BER-Flughafen Gelassen sein oder sein lassen?
Es ist der deutsche Wutnickel, der sich über die BER-Verzögerungen echauffiert, schreibt David Hugendick. Markus Horeld findet: Wir sollten uns noch viel mehr aufregen.
© Patrick Pleul/dpa

Gepäckband im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg-Willy-Brandt (BER).
Pro Gelassenheit: Festtage des deutschen Wutnickels
So wie es 80 Millionen Bundestrainer gibt, existiert offenbar auch eine ähnliche Anzahl Bauleiter und Brandschutzmeister, die jetzt der Volkssport gewordenen Disziplin nachgehen: irgendjemandes Rücktritt fordern. Dieses Mal ist Klaus Wowereit dran, weil der Flughafen Berlin-Brandenburg noch immer nicht eröffnet ist. Nun muss man wissen: Im Land der Baumärkte und -sparer ist ein nicht pünktlich fertiggestelltes Gebäude eine der größtmöglichen Provokationen. In einigen der inzwischen zu Hunderten erschienenen Leitartikel zum Thema wird gönnerhaft herumgetrötet, dass sogar in China und sogar in der Ukraine ähnliche Großprojekte termingerecht und besenrein übergeben würden. Und wir?
Der deutsche Wutnickel vermisst die Wirtschaftswundereffizienz und sorgt sich ums Ansehen heimischer Wertarbeit im Ausland, das sonst natürlich stets staunend gratuliert. Was sollen die Leute denken! Ganz vorne in der Wutkolonne röhrt Rainer Brüderle: "Berlin hat es nicht verdient, immer mehr zur internationalen Lachnummer zu werden." Mal so von Lachnummer zu Lachnummer: Ermahnungen, endlich das sogenannte Flughafen-Chaos in den Griff zu bekommen, waren bisher von Leuten aus den USA, Frankreich, sogar aus China und sogarsogar aus der Ukraine nicht zu hören. Auch in deren Zeitungen kaum ein größeres Wort. Haben womöglich andere Sorgen. Und wenn diese Leute Berlin besuchen wollen, landen sie halt künftig in Hamburg, gucken etwas fragend auf das Elbphilharmoniegerippe und nehmen den Zug. Ach, der hat auch immer Verspätung? Ja, wirklich, grau-en-haft. (David Hugendick)
Contra Gelassenheit: Ein Flughafen ist nicht Hertha BSC
Millionen Hobby-Bauleiter? Große Aufregung? Wo denn? Nicht in Berlin. Gemessen an dem, was hier seit einigen Monaten vor sich geht (oder eben nicht) fällt die Empörung ganz schön heimlich aus. Keine zornigen Pamphlete, keine Wowi-raus-Rufe vorm Roten Rathaus. Ein bisschen Gegrummel, ja, aber nicht anders als sonst, wenn über die Hinterlassenschaften von Köter und Grill geschimpft wird. Das bisschen Flughafen-Chaos bringt doch die Berliner nicht auf. Sie haben ja gelernt, mit dem Provisorium zu leben. Als seinerzeit monatelang keine S-Bahn fuhr, waren die Berliner sogar ein bisschen stolz darauf: Schaut mal, wie stoisch wir dieses Durcheinander ertragen. Fahren wir eben Bus.
Schon klar: Das Unvollkommene macht Berlin sympathisch und lebenswert. Doch gibt es einen Unterschied zwischen all den un- und halbfertigen Wunderlichkeiten in dieser Stadt (Schlossplatz, Mauermuseum, Hertha) und diesem unseligen Flughafen-Projekt. Das eine sind Pläne, Ideen, etwas für später, wenn vielleicht doch mal Geld da ist. Was zum Träumen und sich Drüberlustigmachen. Das andere ist ein Versprechen, ein reales Vorhaben, finanziert mit öffentlichem Geld: ein Großflughafen für Berlin und Brandenburg, der Tausende Arbeitsplätze schafft und die Region endlich mit den Metropolen der Welt verbindet.
Trotzdem schauen die Berliner phlegmatisch zu, wie Milliarde um Milliarde in ein Großprojekt fließt, das einfach nicht fertig wird. Und das nach heutigem Wissen zu klein sein wird für die Hauptstadt-Region, wenn daraus doch irgendwann einmal ein Flughafen geworden ist. Das wäre ein bisschen Aufregung und Aufstand allemal wert. Das Zusammenleben in dieser Stadt erfordert ein Mindestmaß an Verlässlichkeit und Vertrauen. (Markus Horeld)
- Datum 08.01.2013 - 17:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 104
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Sie machen es sich sehr einfach. Ich gehe davon aus, dass Sie keine Erfahrungen mit Großprojekten haben. Projektmanagement heisst die Zauberformel. Damit lassen sich auch riesige Mehrjahresprojekte bestens stemmen - so man denn professionell vorgeht. Genau diese Professionalität scheint es hier nicht gegeben zu haben, oder wie sind die Äusserungen des neuen Bauleiters zu deuten, wenn dieser von "grausamen" Fehlern spricht.
Ich habe selbst bereits große, komplexe, langjährige Projekte gestemmt, in der freien Wirtschaft allerdings, dort wird man allerdings nach Fähigkeit ausgewählt und nicht nach dem richtigen politischen Amt oder den "richtigen Verbindungen". Möglicherweise ist das genau der Knackpunkt.
Wie ich bereits erwähnt hatte, diese Pleiten in den öffentlichen Projekten der letzten Jahre sind wirklich auffällig. Mir fällt nichts vergleichbares in der freien Wirtschaft dazu ein - Firmen die so vorgehen, verschwinden schnell vom Markt
Schön dass man mal richtig abledern kann, denn...
"Diese tolle Hauptstadt und ihr ignoranter Senat sind schlicht und ergreifend eine Schande für dieses Land!"
Ach Nö, die Hauptstadt ist schon OK. 22 Millionen Übernachtungen 2012 (ohne Pensionen und Übernachtungen bei Verwandten, Freunden oder auch demnächst verbotenen "umgewidmeten" Privatwohnungen.
Wenn Sie sich es antun wollen gehen Sie auf die Homepage des Abgeordnetenhauses.
Donnerwetter, wo kommen die denn alle her ?
Waren die alle Wehrdienstverweigerer, in den Jahren vor dem Mauerfall ?
Alles Dinge die von Ihren örtlichen Zwergenzeitungen verschwiegen werden.
Dinge die dicht hinterm Kirchturm stattfinden interessieren den braven Landmann mehr.
Auch schön, dass die ges. Entrauchungsanlage von Klitschen wie "Bosch" und "Siemens" erstellt wurde.
Wer kennt die schon, ausserhalb der jeweiligen Standorte.
Nun wieder zu Realität.
Dilettanten wo man hinblickt.
Bei den importierten "Baufachleuten", bei den verantwortlichen Politikern, die, bevor sie das Handtuch in den Ring werfen, dezent anfragen wie denn ihre Altersversorgung gestaltet wird.
In Brüssel werden ja schon Keller und Tiefgaragen geräumt um den gescheiterten Schlaumeiern einen Schreibtischplatz zu bieten.
In Zukunft also die Fliegenpatsche eine Nummer kleiner wählen.
Der Berliner pennt nicht auf dem Baum, der regelt die Sache nach Hausmacherart.
Sh. FDP, unter 2 %
Ist lange her, habe ich die drei Buchstaben in richtiger Reihenfolge genannt ?
auf dem niveau könnte BER noch punkte erwirschaften - wobei es schon noch darauf ankäme, in welchem alter die forschende jugend wäre ,-)))
Der Flughafen heißt doch Flughafen Berlin-Brandenburg. Es also schon einmal nicht Berlin alleine verantwortlich sondern auch Brandenbug und der Bund, die ja auch alle für den Flughafen zahlen und wenn ich recht informiert bin auch weitere Zahlungen zugesagt haben. Natürlich ist auch nicht die Politik alleine verantwortlich für Pannen und Wowereit sitzt auch nicht alleine im Vorstand und ein Alleinherrscher ist er auch als Bürgermeister nicht.
Der Flughafen heißt doch Flughafen Berlin-Brandenburg. Es ist also schon einmal nicht Berlin alleine verantwortlich sondern auch Brandenburg und der Bund, die ja auch alle für den Flughafen zahlen und wenn ich recht informiert bin auch weitere Zahlungen zugesagt haben. Natürlich ist auch nicht die Politik alleine verantwortlich für Pannen und Wowereit sitzt auch nicht alleine im Vorstand und ein Alleinherrscher ist er auch als Bürgermeister nicht.
Ich dachte die mögen gar keine Flughäfen.
Mit den GRÜNEN wäre vielleicht in 18 Monaten Baubeginn.
Wie zu hören ist, hat sich Wowereit einen Blaumann geliehen und will nächste Woche nach Schönefeld rausfahren. Zwei, drei Tage, dann ist alles in Ordnung, und die Fliegerei kann losgehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren