Dieser Wanderpfad führt oberhalb des Berkeley Rivers entlang. © Aileen Tiedemann

Die Rotorblätter des Helikopters am nächsten Morgen versetzen uns schlagartig in die Gegenwart zurück. Die Reise geht weiter an die Timorsee, in eine kleine Lodge, die mitten auf einer Düne an der Mündung des Berkeley Rivers liegt. Während des zweistündigen Flugs schwärmt der Pilot Ben von der Landschaft, die unter uns vorbeizieht. "Die Kimberley Region ist eine der unberührtesten Gegenden ganz Australiens. Die Europäer haben hier so gut wie keine Spuren hinterlassen. Gerade erst habe ich bei einer Tour mit ein paar Gästen eine alte Aborigine-Grabstätte zwischen den Felsen entdeckt, die vor uns noch nie jemand gesehen hat. Und in den Flüssen wimmelt es nur so vor Baramundi-Fischen." 

Nicht ein einziges Haus sehen wir während des gesamten Fluges. Stattdessen Hochplateaus und wilde Kühe, die durch Eukalyptuswälder streifen. Ben, der in seinem Helikopter schon einmal in 16 Stunden vom Norden bis zum Süden Australien geflogen ist, sagt, dass die Küste der Kimberleys neben den Blue Mountains und dem Kakadu Nationalpark das Schönste sei, was er je in Australien aus der Luft gesehen habe. Als wir das Meer in der Ferne erkennen, verstehen wir, was er meint. Dicht über der Wasseroberfläche fliegen wir den Berkeley River hinunter und auf einen menschenleeren Strand zu, der von Salzwassergischt eingehüllt ist.

Wir landen unterhalb einer Düne und werden von absoluter Stille empfangen. Als wir kurz darauf am Strand entlanglaufen, treibt gerade ein Meereskrokodil mit offenem Maul in den Sonnenuntergang. Später machen wir ein Lagerfeuer und überlegen, wie wir den noch namenlosen Strand nennen könnten. Pilot Ben schlägt Staircase to heaven vor, wir sind für Red Moon Bay – doch am Ende klingt alles zu kitschig. Der Vollmond steigt auf und taucht alles in silbernes Licht. Es ist einer dieser Augenblicke, in denen man ganz einfach sprachlos ist.