TourismusIndien ist ein anstrengendes, aber kein gefährliches Reiseland

Können Frauen nach den Vergewaltigungsfällen noch nach Indien reisen? Ja, sagen Kennerinnen des Landes. Wenn sie ein paar Regeln beachten. von Bettina Homann

Indische Frauen am Strand in Mumbai

Indische Frauen am Strand in Mumbai  |  © PUNIT PARANJPE/AFP/Getty Images

"Madam, please foto! Please Madam, just one foto!" Jede westlich aussehende Frau, die schon einmal durch Indien gereist ist, kennt diese offensive Bitte. Meist sind es mit Smartphones bewaffnete Gruppen junger Männer, für die ein Bild mit einer hellhaarigen Fremden eine Trophäe bedeutet.

Was zunächst schmeichelhaft scheint, kann schnell lästig werden. Wenn die Jungs immer näher rücken und ihre Hände auf einmal überall haben. Weil sie sich bei Touristinnen trauen, was sie bei ihren Freundinnen niemals tun würden. Das passiert. Aber es passiert eben auch, dass die jungen Männer einfach nur freundlich sind und eifrig die wenigen Fakten aufzählen, die sie über Deutschland wissen.

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Das richtige Maß an Nähe und Distanz zu finden ist schwierig in einem Land, in dem völlig andere soziale Spielregeln gelten als wir sie kennen. Angesichts der Fälle sexueller Gewalt ist die Frage berechtigt, ob man als Frau überhaupt noch nach Indien fahren kann.

Offizielle Antworten auf die Frage, wie reisende Frauen sich verhalten sollen, bekommt man nicht. Der indische Tourismusverband, der mit dem Slogan "Incredible India" wirbt, verweist an die indische Botschaft in Berlin. Dort wird man gebeten, die Frage schriftlich einzureichen, damit sie an die entsprechende Stelle in Delhi weitergeleitet werden kann.

Offenbar ist die Angst vor nachhaltigem Imageschaden groß. England und die Schweiz haben Reisewarnungen ausgesprochen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes dagegen heißt es: "Das allgemeine kriminelle Risiko für Ausländer in den touristisch stärker erschlossenen Gegenden Indiens ist eher gering. Reisende, vor allem Frauen, sollten sich – insbesondere vor dem Hintergrund zuletzt vermehrt berichteter sexueller Übergriffe – stets von Vorsicht leiten lassen."

Grenzüberschreitungen bitte nicht übertreiben

Sich von Vorsicht leiten zu lassen ist ein guter Rat für jede Reise. Leider wird er gerade in Indien oft nicht beherzigt. Kommen doch viele mit dem dringenden Wunsch, gewohnte Grenzen zu überschreiten, neuen Sinn zu finden, außergewöhnliche spirituelle Erfahrungen zu machen. Und werfen dann mit den Beschränkungen des Ego den gesunden Menschenverstand gleich mit über Bord. In Varanasi euphorisch in die Fluten des Ganges zu tauchen bringt wohl eher Durchfall als Erleuchtung und mit dem nackten Sadhu am Straßenrand seinen halluzinogenen Trunk zu teilen, ist auch nicht die beste Idee.

Wer sich aber einigermaßen vernünftig verhält und ein paar Regeln beachtet, kann auch in Indien recht sicher reisen. Cornelia Knietzsch, die mit ihrer Firma Expenova Reisen seit vielen Jahren Touren durch asiatische Länder organisiert, sagt: "Indien ist ein anstrengendes Land, aber ich habe es bisher nicht als besonders gefährlich erlebt. Bestimmte Dinge sollte man allerdings, besonders als Frau, natürlich beachten."

Leserkommentare
  1. Also was ich da lese, worauf man als Frau achten sollte und worauf nicht... da stellt sich die Frage, ob man im "Urlaub" der ja zur Erholung dient, tatsächlich solche Gedankenverrenkungen unternehmen muss, nur damit man nicht sexuell belästigt wird.

    Als Frau werde ich dieses Land wohl nie besuchen - außer es ändert sich dramatisch die nächsten Jahrzehnte etwas - neben allen muslimischen Ländern, wo man als Frau genauso wenig als Mensch gesehen wird, wie in Indien, scheint mir das am sinnvollsten, wenn ich mich erholen möchte. Es ist schon ein wenig merkwürdig, wenn ich meine Menschenwürde ablegen muss in einem anderen Land, nur weil die Kultur das so sieht. Da ziehe ich aufgeklärte Länder vor.

    Wiki: Gefahr Def.: "Eine Gefahr [...] ist eine Situation oder ein Sachverhalt, der zu einer negativen Auswirkung führen kann. Diese negative Auswirkung einer Gefährdung kann Personen [...] treffen." So einfach ist die Definition, und so klar die "Regeln" auch sind, wenn Hotelgäste aus Zimmern springen, da hat die Britin sich an alles gehalten was in diesem "Ratgeber" steht und war dennoch gefährdet. Ein Witz für jede vergewaltigte Inderin ist dies sowieso, da diese all diese Regeln und noch mehr beachten.

    Ein sehr schwacher Artikel. Reisewarnungen (AA) gibt es nur bei Gefährdungen. Und es liegen welche vor.

    "Incredible India" - "Unfassbares Indien" passt als Werbeslogan doch auf den zweiten Blick perfekt.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

    Und die Menschenwürde darf man als Touristin auch behalten.

    Es ist wirklich bedauerlich, daß ganz Indien in Verruf geraten ist durch die barbarischen Taten gewissenloser Verbrecher.

    Denn: Westliche Frauen, die teils monatelang alleine und weitestgehend unbehelligt mit dem Rucksack in Indien reisen sind Legion.
    Natürlich gibt es auch Anmache, wie überall auf der Welt. Auf sexistische Übergriffe hat Indien aber sicher kein Monopol.

    Andererseits kann man als reisende Frau schnell Kontakt knüpfen und wird dann geradezu behütet und in der Familie weitergereicht. Ich bin auf diese Weise auf zwei Hochzeiten eingeladen worden.
    Ich erinnere viele positive Erlebnisse. Indien ist ein lohnendes Reiseland.

    • Jouba
    • 21. März 2013 15:09 Uhr

    Wieso Sie Ihre Menschenwürde ablegen, wenn Sie sich in puncto Kleidung an die Verhältnisse im Gastland anpassen, ist mir schleierhaft. Ich war schon sehr oft in Tunesien und in Ägypten - auch schon für längere Zeit. Bei diesen Gelegenheiten habe ich mich auch ganz alleine im Land bewegt, z. B. in Sammeltaxen, Bussen und Bahnen. Ich bin niemals belästigt worden. Andererseits habe ich in beiden Ländern beobachtet, wie Touristen unbedingt ihre "Menschenwürde" ausüben mussten z. B. in der Form, dass sie sich vollgesoffen und nackt an die Strände gelegt haben. Bei solchem Verhalten - pardon: der Ausübung der Menschenwürde - ist es nicht verwunderlich, dass die Gastgeber den Respekt vor ihren "Gästen" verlieren. Da es auch bei den Gastgebern genau wie bei uns gut und schlecht erzogene Leute gibt, kommt es dann zu unangenehmen Szenen.

    Die meisten Leute, die ich kenne und die Indien bereist haben, sind dort nicht wegen Erholung hingegangen, sondern weil sie eine andere Kultur kennenlernen wollten. Diese Leute, unter denen auch mehrere Frauen sind, hatten nichts zu berichten, was Ihre Vorurteile stützen würde. Vielleicht sollten Sie mal in "muslimische Länder" oder nach "Indien" reisen, dann würde es eventuell nicht mehr vorkommen, dass sie Milliarden Menschen über einen Kamm scheren und der ekrasanten Mehrheit unter ihnen mittels Ihrer Vorurteile bitteres Unrecht tun.

    So sehe ich das auch, als Touristin muss ich mich nicht in ein Land begeben, in dem ich als zweite Klasse Mensch behandelt werde und selbst maennliche Kinder einen hoeheren Stand als ich einnehme. Der weibliche Tourismus sollte wirklich finanziell diese Laender so lange meiden, bis sich die Dinge dort aendern.
    Und obwohl man vielleicht mal von "einheimischen" Frauen geschuetzt wird, wird das auch nicht viel helfen, wenn die Maenner dann besorgt sind, das die westlichen Frauen ihre Frauen beeinflussen.
    Der Unterschied ist zu gross, das kan nicht von einer weiblichen Person verlangt werden, sich demuetigen zu lassen, weil man ein weibliches Wesen ist.

    im Hinblick auf Ihr Vorhaben, Indien als Urlaubsland zu meiden. Wer von der Welt erwartet, dass sie "gefälligst" so zu struktuiert sein habe, wie man das von zuhause gewohnt ist, bleibt am Besten auch genau dort.
    Abgesehen davon, handelt der lesenswerte Artikel vom Reiseland Indien. Und reisen und Urlaub machen sind dann doch nicht ganz die gleichen Unternehmungen.

  2. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, in dem Artikel würden Verhaltensregeln für den Aufenthalt in einem Wildtierpark erläutert....

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    und zwar bei dieser Aussage: "Auch von intensivem Blickkontakt mit einem Mann rät sie ab: "Das wird leicht als Aufforderung missverstanden."" [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die nur der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jp

  3. Schon der gute alte Alexandros Argeadai, auch der Große genannt, erlebte in Indien sein blaues Wunder: Hier gab es nichts zu holen und bereits damals tickten die Uhren anders.
    Trotzdem und gerade deshalb ein faszinierendes Land.

    So beklagenswert die Vorkommnisse der letzten Zeit sind, es steckt auch viel Medienhype dahinter. Endlich hat man einen Aufreger gefunden, eine potentielle Auflagengarantie.

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  4. und zwar bei dieser Aussage: "Auch von intensivem Blickkontakt mit einem Mann rät sie ab: "Das wird leicht als Aufforderung missverstanden."" [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die nur der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jp

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    Antwort auf "Außer Kontrolle!"
  5. Wenn wir in die Schweiz fahren, brauchen wir keine Regel einzuhalten, man "touristiert" dort einfach ganz normal.

    3 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/jp

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  • Schlagworte Indien | Tourismus | Auswärtiges Amt | Bikini | Flughafen | Smartphone
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