Der schmale Einsitzer weckt Erinnerungen in den Kniekehlen. An Sitze mit harten Kanten, die aus Lifthäusern schossen und mit großem Schwung in die Beinrücken bissen, an Skitage als Kind. "Bei diesen Sitzen würden heute wahrscheinlich viele Mütter streiken", sagt Rene Föger und zieht den Sicherheitsbügel, eine dünne Metallstange, über die Oberschenkel. Föger, Dreitagebart und blauer Anorak, wippt auf dem ausgemusterten Sessel, der nun zwischen zwei Fichten auf dem Waldspielplatz in Weisland am Mieminger Plateau an einem kurzen Drahtseil hängt.

Das Sonnenplateau genannte Wintersportgebiet ist eine Hochfläche über dem Inntal, eingerahmt von schroffen Bergen, 60 Kilometer von Innsbruck entfernt. Längst ist die Sonne hinter grauen Wolken verschwunden, der Wind bläst Schneeflocken durch die Luft. "Als ich ein Kind war, war der Lift im Winter meine zweite Heimat", sagt Föger. Der Wirt des Hotels Stern in Obsteig, dem größten Ort des Plateaus, erinnert sich gern an diese Zeit. "Ich kam von der Schule, die Tasche flog in die Ecke und dann ging’s zum Grünberg, skifahren." Vor vierzehn Monaten ist Föger zum ersten Mal Vater geworden. Nur wenige Wochen vorher wurde der Skilift am Grünberg, dem einzigen Skigebiet am Mieminger Plateau, für immer abgebaut.

Rene Föger sitzt in einem der ausgemusterten Liftsessel auf dem Waldspielplatz. © Sandra Rauch

Jahrelang ist gestritten worden über diesen Rückbau am Obsteiger Grünberg. Es ging um das Geld, das der kleine Skizirkus mit seiner einzigen Talabfahrt und dem Anfängerhügel jeden Winter verschlang. Ein Minus von 200.000 Euro belastete jede Saison die Kassen von Gemeinde und Tourismusverband. Immer weniger Skifahrer kamen, oft lag zu wenig Schnee und der Lift war so alt, dass er 2004 sogar als Kulisse für einen Film über die Crazy Canucks, eine Gruppe kanadischer Skihelden aus den siebziger Jahren, diente.

Vor allem ging es bei dieser Diskussion um die Ausrichtung der Region: Ist Wintertourismus in Tirol ohne Alpinski attraktiv genug? Das war für viele undenkbar, vor allem für jene, die den Skitourismus-Boom der achtziger Jahre als Gastgeber in Hotels und Pensionen erlebt hatten. Natürlich hätte man modernisieren müssen. Einen modernen Sessellift bauen, Beschneiungsanlagen installieren, dafür ein künstliches Wasserreservoir anlegen. Kostenpunkt: fünf Millionen Euro. Ein Batzen Geld, aber mit einer bereits zugesagten Förderung vom Land Tirol mittelfristig durchaus finanzierbar.

Am Ende setzten sich die Mutigen durch, die Hoteliers und Pensionsbesitzer der jüngeren Generation, die schon lange gemerkt hatten, dass man das Skifahren in der Region nicht mehr verkaufen kann. Im Herbst 2011 wurden die Liftstützen vom Berg abmontiert, einzig der Anfängerhügel mit Schlepplift blieb als Kinderland bestehen. Doch Rückbau allein wäre zu wenig gewesen. Die Gemeinde nahm das Fördergeld vom Land und begann, das Urlaub ohne Abfahrtsla zu vermarkten: Ein neues Loipengerät wurde angeschafft, Schneeschuh- und Skitourenrouten ausgearbeitet und ein Netz geräumter Winterwanderwege geschaffen. Man druckte Werbeprospekte mit Bildern unverbauter Bergpanoramen, bewarb die Ruhe und Ursprünglichkeit der Region.