich mal mit 15€ in der Hand in eine Bahn...

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    Das heißt, Sie kalkulieren 11,8 Cent variable Kosten pro Autokilometer? Das können Sie sich bestimmt nur leisten, weil Ihnen Ihr Arbeitgeber einen Geschäftswagen entgeltfrei zur privaten Nutzung überlässt. Oder?

    Wenn die Bahn so kalkulieren wollte, wären die Züge prallvoll und die Kassen leer.

    Früher habe ich auch immer nur das Benzin gerechnet. Seit ich mir im letzten Jahr einen neuen Wagen gekauft habe (gebraucht, günstig bekommen), lasse ich spaßeshalber mal eine Vollkostenrechnung laufen, inklusive einer Abschreibung des Anschaffungspreises über 4 Jahre. Das Ergebnis hat mich geschockt: Es sind 0,45 Euro pro Kilometer. Bei einer Fahrt von 380 km (einfach) sind das für Hin- und Rückfahrt 342 Euro, pro Richtung also 171 bzw. für jeden Insassen 57 Euro.

    Eine entsprechende Bahnkarte (z.B. von meiner Heimatstadt Kaiserslautern nach Göttingen) kostet ab 49 Euro (Sparpreis, mit Zugbindung). Wenn man häufiger fährt, kann man sich für 60 Euro eine Bahncard kaufen und spart 25%. Noch Fragen?

  4. Buslinien. Demnächst werden sie zum ersten Mal den Fahrpreis senken müssen wenn alles glatt geht.

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    • Psy03
    • 06. Dezember 2012 10:57 Uhr

    Hoffentlich setzen sich diese Buslinen durch, so wie in Amerika.
    Dann fahr ich nur noch Bus.
    Ich glaube ich würde sogar Bus fahren, wenn es leicht teurer wäre, nur ums der DB zu zeigen. :P

    • Panic
    • 06. Dezember 2012 10:51 Uhr

    futuristisch aussehen. Die Bahn ist aufgestellt wie ein mittelalterlicher Karren, gezogene von einer Meute Neanderthaler.

    cheers

    • Psy03
    • 06. Dezember 2012 10:57 Uhr

    Hoffentlich setzen sich diese Buslinen durch, so wie in Amerika.
    Dann fahr ich nur noch Bus.
    Ich glaube ich würde sogar Bus fahren, wenn es leicht teurer wäre, nur ums der DB zu zeigen. :P

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    vervierfachen sich gegenüber der Bahn.
    Zum Beispiel.

    • Psy03
    • 06. Dezember 2012 14:22 Uhr

    würde ich dann lieber den Bus nehmen.

    Außerdem haben Sie wohl die Verspätungen nicht mit einberechnet.

    Obwohl mir die lustigen Ausreden fehlen würden, warum die RB den ICE durchlässt und die "Bahnunterschicht" warten muß.

    Meine Lieblingsausreden sind:
    "Wir haben eine Signalstörung!" - Der Klassiker
    oder
    "Die Bahn ist kaputt!" - Und auf einmal fährt die "kaputte" Bahn dann wieder, nachdem der ICE vorbei gebrettert ist.

  5. die wissen das sehr gut. zumal die angestellten wirklich weniger kriegen als die "noch"(?) vorhandenen beamten. das problem ist ihre monopolstellung.

    Antwort auf "Spätzünder..."
  6. Das heißt, Sie kalkulieren 11,8 Cent variable Kosten pro Autokilometer? Das können Sie sich bestimmt nur leisten, weil Ihnen Ihr Arbeitgeber einen Geschäftswagen entgeltfrei zur privaten Nutzung überlässt. Oder?

    Wenn die Bahn so kalkulieren wollte, wären die Züge prallvoll und die Kassen leer.

    Antwort auf "Argument Auto:"
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    Mitfahrgelegenheiten anzubieten mag zunächst nach einem Akt der Barmherzigkeit klingen, ist es aber icht ganz. Ich rechne das nicht auf Heller und Pfennig nach, die 15€ sind gerundet/geschätzt/empfohlen etc. Ich drücke so die Spritkosten meines nicht vorhandenen Dienstwagens und biete Leuten die Gelegenheit für einen sehr fairen Tarif von A nach B zu kommen sowie die Sitzplätze meines Autos auszunutzen. Ist doch kein schlechtes Modell oder ?

    • 可为
    • 06. Dezember 2012 11:57 Uhr

    der keinen Wert mehr verliert, und im Idealfall ein Diesel oder sogar LPG ist, sollte das Problemlos aufgehen.

    Oder anders: Hannover - Berlin = 290km; ICE einfach: 65€; 3 Personen hin und zurück: 390€
    Wenn sie das an zwei Wochenenden machen, entspricht das bereits dem Wert eines gebrauchten Golf Diesel (Bj mitte 90er; unter 200T Km) mit einem Jahr Händlergarantie und TÜV...

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