Australiens OutbackDie Einsamkeit der Krokodile
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Einen Namen für einen menschenleeren Strand erfinden

Dieser Wanderpfad führt oberhalb des Berkeley Rivers entlang.

Dieser Wanderpfad führt oberhalb des Berkeley Rivers entlang.  |  © Aileen Tiedemann

Die Rotorblätter des Helikopters am nächsten Morgen versetzen uns schlagartig in die Gegenwart zurück. Die Reise geht weiter an die Timorsee, in eine kleine Lodge, die mitten auf einer Düne an der Mündung des Berkeley Rivers liegt. Während des zweistündigen Flugs schwärmt der Pilot Ben von der Landschaft, die unter uns vorbeizieht. "Die Kimberley Region ist eine der unberührtesten Gegenden ganz Australiens. Die Europäer haben hier so gut wie keine Spuren hinterlassen. Gerade erst habe ich bei einer Tour mit ein paar Gästen eine alte Aborigine-Grabstätte zwischen den Felsen entdeckt, die vor uns noch nie jemand gesehen hat. Und in den Flüssen wimmelt es nur so vor Baramundi-Fischen." 

Reiseinformationen Kimberley Region

Qantas bietet Flüge von Frankfurt am Main nach Darwin ab 991 Euro an. Die Mitchell Falls Wilderness Lodge ist von Kununurra aus mit dem Four Wheel Drive oder dem Flugzeug erreichbar. Ebenfalls von Kununurra starten Wasserflugzeuge und Helikopter zur Berkeley River Lodge an der Timorsee. Allgemeine Reiseinformationen zur Region findet man unter www.westernaustralia.com.

Nicht ein einziges Haus sehen wir während des gesamten Fluges. Stattdessen Hochplateaus und wilde Kühe, die durch Eukalyptuswälder streifen. Ben, der in seinem Helikopter schon einmal in 16 Stunden vom Norden bis zum Süden Australien geflogen ist, sagt, dass die Küste der Kimberleys neben den Blue Mountains und dem Kakadu Nationalpark das Schönste sei, was er je in Australien aus der Luft gesehen habe. Als wir das Meer in der Ferne erkennen, verstehen wir, was er meint. Dicht über der Wasseroberfläche fliegen wir den Berkeley River hinunter und auf einen menschenleeren Strand zu, der von Salzwassergischt eingehüllt ist.

Wir landen unterhalb einer Düne und werden von absoluter Stille empfangen. Als wir kurz darauf am Strand entlanglaufen, treibt gerade ein Meereskrokodil mit offenem Maul in den Sonnenuntergang. Später machen wir ein Lagerfeuer und überlegen, wie wir den noch namenlosen Strand nennen könnten. Pilot Ben schlägt Staircase to heaven vor, wir sind für Red Moon Bay – doch am Ende klingt alles zu kitschig. Der Vollmond steigt auf und taucht alles in silbernes Licht. Es ist einer dieser Augenblicke, in denen man ganz einfach sprachlos ist.

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Leserkommentare
  1. ist ein kleiner grammatikalischer Fehler unterlaufen. Entweder: 'schon seit vier Jahren' oder 'schon vier Jahre'.

    Sonst ein sehr schöner Artikel.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Oh nein. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es korrigiert.

  2. Redaktion

    Oh nein. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es korrigiert.

    Antwort auf "Im ersten Abschnitt"
  3. Leider präsentiert der Artikel wieder einmal ein Bild des sogenannten australischen Outbacks, welches weniger den Tatsachen entspricht sondern mehr der romantisierenden Imagination der Autorin. Hier nur ein paar Anmerkungen.
    Die Mitchell Falls, die hier eine Hauptrolle spielen, sind eine gut erschlossene Touristenattraktion im Kimberley. Der Weg von der Hubschrauberbasis zu den Falls (der sogenannte Punamii-Unpuu Trail) ist jedenfalls gut ausgeschildert. In der Saison sind dort so viele Touristengruppen unterwegs, dass man keine Probleme hat seinen Weg zu finden. Wie die Autorin selbst schreibt, war sie ja mit einer dieser organisierten Touren unterwegs.
    Was dort über das “Wasserloch” geschrieben wird (unterhalb der Little Mertens Falls – in dem auch keine Süßwasser-Krokodile vorkommen), ist frei erfunden und den Erzählungen der Touristen-Guides entsprungen, die so gut wie nie von autorisierten Aborigines begleitet werden.
    Begräbnisstätten sind keine Touristenattraktionen, sondern grundsätzlich nur mit Erlaubnis der lokalen "Traditional Owners" zu besuchen.
    Ich arbeite von der University of Western Australia aus als Archäologe seit über vier Jahren mit Aborigines im Kimberley. Diese befinden sich in einem ständigen Kampf um ihre Kultur gegen den Widerstand von Touristen, Rohstoffkonzernen, der Regierung und Rinderfarmen zu verteidigen und erhalten. Die Berichterstattung über diesen phantastischen und faszinierenden Teil der Welt hat einen besseren Journalismus verdient.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Australien | Outback | Wildnis | Österreich | Berkeley
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