Reiseland ÄgyptenWer nur baden will, hat nichts zu fürchten

Nach dem Sturz Mubaraks verlor jeder Dritte in der Reisebranche Ägyptens seinen Job. Gerade zog die Nachfrage an, nun schaden die Bilder der Unruhen wieder dem Image. von 

Kutscher warten vor den Pyramiden auf Touristen.

Kutscher warten vor den Pyramiden auf Touristen.   |  © GIANLUIGI GUERCIA/AFP/Getty Images

Gerade schien sich die Tourismusbranche Ägyptens zu erholen: Nachdem die Besucherzahlen seit dem Beginn der Massenproteste im Frühjahr 2011 um mehr als ein Drittel gesunken waren, hatte sich die Lage in der Sommersaison 2012 vor allem in den Badeorten entspannt. Die Anzahl der Gäste stieg um 20 Prozent, deutsche Reisende stellten mit russischen und britischen Besuchern die größten Urlaubergruppen dar.

Nun, zwei Jahre nach dem Sturz Mubaraks, verunsichern Bilder von Massendemonstrationen und Straßenkämpfen im Land am Nil erneut die potenziellen Gäste. Nicht nur die Kundgebungen auf dem Tahrir-Platz anlässlich des zweijährigen Geburtstages der Revolution, auch die Ausschreitungen in Port Said fanden ihren Weg in die internationalen Schlagzeilen.

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"Solange immer wieder Bilder von politischen Unruhen durch die Medien gehen, vermittelt das dem Verbraucher ein Gefühl des Unbehagens", sagt Anja Braun, Sprecherin des deutschen Reisekonzerns Tui. Dieses Unbehagen wirke sich negativ auf das Image Ägyptens als Reiseziel aus. "In den wichtigen touristischen Regionen, den Badeorten am Roten Meer, herrscht Ruhe und es gibt keinerlei Einschränkungen für Urlauber."

Mit fast 90 Prozent des Reisevolumens ist Hurghada nach wie vor das wichtigste Reiseziel der Deutschen in Ägypten. Nachdem die Sommersaison 2013 für TUI gut angelaufen war, sei bereits wenige Tage nach Beginn der jüngsten Demonstrationen in Kairo und anderen Städten Ägyptens eine deutliche Zurückhaltung bei Neubuchungen zu spüren gewesen. "Die Fernsehbilder von gewaltsamen Demonstrationen bleiben nicht ohne Folgen", sagt Braun. Bleiben die Gäste aus, bedeutet dies einen erneuten Rückschlag für ein Land, in dem noch vor zwei Jahren jeder Sechste vom Tourismus lebte und das jährlich rund 15 Millionen Urlauber empfing.

"Ein touristisches Stehaufmännchen"

Hany Guirgis vom ägyptischen Reiseveranstalter Emeco Travel sieht in der medialen Darstellung seines Heimatlandes ein Problem für den Tourismus: "Die Berichterstattung ist oft oberflächlich." Die Ausschreitungen in Port Said etwa würden mitunter als Teil landesweiter Unruhen dargestellt, was nicht zuträfe. Ebenso wie die TUI-Sprecherin Braun weist auch Guirgis darauf hin, dass die Touristenorte am Roten Meer nicht von Demonstrationen oder Unruhen betroffen seien: "Die gegenwärtigen politischen Unstimmigkeiten beeinträchtigen die Urlauber kaum." Touristen seien in Ägypten immer willkommen.

Besonders betroffen von den aktuellen Entwicklungen im Land ist das Segment der Studienreisen. Manfred Schreiber ist beim Münchener Veranstalter Studiosus für Ägypten zuständig und beschreibt die Einschränkungen, mit denen Reisende rechnen müssen: So wurde etwa der Besuch des Ägyptischen Nationalmuseums, eines der Highlights jeder Studiosus-Reise in das Land am Nil, vorläufig aus dem Programm gestrichen – das Museum liegt zu nahe am Tahrir-Platz, sogar das Auswärtige Amt rät derzeit von einem Besuch des Museums dringend ab.

"Solange man uns die Sicherheit unserer Gäste in Ägypten nicht hundertprozentig gewährleisten kann, reagieren wir entsprechend und kommen diesen entgegen." Studiosus hat reagiert und die Umbuchungsrichtlinien angepasst: Wer eine Reise nach Ägypten gebucht hat, kann bis zu vier Wochen vor Abreise ohne Angabe von Gründen eine andere Destination wählen.

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht Schreiber Ägyptens Zukunft als Reiseziel positiv: "Das Land hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass es ein touristisches Stehaufmännchen ist." Nach den Anschlägen von Luxor 1997 habe es ein halbes Jahr gedauert, bis Ägypten wieder unter den internationalen Top-Reisezielen war. Auch die aktuelle Preispolitik ist laut Schreiber nicht zu unterschätzen: "Bei niedrigen Preisen sind die Urlauber eher bereit, über negative Schlagzeilen hinwegzusehen, langfristig gesehen können aber nur politische Stabilität und innere Ordnung das Image Ägyptens positiv beeinflussen."

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Leserkommentare
  1. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen - auch wenn Sie diese in Form von Zitaten wiedergeben. Danke, die Redaktion/fk.

  2. 10. [...]

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz

  3. 11. [...]

    Entfernt. Die Redaktion/jz

    Eine Leserempfehlung
  4. wenn ich mir Land und Kulturgüter nicht gefahrlos ansehen kann, fahre ich nicht mehr in dieses Land.

    2 Leserempfehlungen
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    "Auch die aktuelle Preispolitik ist laut Schreiber nicht zu unterschätzen: "Bei niedrigen Preisen sind die Urlauber eher bereit, über negative Schlagzeilen hinwegzusehen ..."

    Für einen reinen Badeurlaub mit Kulturanspruch mache ich zu Hause das beste Schnäppchen.
    Ich kann im Sommer die herrliche Gewässerlandschaft Berlin-Brandenburgs genießen und heilfroh sein, dass ich zu jeder Jahreszeit gefahrlos die Nofretete im Ägyptischen Museum bewundern kann!
    http://www.aegyptisches-m...

  5. Man fährt doch nicht in den Urlaub nur um zu baden.
    Ägypten ist/war noch einer der wenigen Orte wo einen nicht diese Ballermann/Lloret de Mar Sauftouris umgeben haben.
    Baden kann man an jedem Ort der Adria/Mittelmeer ja sogar an der Nordsee, aber Kultur wie die Pyramiden, die Sphinx oder Abu Simbel gibt es nur da.
    Wer weiß wie lange noch, denn spätestens seit den Buddha-Statuen von Bamiyan weiß man, das fundamentale Islamisten, in jedem kulturellen Erbe der Menschheit eine Bedrohung sieht.

    Natürlich tut es mir auch Leid um die Branche, da viele Menschen in Ägypten von den Touristen leben, aber die Situation ist im Moment einfach zu heikel für Urlauber.

    Auch andere Länder bangen um ihren Tourismus, Tunesien war auch mal ein Urlaubsland, was aber nach der Revolution stark zurückgegangen ist, was sich aber im Moment wieder erholt.
    Gleiches spiel Israel, Haifa, Tel Aviv, Akko und Eilat alles Urlaubsstädte, zwar keine Revolution, aber durch Scud-Raketen einschläge und anfeindungen durch Ultras, geht der Tourismus auch wieder drastisch zurück.

    Auch in Europa ist die Entwicklung absehbar, Griechenlands Tourismus ist eingebrochen, Spanien und Italien rückläufig.
    Türkei und Marokko wären noch eine Option, Aït-Ben-Haddou in Marokko und der Großer Basar von Istanbul sind ebenfalls sehenswert.

    • Petka
    • 01. Februar 2013 22:31 Uhr

    ... bekommst du momentan in jeder größeren Hauptstadt zu sehen. In Paris kleine 3er-Gruppen mit schnell wechselbarem kleinen Clip auf den Bahnhöfen und in Berlin warten wir nur noch ein Weilchen, gab ja das hochgefährliche Bonn neulich, hm?

    Will sagen: Paranoia beschränkt sich nicht mehr nur auf Urlaubsländer.

  6. Im Land gehen Bomben hoch, aber unsere Reiseveranstalter gucken Kinderstunde. In Nuweiba war auch immer alles sicher. So lange, bis die Bombe dann hoch ging. Aber für Geld tun wir alles, nicht wahr Frau Braun? "Solange immer wieder Bilder von politischen Unruhen durch die Medien gehen, vermittelt das dem Verbraucher ein Gefühl des Unbehagens". Ja genau, weil es richtig ist. Wann waren Sie das letzte Mal in Ägypten, Frau Braun? Nur am Rande bemerkt: Ägypten war schon vor dem Frühling der ein Herbst war nicht mehr sicher. Fragen Sie mal die ganzen Überlandfahrer, die per Militär-Konvoi von Kairo nach Assuan geleitet wurden, damit sie dort auf die Fähre konnten, die sie in den Sudan brachte. Nicht einmal die Hauptstraßen waren sicher. Sind sie immer noch nicht, aber Frau Braun macht weiter Reklame. Man kann nur hoffen, dass niemand mehr hinfährt oder -fliegt, nur dann nämlich merken die Ägypter was: wenn es an die Geldbörse geht.

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  7. "Auch die aktuelle Preispolitik ist laut Schreiber nicht zu unterschätzen: "Bei niedrigen Preisen sind die Urlauber eher bereit, über negative Schlagzeilen hinwegzusehen ..."

    Für einen reinen Badeurlaub mit Kulturanspruch mache ich zu Hause das beste Schnäppchen.
    Ich kann im Sommer die herrliche Gewässerlandschaft Berlin-Brandenburgs genießen und heilfroh sein, dass ich zu jeder Jahreszeit gefahrlos die Nofretete im Ägyptischen Museum bewundern kann!
    http://www.aegyptisches-m...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ägypten | Tourismus | Auswärtiges Amt | Museum | Reiseveranstalter | Reiseziel
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