Vinus Varren ist wohl einer der effizientesten Reiseleiter auf der malaysischen Touristeninsel Langkawi: Der große Mann mit einem Headset im rechten Ohr und einem Klemmbrett in der Hand springt ins Auto: "Wenn man mit dem Auto eine Runde um die Insel herum fährt, ohne irgendwo anzuhalten, dann braucht man etwa anderthalb Stunden." Das Auto düst los. Ob Varren die Runde in einer Stunde schaffen will? "Nein. Auf dem Programm stehen ja einige Stopps."

Die ersten zwei Sehenswürdigkeiten werden jedenfalls abgehakt, ohne anzuhalten: frei herumlaufende Affen und der einzige schwarze Strand der Insel. Links am Straßenrand hockt ein Affe: Gemächlich dreht er den Kopf hin und her. Er schaut nach links, nach rechts, immer abwechselnd den vorbeikommenden Autos hinterher. "Das sind Makaken, die sind hier überall", erklärt Varren. Dann deutet er nach rechts aus dem Fenster: "Und da ist der Strand mit schwarzem Sand!" Tatsächlich ist der Sand dunkel – dabei hat Langkawi keine Vulkane. Varren klärt auf: "Da wird Asphalt unter den Sand gemischt."

Das Auto rauscht vorbei an Palmen, kleinen Marktständen mit Obst und Fisch. Varren erzählt, dass er früher in Malaysias Hauptstadt für eine französische Supermarkt-Kette gearbeitet hat und eher zufällig nach Langkawi kam. Und er erzählt, wie diese kleine Insel zu Malaysias Touristeninsel geworden ist.

Einst radelte der Kinderarzt Mahathir bin Mohamad auf Langkawi während seiner Visite von Dorf zu Dorf. 1981 wurde er Premierminister Malaysias. Und weil er Langkawi so schön fand, sorgte er dafür, dass Investoren nach Langkawi kamen und bald darauf mehr Touristen. 1979 soll es ein einziges Hotel auf Langkawi gegeben haben – mittlerweile stehen auf der Insel mehr als 30 Hotels. Der Tourismus ist längst die wichtigste Einkommensquelle. Das würden sie Mahathir verdanken, sagen Einheimische. Auch wenn der Premier im Ausland mitunter umstritten war, weil er rassistische Sprüche klopfte.

Radfahrer sind gerade keine unterwegs. Nur Touristen auf Rollern und Quads. Und bunte Gondeln, die über sattgrünen Baumkronen schweben: die Seilbahn. In einer halben Stunde hat man die gesamte Nordküste von Ost nach West abgefahren. Dann führt das Cable Car hinauf auf den zweithöchsten Berg Langkawis, auf den Mount Mat Cincang. Die Gondel zuckelt rund 2.000 Meter weit und 650 Meter hoch. Das letzte Stück geht es steil an einer Felswand entlang. Ratternd kommt man an der Gipfelstation an.

Ein Blick in die Ferne: viele Palmen, ein paar Hügel, eine Bucht mit Yachten. Und ein Blick in die Nähe: Ein Schwede mit nacktem Oberkörper läuft über den Steg zwischen den beiden Aussichtsplattformen. Ein paar Meter weiter steht eine Frau im schwarzen Ganzkörperschleier. Eine junge Malai erklärt: Langkawi sei nicht nur für Touristen aus dem Ausland ein Urlaubsziel, sondern auch für ihre Landsleute. In Malaysia ist der Islam Staatsreligion, gut 60 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch. Die 24-Jährige sagt: "Ich selbst war schon zweimal hier, einmal mit meinen Geschwistern und einmal mit Freunden. Jetzt zeige ich meinen Eltern Langkawi." Sie müsse gleich weiter, sagt sie noch, ihre Eltern wollen zurück ins Tal. Da wartet sicher auch schon der Reiseleiter. Man bildet sich ein, wie er an der Talstation steht und immer wieder auf seine Armbanduhr sieht. Obwohl man von hier oben natürlich keinen einzigen Menschen da unten erkennen kann.

Im Auto schaut Varren auf sein Klemmbrett. Nächstes Ziel: das Wahrzeichen Langkawis. Das Auto fährt weiter entlang der Küste in Richtung Süden. Einmal scharf abgebogen, dann geht es gen Osten, ins Innere der Insel. Der Südzipfel mit Hotel-Viertel, Restaurant-Meile und Bootshafen stehe erst später auf dem Programm, sagt Varren. Doch dann taucht am Straßenrand ein Geschäft mit bunt gefüllten Regalen auf: ein Seegurken-Shop. Ob sein Zeitplan einen Zwischenstopp zulässt? "Sicher", sagt er.