Kinder bei einer Aufklärungsveranstaltung der Organisation Ganga Action Parivar © Ganga Action Parivar

Die deutsche Harvard-Studentin Anna Gesine Kneifel hat dem Camp einen Besuch abgestattet. Die 23-Jährige nimmt an einer Expedition teil, die das gigantische Fest auf unterschiedliche Facetten untersucht. Kneifel erforscht, wie verschiedene Organisationen das Event nutzen wollen, um auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Von der Atmosphäre der Kumbh Mela ist sie beeindruckt: Nachts schaut sie von ihrem Zeltplatz auf ein riesiges Lichtermeer. Die Organisation der Kumbh Mela überrascht sie. "In manchen indischen Städten, die wir besucht haben, fand ich es schmutziger", sagt die Studentin der Islamwissenschaften.

Wenn der Massenandrang kommt, könnte sich die Situation schnell ändern. Denn Kneifel bemerkt auch, dass das Thema Ökologie nur einen Bruchteil der Massen interessiert: "Bei den meisten Podiumsdiskussionen sind fast nur Experten und Westler dabei. Viele der Pilger haben an dem Thema einfach kein Interesse."

Das fehlende Bewusstsein ist nicht der einzige Grund für die Probleme. Es ist auch der Mangel an Infrastruktur: Zwar stehen auf dem Gelände rund 47.000 Toiletten bereit. Die beeindruckende Zahl erscheint im Verhältnis zur Besucherzahl jedoch geradezu lächerlich. Der Thinktank CSE rechnet damit, dass an manchen Tagen für 870 Menschen nur eine Toilette zur Verfügung steht – Urinale mitgezählt. Selbst wenn die Pilger ihre Notdurft in einem echten Klo verrichten, schützt das nicht automatisch Mensch und Umwelt: Ein Großteil der Ausscheidungen fließt unbehandelt in offene Bassins rund um das Fest und bedroht das Grundwasser. Mehr als ein Viertel des Abwassers landet ungefiltert in den beiden Flüssen.

Der zu dieser Jahreszeit niedrige Wasserstand des Ganges verschärft das Problem noch. Die Behörden versuchen verzweifelt gegenzusteuern: Kurz vor dem Beginn des Festes ließen sie die Schleusen der Dämme flussaufwärts öffnen, um den Anteil an Keimen und Schadstoffen im Wasser zu senken. Die schmutzigen Papierfabriken im Umland müssen während der Festtage ihre Produktion einstellen, damit deren Abwässer die Gesundheit der Pilger nicht gefährden.

Doch die Maßnahmen können nur das Schlimmste verhindern: Die lokalen Krankenhäuser melden bereits jetzt einen starken Anstieg an Durchfallerkrankungen. Die Probleme treten dabei in manchen Teilen des riesigen Areals besonders konzentriert auf. "Die Qualität der Zelte und der Versorgung hängt auch davon ab, wie viel Geld die Gläubigen und Touristen haben", sagt Somvanshi vom CSE. Während manche Pilger zu einem der 20.000 Wasserhähne auf dem Gelände drei Kilometer laufen, müssen andere nur schnell ihr Zelt verlassen. Studentin Kneifel ist mit ihrer Unterbringung absolut zufrieden. Direkt neben ihrem Viermann-Zelt befinden sich Dusche und WC.

Doch es ist unmöglich, allen Besuchen einen solchen Komfort zu ermöglichen. Schaut man sich die Entwicklung der Pilgerzahlen an, werden in Zukunft aber wohl noch mehr Menschen nach Allahabad strömen. Die Aktivistin Bagawita glaubt trotzdem, dass die Menschenmassen versorgt werden können. "Trotz aller Missstände, die es hier gibt. Das was hier passiert, ist ein Wunder und es funktioniert irgendwie", sagt sie. "Es gibt keine Grenze an Besuchern, an der das Festival nicht mehr machbar ist."

Andere Beobachter sind skeptischer. "Es wäre vernünftig, dieses Fest einfach abzusagen oder zu begrenzen", sagt der CSE-Mitarbeiter Somvanshi. "Allerdings sind die Menschen so besessen von der Idee, dass sie einfach trotzdem zum Ganges kommen würden."

Die Aktivisten vom grünen Camp wollen zumindest ein bisschen helfen, die Verhältnisse für kommende Feiern zu verbessern: Während des aktuellen Festivals installieren sie auf dem gesamten Areal stationäre Toiletten, die auch beim nächsten Mal wieder verwendet werden können. Dann werden sicherlich mehr als 100 Millionen Besucher an den Ganges strömen. Auf sie warten dann 108 neue Klos.