Wanderer in einem Bannwald im Nordschwarzwald © Uli Deck dpa/lsw

Das Naturwaldreservat Waldhaus im fränkischen Steigerwald ist ein Kleinod. Prachtvolle alte Buchen stehen hier, wie man sie in Wirtschaftswäldern nur noch selten findet. Am Boden liegt verfaulendes Holz, ein idealer Lebensraum für unzählige Käfer, wie den äußerst seltenen Eremit. Auch gefährdete Vögel leben hier: Schwarzstorch, Mittelspecht oder Halsbandschnäpper. Das Naturwaldreservat Waldhaus ist nur eines von mehreren Schutzgebieten, die sich nördlich und westlich des Örtchens Ebrach mit seinem berühmten Zisterzienserkloster erstrecken. Sein historischer Buchenbestand kann es mit Gebieten wie dem thüringischen Hainich oder dem hessischen Kellerwald, die von der UNESCO zum Weltnaturerbe Buchenwald erklärt wurden, durchaus aufnehmen.

"Manche Waldbestände sind mehr als 180 Jahre alt und ökologisch besonders wertvoll", sagt Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, der zu den Bayerischen Staatsforsten gehört. Der Steigerwald wäre also ein idealer Ort für einen Buchen-Nationalpark, könnte man meinen. Doch wegen des geplanten Projektes wird seit Jahren erbittert gestritten. "Gott schütze uns vor den Nationalpark-Ideologen" steht auf einem Plakat, das Gegner des Großschutzgebietes an der Straße nach Ebrach angebracht haben.

Im April 2008 gründeten mehrere Naturschutzorganisationen den Freundeskreis Pro Nationalpark Steigerwald . Der Freundeskreis ist überzeugt vom ökologischen Nutzen eines international anerkannten Großschutzgebietes und von den touristischen Chancen, die ein Nationalpark für den abgelegenen Landstrich bedeuten könnte. Ein Teil der örtlichen Bevölkerung wollte und will von diesen Vorteilen aber nichts wissen und schloss sich im Gegenzug zum Verein Unser Steigerwald zusammen. Ein Nationalpark bringe Nutzungseinschränkungen und Betretungsverbote mit sich, so die Kritik. Die Gruppen gerieten zeitweise derart aneinander, dass Humoristen einen Blauhelm-Einsatz im Steigerwald forderten .

Ulrich Mergner vom Forstamt Ebrach gehört ebenfalls zu den Nationalpark-Gegnern. Dabei ist er Mitglied des Bund Naturschutz. Der einflussreiche bayerische Umweltverband wirbt seit Jahren für das Projekt. Mergner hat für sein Revier jedoch ein eigenes Naturschutzkonzept entwickelt, mit zahlreichen, über die ganze Fläche verteilten Stilllegungsflächen und einem Netz von Methusalembäumen, die nicht gefällt werden dürfen. Dass der Förster nicht so viele Bäume fällen will, wie vorgegeben, ärgert dessen Arbeitgeber.

Für einen Nationalpark sei das Gebiet dennoch nicht richtig geeignet, sagt Mergner. Mit rund 100 Ortschaften sei es zu dicht besiedelt, die Staatswälder zersplittert. Dazu komme eine lange Tradition der regionalen Holznutzung. Und die Menschen hätten Angst vor zu viel Fremdbestimmung.