Ehemalige Sowjetunion : Der Schutt von einer besseren Welt

In seinen Bildern dokumentiert der Fotograf Christoph Grill, was von den Bauprojekten der ehemaligen Sowjetunion übrig blieb: Ruinen in träumerischen Landschaften.

Der Fotograf Christoph Grill zeigt in seinen Bildern die materiellen Überbleibsel der kommunistischen Utopie. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Untergang der Sowjetunion verfallen die Siedlungen, überwuchern Fabriken, die einst für ein gerechteres Leben gebaut wurden. Mit Gewalt trieb das Regime seine Vision voran. Grills Blick ist es zu verdanken, dass die Fotos nicht nur böse Erinnerungen oder die Trauer über verlorene Ideale einfangen, sondern auch anmutige Szenen. Wir zeigen Bilder aus dem Buch Short Stalks At Distant Shores (Hatje Cantz).

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Christoph Grill. Short Stalks at Distant Shores

Der 1965 in Österreich geborene Künstler Christoph Grill hat über einen längeren Zeitraum die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion besucht und begab sich dort auf eine intensive fotografische Reise. Was er von seinen Reisen durch die schier unendlich wirkenden Landmassen im Osten mitbrachte, sind dokumentarische Belege von gravierenden Umwälzungen, die in dem ehemaligen Riesenreich stattgefunden haben. Sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht traten in den letzten 20 Jahren in der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten massive Verände-rungen zu Tage, die mit der Zuschreibung "negativ" noch verharmlost wären. Dem Fotografen Christoph Grill ist es gelungen und zu verdanken, dass er mit seinen Fo-tografien aus Weißrussland, der Ukraine, Litauen, Lettland, Estland der Republik Moldau, Armenien, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisien und Tadschikistan fotografisch und dokumentarisch die Finger auf erhebliche Umweltsünden legt. In zahlreichen ähnlichen Berichten und Reportagen anderer Autoren ist der Raubbau an der Natur der sowohl in Zeiten der Sowjetunion (erinnert sei hierbei nur an die ökologischen Katastrophen von Tschernobyl und dem Austrocken des Aralsees durch Wasserentnahme seiner Zuflüsse für die Bewässerung) einer breiten Öffentlichkeit hinlänglich bekannt. Grills Verdienst ist es, dass er in seinen fotografischen Notizen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion u.a. Ruinen kommunistischer Utopien aufzeigt.

Christoph Grill. Short Stalks at Distant Shores, Teil 2

Andererseits legt der Künstler auch den Fokus auf die Lebensumstände der Nachfolgestaaten im postkommunistischen Zeitalter. Seine fotografischen Befunde sind auf den ersten Blick auch hier vom Zerfall geprägt. Insbesondere die gravierenden Unterschiede zwischen armen und reichen Gesellschaftsgruppen lassen erahnen, welch ökonomischer und sozialer Druck auf den Nachfolgestaaten lastet. Grills Bilder zeichnen sich aber nicht allein durch die Darstellung von Tristesse und Zerfall aus, sondern sie machen auch Hoffnung: Hoffnung deswegen, weil es in diesen Ländern Menschen gibt, die geprägt sind von einem großen Überlebenswillen und einer Kreativität, die sie in den Stand versetzt, selbst unter extremen Bedingungen ihren Alltag zu bewältigen. W.W.