WarnstreiksLufthansa bleibt deutschlandweit am Boden

Hunderte Flüge sind gestrichen, die Check-In-Schalter verwaist – das Bodenpersonal hat Deutschlands größte Airline lahmgelegt. Nur Interkontinentalflieger sollen abheben.

Auf fast allen großen Flughäfen sind Beschäftigte der Lufthansa in den Warnstreik getreten. Davon betroffen sind nach Angaben der Airline Fluggäste in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf. Die Airline hatte mehr als 670 Flüge gestrichen – nahezu alle mit Zielen in Deutschland und Europa.

Die Lufthansa bemühe sich, zumindest alle Passagiere von Interkontinentalflügen abzufertigen, sagte ein Unternehmenssprecher. Gestreikt wird noch bis Mittag.  

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Da der Streik angekündigt war, hätten sich bisher keine größeren Schlangen gebildet, sagte ein Gewerkschaftssprecher. 

Fluggastrechte

Die Rechte von Fluggästen bei Verspätungen, Annullierungen und Überbuchungen sind im sogenannten Montrealer Übereinkommen und in der EU-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 festgelegt. Beide Texte finden Sie zum Beispiel auf der Website der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Söp) zum Download.

Betreuung

Bei Wartezeiten am Flughafen wegen verspäteter Flüge haben Reisende ein Anrecht auf Betreuung durch die zuständige Airline.

Ist ein Flug zwischen mindestens zwei (Kurzstrecke) und vier Stunden (Langstrecke) verspätet müssen den Fluggästen laut EU-Verordnung "Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit angeboten werden." Außerdem dürfen die Reisenden unentgeltlich zwei Telefongespräche führen oder zwei Faxe oder E-Mails versenden.

Wer wegen eines ausgefallenen Fluges auf eine Übernachtung angewiesen ist, bekommt diese von der Airline gestellt. Die Hotelübernachtung darf jedoch nicht auf eigene Faust gebucht werden. Reisende sollten sich dafür unbedingt mit einem Mitarbeiter der Airline am Flughafen in Verbindung setzen.

Ausgleichszahlungen

"Wenn nicht-unternehmensangehörige Personen, beispielsweise Fluglotsen, ihre Arbeit niederlegen oder es sich um einen Generalstreik handelt, liegt höhere Gewalt vor", heißt es auf der Website der Verbraucherzentrale NRW. Schadensersatz wird dann nur in Ausnahmefällen gezahlt.

"Im Fall eines Fluglotsenstreiks berufen sich die Airlines auf höhere Gewalt. Die meisten Juristen sehen das ähnlich. Es ist deswegen unwahrscheinlich, dass einem Passagier wegen eines ausgefallenen Fluges Schadensersatz zugesprochen wird", sagt auch Heinz Klewe von der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Ausnahmen gibt es, diese sind jedoch selten.

Es macht also nach Meinung der Experten nur in wenigen Fällen Sinn, auf Schadensersatz zu klagen. Die Verbraucherzentrale schreibt dennoch: "Genervte Urlauber, die wegen des Arbeitskampfes lieber wieder nach Hause möchten, können den Reisevertrag wegen höherer Gewalt kündigen, wenn die Reise durch den Streik erheblich beeinträchtigt wird." Dies sei bei pauschalen Kurzreisen und langen Streiks eher der Fall.

Die etwa 33.000 Mitarbeiter aus dem Bereichen Service und Technik wollen im Tarifstreit zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft ver.di mehr Geld erkämpfen. Ver.di fordert 5,2 Prozent mehr Lohn und Kündigungsschutz, die Lufthansa beharrt auf einer Nullrunde. Ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete den Warnstreik als "völlig überflüssig und unverhältnismäßig".

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Leserkommentare
  1. .... ob die Masse der Streiks, die aktuell stattfinden, angemessen ist.

    Die Gewerkschaften legen das halbe Land lahm, und das obwohl doch noch gar nicht richtig verhandelt wurde / wird. Wieviele Tarifrunden gab es eigentlich schon?

    Die Leute sollen schon eine Lohnerhöhung bekommen, keine Frage. Aber meiner Meinung nach steht hier das Problem in keinerlei Verhältnis zu dem Chaos, was angerichtet wird.

    Und die Leidtragenden sind diejenigen, die auf die Flieger angewiesen sind, z. B. Geschäftsleute. Die Kunden interessiert es nicht, ob gestreikt wird. Da kann jemand seinen Termin nicht wahrnehmen - dann kriegt halt ein Anderer den Auftrag. Und beim passenden Vorgesetzten werden diese "Ausreden" auch entsprechend gewertet.

    Vielen Dank ver.di & Co.

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  2. Mein Eindruck ist auch, dass in letzter Zeit fast schon wöchentlich am Frankfurter Flughafen gestreikt wird.
    Entweder die nagen alle am Hungertuch dort (was ich mir aber nicht wirklich vorstellen kann) oder aber die Damen und Herren haben entdeckt wie viel Macht sie haben wenn sie den Betrieb lahm legen und bekommen den Hals nicht voll...

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    • dk9011
    • 21. März 2013 8:03 Uhr

    Gerade die Mitarbeiter der Lufthansa bekommen doch im Vergleich zu den Kollegen aus Ihrer Branche noch recht hohe Löhne. Ich gehe mal davon aus, dass das Bodenpersonal von Ryanair, Easyjet, etc. weniger bekommen. Dementsprechend hoch sind dann auch deren Gewinne, wohingegen die Lufthansa schon seit Jahren operativ Verluste einfliegt.

    Das soll jetzt kein Plädoyer für Profitmaximierung durch möglichst niedrige Löhne sein. Allerdings hat man bei Scandinavian Airlines, die zur Jahreswende kurz vor der Insolvenz standen, gesehen was passieren kann. Da mussten die Mitarbeiter am Ende auf Gehalt verzichten und länger arbeiten, damit die überhaupt weiterfliegen konnten.

    Die Lufthansa ist nun einmal im harten Wettbewerb mit Billig-Airlines und Golf-Airlines. Die Flugpreise kann sie nicht weiter erhöhen, also muss sie an den Kosten schrauben, um in den nächsten Jahren wieder profitabel zu werden.

  3. Bis sie ganz am Boden liegt oder sich umorientiert hat .Air Berlin z.B
    Aber eher gehen die Bürger pleite als ein halbstaatliches Unternehmen
    das wird nur wieder einmal Flugverteuerungen nach sich ziehen die Reisen noch teuerer machen.
    Wir sind nicht nur Reiseweltmeister sondern auch Teuerst-Weltmeister für Reisen

    • dk9011
    • 21. März 2013 8:03 Uhr

    Gerade die Mitarbeiter der Lufthansa bekommen doch im Vergleich zu den Kollegen aus Ihrer Branche noch recht hohe Löhne. Ich gehe mal davon aus, dass das Bodenpersonal von Ryanair, Easyjet, etc. weniger bekommen. Dementsprechend hoch sind dann auch deren Gewinne, wohingegen die Lufthansa schon seit Jahren operativ Verluste einfliegt.

    Das soll jetzt kein Plädoyer für Profitmaximierung durch möglichst niedrige Löhne sein. Allerdings hat man bei Scandinavian Airlines, die zur Jahreswende kurz vor der Insolvenz standen, gesehen was passieren kann. Da mussten die Mitarbeiter am Ende auf Gehalt verzichten und länger arbeiten, damit die überhaupt weiterfliegen konnten.

    Die Lufthansa ist nun einmal im harten Wettbewerb mit Billig-Airlines und Golf-Airlines. Die Flugpreise kann sie nicht weiter erhöhen, also muss sie an den Kosten schrauben, um in den nächsten Jahren wieder profitabel zu werden.

    Antwort auf "Zu viel!"
  4. Da wollen sich Gewerkschafter profilieren und der Gesellschaft zeigen wie es richtig geht. Gehaltverhandlungen mit der Knarre in der Hand. Irgendwas wird Deutschland schon in die Knie zwingen und eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche, da wird kräftig weiter gestreikt, notfalls solange bis Lufthansa pleite ist.

    3 Leserempfehlungen
    • peb
    • 21. März 2013 8:19 Uhr

    ...sind die Arbeitsbedingungen katastrophal, die Krankheitsraten liegen weit über dem deutschen Durchschnitt. Zudem sind die Gehälter lächerlich. Nun sollen grosse Bereiche im Bodenbereich ins Outsourcing gehen (wie bereits das Ticketing). Das heisst, dafür wird der Kündigungsschutz aufgeweicht und die Mitarbeiter sind dann keine Lufthanseaten mehr. Zudem bekommen die Mitarbeiter den ungefilterten Ärger der Passagiere ab.

    Und da wundert Ihr Euch, dass die streiken? Bislang streikte dort in erster Linie das fliegende Personal, nicht das Bodenpersonal.

    5 Leserempfehlungen
  5. ... aber wann komme ich als Fluggast in die Nähe vom Bodenpersonal?

    1. Ich kaufe den Flugschein online (selten direkt bei lufthansa.de)
    2. Ich drucke den Schein auch noch selbst (auf meinem Drucker auf meinem Papier und mit meiner (nicht letzten ;) ) Tinte)
    3. Den Abfertigungsschalter habe ich sein Jahren nicht mehr gesehen da ich mit selbst "einchecke". (auf meinem PC mit meiner Internetleitung und meinem Strom)
    4. Am Flughafen werde ich durch den Sicherheitsdienst (nicht Lufthansa) gefilzt (ja, die Schuhe muss ich auch selbst ausziehen ; )
    5. Beim boarding scanne ich mein Ticket selbst ein um die Schleuse zu passieren. (ich höre eine nette Stimme: "guten Flug" von der Seite)
    6. Handgepäck verstauen, hinsetzen und vom Boden abheben ; )

    Bitte um Aufklärung :D

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    • gevau
    • 21. März 2013 10:03 Uhr

    die Lufthansa ist ja eine Airline, und da gibt es natürlich nur Piloten und Stewardessen. Die LH braucht natürlich keine Flugzeugwartung, kein Catering, keine Flugwegeplanung, keinen Vertrieb, kein Marketing, keine Personalabteilung, kein Controlling, keine Infrastruktur, kein Gebäudemanagement, keine IT, keinen Einkauf etc.
    Nur vom Boden abheben und fertig. Wie naiv ist das denn???

    Ich denke, das ist schon arg naiv. Man könnte genauso fragen, wozu man die Beschäftigten von VW braucht, um seinen Golf zu fahren. Ohne die gibt es den Golf nicht.

    Und ohne das Bodenpersonal gibt es das Flugzeug nicht, niemand hat es gewartet, niemand gesäubert, niemand betankt. Es gibt nichts zu Essen oder zu trinken an Bord. Und selbst das selbst eingescannte Ticket (da sind übrigens dann schon Arbeitsplätze den Bach runtergegangen) wird irgendwo weiter bearbeitet. Und die Software für all diese Kinkerlitzchen gäbe es nebenbei bemerkt auch nicht.

    Und den 5,2% von Verdi stehen Lohneinbußen gegenüber, die LH durchdrücken will (nachdem man sich die eigenen Bezüge nicht gerade so sparsam bemessen hat). Nullrunden, kein 13tes Monatsgehalt mehr, nur noch auf Good Will der Firma. Auszubildene werden nicht übernommen. Etc.

    Reicht das als Begründung?

    ... Ihrer Buchung und dem Check-in passieren aber noch eine Menge Dinge, die von Menschen organisiert werden müssen. An allererster Stelle steht die Wartung, dann kommt das Catering.

    Klar, wenn Sie nur mit Handgepäck reisen, sind Sie der pflegeleichteste Passagier, den sich eine Airline nur wünschen kann, aber es gibt genug andere Passagiere, die tausend Extrawünsche mitbuchen - und die müssen noch ganz klassisch von Hand gecheckt werden.

    zu Antwort 1.
    IT Personal? Flugwegeplanung? Controling? Sind das etwa die Leute die Streiken? Ich bezweifle das sehr.

    zu 2.
    Sie glauben doch nicht wirklich, dass Lufthansa! Angestellte die Broetchen fuer die Passagiere schmieren.
    Und nebenbei fuer die Software (z.B. Buchung) ist mein guter Bekannter von IBM verantwortlich.

    zu 3.
    Danke fuer den konstruktiven Beitrag : )

  6. Streik, Streik und nochmals Streik, egal ob im Bahn- oder Luftverkehr. . Langsam aber sicher nimmt Deutschland die Mentalität und Gewohnheiten von bella Italia an und wo das hinführt, ist allen bekannt. Da kann man nur sagen: Armes Deutschland!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, tst
  • Schlagworte Lufthansa | Ver.di | Airline | Flughafen | Kündigungsschutz | Service
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