Hotel-Apps im TestAuf den letzten Drücker einchecken

Nach Last-minute-Flügen sollen nun Last-minute-Hotelzimmer das Reisen günstiger machen. Zumindest versprechen das neue Apps wie BookitNow!, die wir getestet haben. von 

Berliner Hotels haben ein Problem: Es gibt deutlich mehr freie Betten in der Hauptstadt als Besucher. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Übernachtungen zwar auf fast 24 Millionen verdoppelt, doch auch die Zahl der Hotels wächst ständig. So liegt die durchschnittliche Auslastung der Hotels in der Hauptstadt bei nur 50 Prozent.

Den Druck auf die Hoteliers haben auch private Anbieter erhöht. Viele bieten über Plattformen wie airbnb, 9flats oder wimdu Zimmer an. Nicht nur in Berlin kämpft die Branche deshalb um jeden Gast.

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Profitieren sollen davon vor allem die Gäste. Zumindest versprechen das die Berliner Start-ups BookitNow!, JustBook sowie der spanische Anbieter Blink Booking. Hotels können über deren Apps ihre unbelegten Betten tagesaktuell zu besonders günstigen Konditionen im Internet anbieten – ähnlich wie Airlines dies mit Last-Minute-Tickets tun. Laut den Anbietern lässt sich so bis zur Hälfte des üblichen Zimmerpreises sparen.

Die Unternehmen stehen im harten Wettstreit miteinander. Jetzt bekommen sie weitere Konkurrenz aus den USA. Am 21.01.2012 weitete der globale Marktführer HotelTonight sein Angebot auf Deutschland aus. Mit der HotelTonight-App können nun Hotels in Berlin und München gebucht werden. Weitere Städte sollen folgen.

Wie Last-minute-Hotel-Apps funktionieren und für wen sich deren Angebote lohnen, hat ZEIT ONLINE getestet. Welche Zugriffsrechte die einzelnen Apps für sich beanspruchen, haben wir mit aSpotCat ausgelesen.


Blink Booking – eine App, viele Zugriffe

App: Die App ist einfach installiert und aufgebaut. Auf dem Startbildschirm werden automatisch drei Städte vorgeschlagen. Ist man in Berlin sind das Berlin, Leipzig und Dresden. Generell kann man aber aus 97 europäischen Städten auswählen, darunter 17 aus Deutschland. Wer eine der Städte anklickt, gelangt zu einer Übersicht mit vier Angeboten – eine recht begrenzte Auswahl. Laut Angaben von Blink Booking wird diese bewusst auf die vier attraktivsten Angebote beschränkt. So soll der Wettbewerb unter den Hotels angekurbelt werden. Im Test war das günstigste Berliner Angebot das Hotel Mercure am Kurfürstendamm für 58 Euro. Auf der Vergleichsseite eines großen Hotelzimmervermittlers kostete das Hotel zu diesem Zeitpunkt 60 Euro. In der höheren Preisklasse vergrößert sich der Abstand ein wenig: Im Kempinski Bristol Hotel kostete das Zimmer bei Blink Booking 119 Euro, auf der Vergleichsseite war es für 126,65 Euro zu buchen. Die Zimmer können bei Blink Booking ab 11 Uhr gebucht werden. Dafür wird eine Kreditkarte benötigt.

Plattform: Die App läuft unter Android und iOS.

Daten: Die Entwickler von Blink beteuern auf ihrer Homepage hohe ethische Standards im Umgang mit Daten. Die App greift unter Android aber so ziemlich auf alles zu, was ein Smartphone heutzutage kann: Blink Booking kann die Telefonfunktion nutzen, den Standort bestimmen, kostenpflichtige Dienste wie SMS verwenden sowie Kontakt- und Kalenderdaten auslesen. Das ist viel zu viel für eine kleine App und wird von anderen Hotel-Apps besser gemacht.

Bewertung: Wer auf die Schnelle ein Hotel buchen will, dem hilft Blink Booking weiter. Aus dem möglichen Angebot stellt die App leider nur eine kleine Auswahl zusammen. Die Ersparnisse beliefen sich im Test auf wenige Euro. Ob man Blink Booking die zahlreichen Rechte, die die App auf einem Smartphone beansprucht, einräumen will, muss jeder Nutzer für sich entscheiden.

BookitNow! – Berliner App mit zufriedenstellendem Angebot

App: BookitNow! ist selbsterklärend aufgebaut. Der Nutzer muss sich per E-Mail registrieren. Ist das erledigt, lassen sich auf den ersten Blick die Städte, insgesamt 17, aus einer Liste auswählen. Pro Stadt werden dann zehn Angebote, in Berlin Adlon bis zum Citylight Hotel, angezeigt. Im Vergleich zu Blink Booking hat der Nutzer somit eine größere Auswahl, auch bei der Preisklasse. Generell konnten wir ohne Zeitsperre buchen. Ein Zimmer im City Hotel Berlin kostete beispielsweise 48 Euro – so viel wie auf einer Hotelbuchungsseite. Im Park Inn Radisson kostete das Zimmer 75 Euro und war damit 14 Euro günstiger als im Netz, eine Ersparnis von etwa 16 Prozent. Bezahlt wird bei BookitNow! mit der Kreditkarte.

Plattform: Die App läuft unter Android und iOS.

Daten: Die Zugriffe der App halten sich in engen Grenzen. Die Telefonfunktion kann unnötigerweise dennoch angesteuert werden. Personenbezogene Daten werden mit SSL verschlüsselt.

Bewertung: BookitNow! bietet eine gute Auswahl an Hotels. Die Zahl der Städte ist noch begrenzt, 14 der 17 angebotenen Städte sind in Deutschland. Die Bedienung der App ist intuitiv, für ihre Nutzung werden erfreulicherweise nur wenige Rechte eingefordert.

JustBook – Berliner mit internationaler Auswahl

App: JustBook ist das zweite Unternehmen aus Berlin unter den Last-minute-Anbietern. Die App listet 57 europäische Städte, darunter auch 18 deutsche Ziele. Pro Stadt werden fünf Angebote angezeigt. Nach Angaben der Entwickler dient die Begrenzung dazu, die Nutzer schnell und effizient auf das beste Angebot hinzuweisen. JustBook bot im Test viele Berliner Hotels im unteren bis mittleren Preissegment an, darunter das Hotel Alsterhof für 63 Euro. Das Hotel war damit zehn Euro günstiger als auf der konsultierten Hotelsuchseite im Netz und lag rund 25 Euro unter dem vom Hotel ausgewiesenen Preis. Das galt allerdings nur für das teuerste Zimmer. Gibt man sich mit weniger zufrieden, kann man auf der Seite des Alsterhofs auch ein Zimmer für rund 69 Euro buchen und spart damit 6 Euro. Ab 10 Uhr können mit der App Zimmer gebucht werden, die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte.

Plattform: Die App läuft auf Android, Blackberry OS und iOS.

Daten: Wie andere Apps im Test kann auch JustBook ohne Zustimmung des Nutzers auf die Telefonfunktion zugreifen. Das wird wohl eher selten passieren, ist aber zumindest ein fragwürdiges Feature der App.

Bewertung: Der große Vorteil der App ist die große Auswahl an Städten. Dass auch günstigere Häuser mit Nachlässen vorgeschlagen werden, macht die App auch für Budget-Reisende interessant. Als einzige App im Test läuft JustBook auch auf einem Blackberry. Mehr Hotels pro Stadt wären wünschenswert, die erweiterten Zugriffsmöglichkeiten der App stören.

HotelTonight – Der Globalplayer 

App: Mit HotelTonight kommt für die europäischen Anbieter Konkurrenz aus Kalifornien. Weltweit bietet die App in 80 Städten ihren Dienst an. In Deutschland sind es vorerst nur Berlin und München, im Februar kommt Hamburg dazu. Nach der Anmeldung stehen dem Nutzer pro Stadt vier Angebote zu Verfügung – laut Anbieter nur die besten Treffer. Auf einer Karte sind der eigene Standpunkt und der der Hotels verzeichnet. Wer buchen will, muss bis 12 Uhr warten. Wie bei Blink Booking konnte das Berliner Kempinski Bristol im Test für 119 Euro gebucht werden, also mit einer Ersparnis von sieben Euro im Vergleich zum Hotelportal im Netz. HotelTonight bot als günstigste Variante das Pentahotel für 59 Euro und das Ramada für 69 Euro an. Das Ramada-Hotel lag damit zehn Euro unter dem Normalpreis, der auf der Seite des Hotels ausgewiesen wurde. Auch bei HotelTonight wird per Kreditkarte bezahlt.

Plattform: Die App läuft unter Android und iOS.

Daten: Ohne Zustimmung des Nutzers könnte HotelTonight unter anderem SMS versenden und auf den USB-Speicher zugreifen.

Bewertung: Das beschränkte Angebot in Deutschland ist noch ein Nachteil. International liegt HotelTonight dagegen vorn. Die Hotels waren im Test eher dem Premium-Bereich zuzuordnen. Die Zugriffsrechte der Hotel-Tonight-App reichen weiter als das angesichts des Angebots nötig wäre.

Alle Apps im Test boten schnell und zuverlässig Zimmer an. Das Angebot richtet sich eher an Kunden, die im mittel- bis hochpreisigen Segment buchen, also eher Geschäftsreisende als Studenten. Um die Zugriffsrechte, die viele der Apps einfordern, auszuschließen, kann man Programme wie App Guard nutzen. Alle Apps sind kostenlos.

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Leserkommentare
  1. ... sind diese "Last-Minute-Apps" nicht unbedingt das "Gelbe vom Ei". Neben den genannten Anbietern hat auch das in Deutschland wohl bekannteste Buchungsportal für Hotelzimmer - HRS - ebenfalls seit Ende 2012 eine "Last-Minute-App" namens "HRS Now".

    Einen guten Überblick über den Markt aus Sicht der Hotellerie bietet der Hotel Newsroom unter http://www.hotel-newsroom....

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