Charles DickensGroße Wartungen

Charles Dickens' Wohnhaus in London ist ein Museum. Doch wie schafft man in einem Einfamilienhaus Platz für Reisegruppen? J. Braun hat das Haus nach dem Umbau besucht. von 

Der Eingang des Museums ist im Nachbarhaus.

Der Eingang des Museums ist im Nachbarhaus.   |  © Jessica Braun

Das Skelett eines Hauses lässt sich nicht einfach dehnen. Schon gar nicht, wenn das Haus über 200 Jahre alt ist. 48 Doughty Street im Londoner Stadtteil Holborn ist ein Einfamilienhaus aus dem viktorianischen Zeitalter. Erbaut wurde es 1809, dann vermietet. An einem Wochenende im April 1837 zog eine junge Familie ein: ein Paar mit einem drei Monate alten Baby. Zwei weitere Kinder folgten, schon 1839 war das Haus für die Familie zu klein geworden. Doch diese zwei Jahre haben 48 Doughty Street zu einem literarischen Wallfahrtsort gemacht. Seit 1925 ist das Haus, für das der Schriftsteller Charles Dickens einst Miete gezahlt hat, ein Museum.

Dickens ist wahrscheinlich der bekannteste Autor der englischsprachigen Literatur nach William Shakespeare. Mehr als zwei Millionen Besucher haben seit der Museumseröffnung die Räume besichtigt, in denen er an Werken wie Oliver Twist und Nicholas Nickleby schrieb. Oft treten sie sich beim Rundgang von Zimmer zu Zimmer auf die Füße.

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Das historische Gebäude eignet sich eigentlich nicht für Gruppen, die mit Reisebussen vor die Tür gefahren werden; nicht für Schulkinder, die lieber mitmachen als zuhören; und ganz sicher nicht für Führungen mit Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung einen Treppenlift installiert haben. Für Florian Schweizer, den Direktor des Museums, ist es deswegen ein Glücksfall, dass das Nachbarhaus mit der Nummer 49 ebenfalls zum Besitz der Dickens Fellowship gehört, die das Museum seit dessen Eröffnung vor über 80 Jahren verwaltet. Und dass er sich beim Heritage Lottery Fund, der in Großbritannien die Fördermittel aus Lotterieeinnahmen vergibt, mit seinem Antrag auf mehrere Millionen teure Umbau- und Restaurierungsarbeiten durchsetzen konnte. "Es gab noch zahlreiche andere Bewerber", sagt Schweizer.

Dickens deutscher Verwalter

Ohne die Renovierung wären auf das Museum ernsthafte Probleme zugekommen: "Das Dach war beschädigt, die Wände nass. Es hingen alte Kabel herum." Das Haus war zum Sicherheitsrisiko geworden – für die Besucher und für die wertvollen Ausstellungsstücke. "Das macht keine Versicherung mit." Bereits 2011 hatte das Museum deswegen für sechs Wochen geschlossen, um kleinere Umbaumaßnahmen vorzunehmen. Einnahmen gingen verloren. Schweizer wusste: "Ich muss etwas unternehmen."

Der im Rheinland geborene Direktor des Charles Dickens Museums ist 36 Jahre alt. Er lernte das Museum während eines Praktikums kennen, kam später als Kurator wieder. Seit drei Jahren trägt er nun die Verantwortung für eine Bibliothek mit über 10.000 Büchern und Manuskripten; für Gemälde, Urkunden, Schmuck und Büroutensilien, die der Familie Dickens gehörten. Auch im Winter fährt Dickens deutscher Verwalter die sechs Kilometer gern mit dem Rad zum Museum. Das Komitee des Trusts muss geahnt haben: Der Mann hat den nötigen Elan, um das Gebäude in seinen Grundfesten zu kitten.

Über 3,6 Millionen Euro kostete der geplante Umbau, der zu 76 Prozent aus den Mitteln des Heritage Lottery Funds finanziert wurde. Das restliche Geld brachten Spender auf. 150 von ihnen begrüßte Schweizer im Februar anlässlich der offiziellen Wiedereröffnung im Museum. Grundsaniert, mit ausgebesserten Holzböden und von neuzeitlichen Errungenschaften wie Deckenstrahlern befreit, sieht das Haus jetzt so alt aus, wie schon lange nicht mehr.

Leserkommentare
  1. Ein netter Artikel, aber dem Baujahr und dem Baustiel nach ist das Geburtshaus von Dickens nicht victorianisch sondern georgianisch. Ein Stiel der noch heute das Strassenbild von London prägt. Als victorianisch wird die architektonisch Entwicklung entlang der Regentschaft der britischen Königin Victoria von 1837 bis 1901 benannt.

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    ... daß das Dickens-Wohn(!)haus in der Londoner Doughty Street dem georgianischen Stil(!) zuzurechnen sei. Aber: Es handelt sich hier NICHT um das in Portsmouth (393 Commercial Road) an der Südküste zu findende Geburtshaus des Dichters.

  2. ... daß das Dickens-Wohn(!)haus in der Londoner Doughty Street dem georgianischen Stil(!) zuzurechnen sei. Aber: Es handelt sich hier NICHT um das in Portsmouth (393 Commercial Road) an der Südküste zu findende Geburtshaus des Dichters.

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