BildbandWilde Gäste in der Feriensiedlung

Kai Fagerström hat Bewohner finnischer Ferienhäuser fotografiert: Die menschlichen Besitzer gingen fort, Tiere zogen ein. Seine Fotos erscheinen in einem Bildband. von Kai Fagerström

Es war die Aura der Verlassenheit, die Kai Fagerström zu der Handvoll verlassener Hütten zog, die im ländlichen Suomusjärvi im Süden Finnlands in der Nähe des Sommerhäuschens seiner Familie stehen. Als der Amateurfotograf durch die zerbrochenen Fensterscheiben guckte, entdeckte er winzige Fährten: Mäuse, Dachse und andere wilde Tiere hatten sich in den Holzbauten eingerichtet, nachdem deren ursprüngliche Bewohner umgezogen oder gestorben waren.

"In diese Häuser zu gehen ist wie in eine andere Zeit einzutreten", sagt der 48-Jährige. "Mich tröstet die Vorstellung, dass die Natur die Orte wieder zurückerobert, die sie den Menschen geliehen hat."

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Es begann mit der Erkundung einer baufälligen Hütte, die leer stand, seit ihr früherer Bewohner bei einem Feuer starb: Mehr als ein Jahrzehnt lang dokumentierte Kai Fagerström seine wilden Nachbarn. Das Projekt gipfelte in dem Buch Die letzten Gäste.

Vier Jahre brauchte Fagerström, um eine Dachsfamilie abzulichten. In einer Sommernacht gelang es ihm: Er stellte seine Kamera auf ein Fensterbrett und wartete draußen auf einer Leiter – stundenlang. Den Auslöser drückte er mit einer Fernsteuerung.

Meist entwickelt Fagerström eine Szene im Kopf und plant daraufhin die Aufnahme. Er positioniert seine Kamera, streut ein paar Erdnüsse als Lockmittel aus und wartet, dass die Wildtiere in sein Bild wandern.

"Oft dauert das die ganze Nacht", sagt der Fotograf, der mit natürlichem Licht arbeitet. Mehrere Abende harrte er aus, bis ein Eichhörnchen hinter der Tür hervorguckte; weitere, bis sein Hund wie gewünscht eine Wühlmaus anstarrte.

Hin und wieder hilft auch der Zufall. Ein Sperlingskauz flog überraschend durch eine zerbrochene Fensterscheibe. "Er schaute mich an und stampfte mit dem Fuß auf, als wollte er sagen: Geh weg, das hier ist mein Platz!"
 

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Leserkommentare
  1. wenn es mal in Deutschland erhältlich sein wird, schaue ich es mir genauer an.
    Bisher habe ich es nur direkt in Finnland gefunden. Und für mich etwas zu teuer, aber mal sehen, was sich machen lässt.

  2. Tolle Idee für einen Bildband. Mehr davon bitte. Man möchte hin und wieder auch etwas Positives lesen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Das erste Bild hat so einen Touch von Caspar David Friedrich in niedlich. Sehr faszinierende Fotos, man möchte sehr gern mehr davon sehen.

    2 Leserempfehlungen
  4. Schön, die Fotos, auch die Fotostrecke in der National Geographic. Aber leider weder hier noch da irgendwelche bibliographischen Angaben zu dem Bildband. Können Sie die nachreichen?

    Antwort auf "Mehr Fotos"
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    Bitte beachten Sie, dass wir nicht auf kommerzielle Seiten verlinken wollen. Danke, die Redaktion/fk.

  5. Redaktion

    Lieber CarstenH,

    ich habe das Buch auf dieser Seite gefunden, bin mir aber nicht sicher, ob die Texte finnisch oder deutsch sind: http://www.maahenki.fi/tuote/741/die-letzten-gaste

    Wenn Ihnen englische genügen, dann können Sie es hier kaufen: http://www.nhmshop.co.uk/all-books/the-house-in-the-woods/product.html

    Grüße aus der Redaktion.

  6. ... freundlich und gleichzeitig nachdenklich. Das gefällt mir auch sehr.

  7. Bitte beachten Sie, dass wir nicht auf kommerzielle Seiten verlinken wollen. Danke, die Redaktion/fk.

    Antwort auf "Bibliographie?"

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  • Schlagworte Bildband | Buch | Familie | Natur | Tier
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