Leben in der Dampfmaschine
© Jessica Braun

Der Esstisch im Erdgeschoß
Der barrierefreie Eingang wurde in die Nummer 49 verlegt. Vom Museumsshop führt ein Durchbruch in den Flur von Nummer 48, durch den Charles Dickens das Haus betrat, wenn er von seinen oft Stunden dauernden Wanderungen durch Londons Straßen zurückkam. Seine Aktentasche steht rechts an der Wand in einer Vitrine. Zur Linken liegt das Esszimmer. Der Tisch ist gedeckt. Im Handarbeitszimmer nebenan erinnert ein Porträt der jungen Catherine an die Frau, die Dickens einst umwarb und verehrte (mit zunehmendem Alter und wachsender Kinderzahl jedoch liebend gern losgeworden wäre). Eine Treppe, breit genug für zwei Kinder in Eile, führt in den ersten Stock. Schiebt man die Vorhänge im Salon beiseite, kann man hinunter auf die Straße schauen und den Nachbarn gegenüber auf den Tisch.
Die Häuser in der Doughty Street, braune Backsteinbauten mit weißen Fensterrahmen und vom Lack glänzenden Zäunen, stehen so dicht beieinander, als wollten sie sich gegenseitig wärmen. Neben dem Salon liegt das Arbeitszimmer. Dort hat sich ein Schreibtisch breit gemacht. Bücherregale drücken sich servil in den Ecken herum. Noch eine Treppe, die Hand am glattgeriebenen Geländer, und der Besucher steht vor dem Schlafzimmer der Eltern. Zwei Mädchen gebar Catherine, bevor die Familie 1839 nach 1 Devonshire Terrace umzog, eine elegante Adresse nördlich der Kensington Gardens. Sieben weitere Kinder sollten folgen.

Der junge Charles Dickens
Der 25-jährige Charles Dickens und seine 21-jährige Frau bezogen 48 Doughty Street ein Jahr nach ihrer Hochzeit. London ähnelte damals einer Dampfmaschine, rußgeschwärzt und stinkend, mit von Menschen verstopften Leitungen. Hatte die Stadt um 1800 geschätzt noch eine Million Einwohner, waren es 1890 bereits viermal so viele. 1836 kam die Eisenbahn in die Stadt, 1863 eröffnete die erste Teilstrecke der Untergrundbahn. Die Docks wurden ausgebaut, um Platz zu schaffen für internationale Handelsschiffe. Es war das Industriealter und Charles Dickens sein Protokollant.
Dickens dokumentierte die Veränderungen in der Stadt und die Auswirkungen, die diese auf die Bevölkerung hatten. Er hatte Humor und seine in Zeitschriften abgedruckten Straßenszenen kamen bei den Lesern gut an. Mehr noch als die Welt verbessern wollte Dickens die Massen erreichen. Er köderte sie, wie er sagte, mit Texten "wie durchwachsener Speck. Ein bisschen Fett, ein bisschen Fleisch." Der Fortsetzungsroman The Pickwick Papers, den er zwischen 1836 und 1837 in monatlich erscheinenden Heften veröffentlichte, erreichte bis zu 40.000 Leser. Die 80 Pfund Jahresmiete für das neue Haus, zahlbar im Voraus, stammten aus einem Vorschuss für einen geplanten Roman. Es war viel Geld, doch der junge Vater konnte es sich leisten.
"Die Doughty Street war eine gute Adresse, doch aus heutiger Sicht kein lebenswerter Ort", sagt Schweizer, "die Straße hatte an beiden Enden ein bewachtes Tor, doch Lärm und Gestank ließen sich nicht aussperren." Der Museumsdirektor sitzt mit dem Architekten Dante Vanoli im Museumscafé. Vor Vanoli liegt eine Serviette, auf die dieser binnen drei Minuten (und vermutlich maßstabsgetreu) sämtliche am Haus vorgenommene Umbauten gezeichnet hat. Seit der 65-Jährige mit den kohleschwarzen Augenbrauen 1988 half, die von einem Brand beschädigten Königsgemächer des Hampton Court Palace wieder in Stand zu setzen, werden Vanoli Millionen-Budgets anvertraut, wenn es darum geht, historische Bausubstanz zu erhalten oder zu retten.






Redaktion?
Ein netter Artikel, aber dem Baujahr und dem Baustiel nach ist das Geburtshaus von Dickens nicht victorianisch sondern georgianisch. Ein Stiel der noch heute das Strassenbild von London prägt. Als victorianisch wird die architektonisch Entwicklung entlang der Regentschaft der britischen Königin Victoria von 1837 bis 1901 benannt.
... daß das Dickens-Wohn(!)haus in der Londoner Doughty Street dem georgianischen Stil(!) zuzurechnen sei. Aber: Es handelt sich hier NICHT um das in Portsmouth (393 Commercial Road) an der Südküste zu findende Geburtshaus des Dichters.
... daß das Dickens-Wohn(!)haus in der Londoner Doughty Street dem georgianischen Stil(!) zuzurechnen sei. Aber: Es handelt sich hier NICHT um das in Portsmouth (393 Commercial Road) an der Südküste zu findende Geburtshaus des Dichters.
... daß das Dickens-Wohn(!)haus in der Londoner Doughty Street dem georgianischen Stil(!) zuzurechnen sei. Aber: Es handelt sich hier NICHT um das in Portsmouth (393 Commercial Road) an der Südküste zu findende Geburtshaus des Dichters.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren