Reisen mit KindKindergeburtstag zwischen Grabsteinen

Gerold Eppler führt regelmäßig Kinder durch das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, einem Museum für Begräbniskultur. Wie reagiert der Nachwuchs auf das Thema? von Geraldine Friedrich

Kinder im Museum für Sepulkralkultur

Kinder im Museum für Sepulkralkultur  |  © PR

Frage: Herr Eppler, wie alt sind die Kinder, die Sie durch das Museum führen?

Gerold Eppler: Es geht bei etwa drei Jahren los und endet mit fünfzehnjährigen Schülern.

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Frage: Wie gelingt es Ihnen, Dreijährige für das Museum zu begeistern?

Eppler: Kinder, gerade Kleinkinder, erfahren ein Museum nicht rational, sondern indem sie sich einfühlen. Sie  interessieren sich zunächst einmal nicht so sehr für die Exponate, sondern für den Raum und die Architektur. Bei uns gibt es beispielsweise eine tolle Treppe, die die Kinder immer wieder hochklettern und herunterspringen. Unser Museum besteht aus einem Alt- und einem Neubau mit einer sehr hohen Decke und viel Glas, das Licht durchlässt. Die Kombination von Licht, Raum und Atmosphäre wirkt auf Kinder mehr als die Ausstellung an sich. Erst im zweiten Schritt interessieren sich Kinder für die Ausstellungsobjekte, aber anders als wir Erwachsenen. Sie wollen die Dinge drehen, bewegen oder einfach anfassen, weil sich die Oberfläche schön, interessant oder ungewohnt anfühlt. Ganz oben auf der Hitliste stehen bei uns beispielsweise Särge und Grabsteine. Und soweit es möglich ist, versuchen wir den Kontakt zuzulassen.

Frage: Särge, Grabsteine, Begräbniskultur – ist das denn für Kinder geeignet?

Eppler: Kinder interessieren sich sehr für den Tod, und aus pädagogischer Sicht spricht überhaupt nichts dagegen, wenn Kinder damit in Berührung kommen – in wahrem Wortsinne. Wir zeigen ja keine Horrorfilme.

Reisen mit Kindern

© Edition Reiseratte

Das Interview ist ein Auszug aus Reisen mit Kindern – von Bauernhof bis Bali von Geraldine Friedrich (Hrsg.), Verlag Edition Reiseratte, 11,95 Euro. Acht Autoren stellen darin Reiseideen für Kinder im Alter von drei Monaten bis zwölf Jahren vor und geben praktische Tipps sowie Hinweise zum Reisebudget.

Frage: Bei den meisten Museen ist Anfassen und Herumspringen nicht gern gesehen.

Eppler: Das hängt natürlich auch von der Art des Museums und dessen Exponaten ab. Wenn es um einen wertvollen spätmittelalterlichen Flügelaltar geht, kann ich nachvollziehen, dass ein Kind die Flügeltüren nicht öffnen und schließen darf. Wir sind da entspannt, auch weil die meisten unserer Stücke nicht so empfindlich sind. Wenn so ein Grabstein schon Hunderte von Jahren auf dem Friedhof überstanden hat, dann darf ihn ein Kind auch anfassen. Ich verstehe Museen nicht, die solche Spielräume nicht nutzen. Da nehmen sich Eltern schon mal die Zeit, mit ihren Kindern ins Museum zu gehen, und dann wird ihnen der Besuch verleidet. Überall, wo das Museumspersonal Uniform trägt, kann es für Eltern mit Kindern schwierig werden. Ich finde es schade, wenn das Aufsichtspersonal auf Kleinkinder reflexartig mit Ablehnung reagiert bzw. reagieren muss.

Leserkommentare
  1. " ... führt regelmäßig ... durch das Museum für Sepulkralkultur, EINEM Museum für Begräbniskultur."

    Woher kommt dem Dativ?

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  • Schlagworte Chevrolet | Eltern | Erwachsene | Getränk | Kakao | Museum
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