Low-Budget-Hotels : Ein bisschen Design für alle

Ein bisschen Design und günstige Zimmer – Budgethotels sind die Gewinner auf dem Tourismusmarkt. Sie machen Städtetrips planbar und günstig, aber auch eintöniger.
Im Hamburger Hotel Motel One © PR

Neben dem Hauptbahnhof in Wien, in Sichtweite zur Berliner Gedächtniskirche oder direkt an der Alster in Hamburg: Low-Budget-Hotels belegen inzwischen die exklusivsten Plätze in europäischen Städten. Vor allem die Finanzkrise hat ihnen auf die Sprünge geholfen. Geschäftsreisende, die früher in hochpreisigeren Drei- oder Viersternehotels unterkamen, zählen zu ihren neuen Kunden, auch Familien checken dort zunehmend ein.

"Wir sind nicht billig, wir sind günstig", sagt Philippe Weyland, Geschäftsführer der Motel-One-Kette. "Unsere Hotels sind besser gemanagt und deswegen attraktiver." Weyland war auf der jährlichen Immobilienmesse in Cannes im März ein gefragter Mann. Denn die günstigen Hotels haben sich aus der Schmuddelecke befreit. Das ist auch im südfranzösischen Cannes zu spüren: Präsentierten sich dort früher vorwiegend Luxus-Resorts, belegen nun auch die Budget-Hotels eigene Stände. Motel One hat einen plüschigen Stand mit Stofftapete und Designer-Sesseln arrangiert.

Die Low-Budget-Ketten investieren in einige wenige qualitätsvolle Gegenstände, um ihr Image zu verbessern. Bei Motel One sind die Badezimmer nicht wie früher in Billighotels üblich aus Plastik, sondern mit Granit verkleidet und mit Rainshower-Duschen ausgestattet. Die Flachbildfernseher tragen teure Markennamen und auch die Sofas in der Lobby sind aus echtem Leder. Dafür sparen die Hotels an Personal. Meist ist der Rezeptionist zugleich für die angrenzende Bar verantwortlich, Restaurants fehlen gänzlich und für das bis auf kleine ländertypische Varianten immer gleiche Frühstücksbuffet ist meist nur eine Servicekraft anwesend. Die Zimmer sind 16 Quadratmeter groß und haben keinen Kleiderständer – schließlich checkt die Mehrzahl der Gäste ohnehin nur für ein oder zwei Nächte ein. No frill heißt die Devise – kein Schnickschnack.

Die größten Gewinner der Branche sind modernisierte Ketten mit neuem Design. B&B beispielsweise hat seinen Umsatz allein im Jahr 2010 um 60 Prozent steigern können, Motel One verdreifachte seine Häuser zwischen 2005 und 2011. Europas größter und zugleich etwas altmodischer anmutende Hotelkonzern Accor, zu dem Etap und Ibis gehören, schrieb im vergangenen Jahr zwar wegen Verlusten in Amerika rote Zahlen. Auch das französische Unternehmen will aber inzwischen die Design-Strategie fahren: Einige Ibis-Filialen werden in "Ibis Styles"-Hotels umgewandelt, die Etap-Häuser sollen renoviert werden und künftig unter Ibis-Budget firmieren. Die Ikea-Schwester Inter Hospitality und der amerikanische Hotelkonzern Marriott wollen 2014 ihre ersten Hotels in Hamburg, Frankfurt und Berlin eröffnen, in den kommenden zehn Jahren sind europaweit 50 weitere geplant.

Auch der Hotelverband Deutschland (IHA) bezeichnet die Budget-Hotels  als "den Zukunftsmarkt der Beherbergungsbetriebe" – obgleich er erst seit dem Jahr 2000 wirklich etabliert sei. "Verlierer dieses Trends sind familiengeführte Pensionen und Hotel Garnis, die sich eine Renovierung nicht leisten können", so IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe.

Untereinander machen sich die Ketten angeblich keine Konkurrenz. "Wir können sehr gut direkt nebeneinander bestehen", sagt Ian Biglands, Prokurist bei der B&B-Kette. Seine Firma werde in den kommenden Jahren dutzende Filialen auch in kleineren Städten wie Hamm oder Wiesbaden eröffnen. "In Deutschland gibt es ein riesiges Potential", so der gebürtige Engländer. Biglands setzt auf ein "makelloses Interieur". Alle fünf Jahre würden die Zimmer kernsaniert, jedes Jahr kleine Makel überpinselt und ausgebessert. Die herkömmlichen Pensionen seien lange nicht modernisiert worden und im Vergleich "völlig überteuert".

Erwartbarer Urlaub

Zugute kommt den zentralen Hotels auch die wachsende Lust der Europäer auf Städtetrips. Laut dem internationalen Urlaubsreport World Travel Monitor der Consultingfirma IPK haben die Citytrips im vergangenen Jahr europaweit um 13 Prozent zugenommen. Zunehmend reisen auch Familien für ein Wochenende nach Paris, Barcelona oder Berlin.

"Die große Mehrheit der heutigen Urlauber möchte Sicherheit erfahren", sagt Axel Gruner, Hotellerie-Experte an der Fachhochschule München. Gerade die Deutschen sorgten sich um ihre Rente oder den Arbeitsplatz – da sei ein erwartbarer Urlaub zunehmend willkommen. "Standardisierte Ketten geben dem Gast Halt", so Gruner.

Ein Phänomen, das George Ritzer schon vor 20 Jahren in seinem Buch Die Mcdonaldisierung der Gesellschaft bedauert hat. Damals ging es um die immer gleichen Einkaufsstraßen und Restaurants, egal ob Touristen nun in Narbonne, Belfast oder Wien shoppen und essen gehen. Die Gesellschaft, so der amerikanische Soziologe, werde zunehmend effizient, kalkulierbar und vorhersehbar und verliere dabei ihren kulturellen Charme.

Low Budget und Luxus-Wellness

Die Ansprüche der Touristen scheinen allerdings weniger planbar. Laut dem Münchener Tourismusexperten Burkhard von Freyberg gehört die Mehrheit der Urlauber heute zu der Kategorie des "Luxese-Gastes". In der Woche übernachte dieser im Low-Budget-Hotel, am Wochenende schwelge er dann gerne in einem luxuriösen Wellnessresort.

Die Low-Budget-Hotels versuchen nun, beide Trends zu vereinen. Die aja-Kette, gegründet vom erfolgreichen AIDA-Kreuzfahrer Horst Rahe, eröffnete Ostern ihr erstes Hotel in Warnemünde. Die Zimmer sind ab 39 Euro zu buchen. In seinem Werbesprech bezeichnet Rahe seine Idee als "neue Volkshotels mit Spa- und Wellness". In den kommenden Jahren sollen bis zu 50 dieser Low-Budget-Wellness-Hotels entstehen. So könnten sich bald nicht nur die deutschen Zentren, sondern auch die Fassaden an Stränden und Bergseen zunehmend ähnlicher werden.

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Angleichung

Ob man die Ausstattung der neuen Hotel-Ketten überhaupt unter den Begriff Design fassen kann, ist die Frage. Sie sind schlicht und funktionsgerecht ausgestattet und auf das Wesentliche reduziert. Im Zimmer gibt es weder Schrank noch Telefon und die Zimmer sehen in der Tat überall praktisch gleich aus. Das hat dann bei Städtereisen den Effekt, dass man vom gleichen Zimmer auf die gleichen Einkaufsstrassen treten kann. Allenfalls die Museen in den Städten unterscheiden sich noch, und selbst dieser Eindruck verwischt nach dem Besuch der zehnten Stadt, seitdem die gleichen international bekannten Architekten in allen Weltstädten zuschlagen und die Museumspädagogik internationale Wissenschaft geworden ist. Wer ein wenig Gespür für Authenzität, Historie oder Kultur hat, wird die Ketten nach kurzer Zeit meiden, solange es noch geht. Ihr Siegeszug wird trotzdem nicht aufzuhalten sein. Die Menschen mögen in der Mehrheit standardisierte Burger, Weine, Musicals, Shopping-Malls, Pauschalreisen, Kreuzfahrten, Markenkleidung oder TV-Serien. Vermutlich wird man in zwei Generationen auf einer beliebigen Einkaufsstrasse der Welt nicht mehr auf Anhieb erkennen können, in welcher Stadt man sich gerade befindet. Die Welt befindet sich auf dem Weg der Angleichung, nicht auf dem Weg zur Bildung von kulturellen Eigenheiten. Hotels sind ein Beispiel dafür.

Motel One

Wir gehen gerne ins Motel One, wenn wir unsere Verwandten in Dresden besuchen. Mir gefällt das Design dort besser als in den meisten anderen Hotels, auch weit über dieser Preisklasse. Ich mag die Schlichtheit der Einrichtung, die zentrale Lage. Man ist in zehn Minuten an der Frauenkirche und in drei Minuten an der Elbe, wo wir den Hund frei laufen lassen können.

Es gibt zwar kein Restaurant, aber die erhältlichen Snacks sind okay und 24 h täglich verfügbar. Die Cocktails kommen aus der Dose und verursachen Sodbrennen. Sie sind nicht empfehlenswert. Das Frühstück sollte man gänzlich meiden. Aber in einer Stadt einer so guten Gastronomieszene wie Dresden macht das gar nichts. Man kann sehr gut woanders frühstücken.

Die Zimmer sind wirklich wahnsinnig klein. Die etwas teurere Variante mit Balkon ist etwas größer. Wer zu Platzangst neigt sollte hier nicht am falschen Ende sparen. Länger als zwei Tage sollte man aber nicht bleiben. Die Zimmer sind so klein, dass man einfach keinen Platz hat für viele Koffer und man kann pro Person nur drei Kleidungsstücke auf Bügel hängen. Einen Schrank oder eine Kommode gibt es nicht.

Insgesamt stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Ich würde Motel One auch in anderen Städten als Dresden aufsuchen. Ich mag keine Überraschungen bei sowas. Wie oft waren auch gehobene Hotels schon enttäuschend?