Kumbh MelaReinigendes Bad im Abwasser

90 Millionen Menschen reisen zur Kumbh Mela an den Ganges. Die Pilger wollen sich reinigen, doch der Dreck nimmt überhand. Nun soll das Fest ökologischer werden. von Frederic Spohr

Helfer fischen geopferte Blumen aus dem Ganges. Die Masse an Blumen belastet die Flüsse enorm. Die Opferungen sind eigentlich verboten, viele Pilger lassen sich jedoch nicht davon abhalten.

Helfer fischen geopferte Blumen aus dem Ganges. Die Masse an Blumen belastet die Flüsse enorm. Die Opferungen sind eigentlich verboten, viele Pilger lassen sich jedoch nicht davon abhalten.  |  © Ganga Action Parivar

Wenn Götter und Dämonen gewusst hätten, was sie mit ihrem Streit anrichten, hätten sie sich wohl wieder vertragen. Aber sie stritten nun einmal, so erzählt es die indische Mythologie. Sie zankten sich um einen Krug voll wertvollem Unsterblichkeitsnektar. Dann passierte es: Während sie kämpften, verschütteten sie vier Tropfen der kostbaren Flüssigkeit.

Das Resultat ist das größte Fest der Welt. An einer der Stellen, an denen die Nektartropfen auf die Erde fielen, feiern Hindus in diesen Wochen die Kumbh Mela, zu Deutsch: das Fest des Kruges. Alle zwölf Jahre versammeln sie sich in der nordindischen Stadt Allahabad zum größten und wichtigsten der Festivals. Millionen Menschen meditieren zusammen, weihen Novizen ein und steigen in den Zusammenfluss von Ganges und Yamuna, um ihre Seelen reinzuwaschen. Mit festlichen Prozessionen ziehen die Menschen zum Ufer, manche reiten auf buntgeschmückten Elefanten. Für die Inder ist die Kumbh Mela das wichtigste Wallfahrtsfest überhaupt, für Touristen ist sie das perfekte Postkartenmotiv.

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Doch die spirituelle Säuberung ist eine schmutzige Angelegenheit. Die Kumbh Mela entwickelt sich zu einer gigantischen Belastung für Mensch und Umwelt. Nach dem vergangenen Fest war die gesamte Trinkwasserversorgung der Gastgeberstadt Allahabad vergiftet, der heilige Ganges war eine noch trübere Kloake als vor dem Fest. "Ich befürchte, dass dieses Jahr die Kumbh Mela dreckiger wird als vor zwölf Jahren", sagt Avikal Somvanshi vom Centre for Science and Environment (CSE) in Neu Delhi. "Die Veranstalter sind damit beschäftigt, die Massen zu kontrollieren, aber sie können sie kaum anständig versorgen oder vertretbare Verhältnisse schaffen."

Es ist eine nahezu unlösbare Aufgabe, denn die Kumbh ist ein Fest der Superlative: Für nur wenige Wochen entsteht eine gigantische Megacity, die mehr Menschen beherbergen muss als Paris, New York und London zusammen. An manchen Tagen dürften sich rund 30 Millionen Menschen rund um das verhältnismäßig kleine Allahabad aufhalten. In den kommenden Wochen rechnen die Veranstalter mit rund 89 Millionen Besuchern – vermutlich werden es letztendlich noch mehr, schätzen Beobachter. Die Menschen wohnen in mehr als 700.000 Zelten. Wer keine Unterkunft ergattern kann, schläft einfach auf dem Boden.

Eine kleine Initiative will den Organisatoren unter die Arme greifen und das Unmögliche schaffen: Die Kumbh soll umweltfreundlich werden. Vor den rituellen Bädern und Meditationen ziehen die Aktivisten der Umweltorganisation Ganga Action Parivar in Gruppen durch das riesige Areal und sammeln Müll ein, veranstalten Podiumsdiskussionen und weisen die Organisatoren daraufhin, wo weitere Toiletten benötigt werden. Gemeinsam mit einem nordindischen Meditationszentrum haben sie zudem das erste grüne Camp auf dem Gelände eröffnet. Auch Touristen sind in die kleine Öko-Oase im Chaos eingeladen.

Gerade einmal 400 Menschen leben in dem kleinen Lager. Im Vergleich zur restlichen Kumbh Mela ist es eine Oase der Sauberkeit. Die Klos haben eine echte Wasserspülung, die Bewohner tun alles, damit ihre Basis ordentlich und umweltfreundlich bleibt. Plastikflaschen sind streng verboten. Stattdessen können sich die Campbewohner frisches Trinkwasser vor Ort zapfen.

Mit ihrem Vorzeigecamp wollen sie mit gutem Beispiel vorangehen: "Wir wissen, dass wir nur einen kleinen Teil leisten, aber wir wollen vor allem ein Bewusstsein für ökologische Probleme schaffen", sagt Saghi Bagawati vom Ganga Action Project. Eine schwierige Aufgabe: Viele der Besucher haben auch in ihren Dörfern keine Toiletten – warum dann also auf dem riesigen Fest eine aufsuchen?

Leserkommentare
  1. Was soll denn so ein Gaga-Satz? Warum kann man nicht schreiben: "Das Wasser muß dringend sauberer werden"?

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  2. "Achja, ganz allgemein: das Thermometer fällt nicht, höchstens die Temperatur selbst..."

    Das geht doch, dann ist das Thermometer halt anschliessend zerbrochen.

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  • Schlagworte Abwasser | Fest | Festival | Delhi | Ganges | London
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