Malakka in MalaysiaAn einem Tag durch sechs Jahrhunderte

Malayen, Portugiesen, Niederländer, Briten, Chinesen: Sie alle haben die malaysische Küstenstadt Malakka geprägt. Ihre Bauten weisen den Weg zur Geschichte der Stadt. von 

Wer nach Malakka kommt, neigt dazu, dort zu bleiben. So erging es schon dem vertriebenen Prinzen Parameswara, der um 1400 die Stadt gründete. Auch den Portugiesen, Niederländern und Briten gefiel das Sultanat. Sie eroberten es und errichteten Häuser, die sie an Zuhause erinnerten. Chinesische, indische und andere Händler legten an, wenn sie durch die nun mehr Malakka-Straße genannte Meerenge zwischen der malaysischen Halbinsel und Sumatra segelten. Manche blieben für immer. 

Heute sind in malaysischen Stadt Spuren nahezu jedes Kulturkreises zu finden: Es gibt einen Sultanspalast, eine portugiesische Festung, ein niederländisches Stadthuys, einen britischen Wetterhahn, Hindu-Tempel, Chinatown. Im Jahr 2008 wurde das Stadtzentrum Malakkas mit seiner multikulturellen Architektur Unesco-Weltkulturerbe. Ein Tagesausflug in seine Straßen und Gassen ist wie eine Zeitreise durch sechs Jahrhunderte.

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15. Jahrhundert – Sultanspalast
Vier Etagen, sieben Veranden an der Vorderseite, ein Prachtbau ganz aus Holz und ohne einen einzigen Nagel errichtet – so soll der Palast von Mansur Schah ausgesehen haben, der von 1456 bis 1477 als Sultan in Malakka herrschte. Erhalten ist er nur noch als Replik, die anhand von historischen Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert am Fuß eines Hügels erbaut wurde. Das Gebäude mit den vielen Giebeln ist das einzige seiner Art in Malaysia und beherbergt ein Museum: Auf zwei Etagen wird die Geschichte Malakkas mit Texttafeln, Bühnenbildern und Schmuckvitrinen erklärt. Blasse Schaufensterpuppen – vermutlich westliche Importe – sind mit der reich verzierten Kleidung der verschiedenen Sultanate dekoriert. 

Eingebettet ist der Palast in einen Park. Ursprünglich soll er jedoch auf dem benachbarten Hügel gestanden haben. Von dort ließ sich die Flussmündung besser überwachen.

Anreise

Malakka liegt rund 150 Kilometer südwestlich von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. Der Flug ab Frankfurt am Main dauert rund elf Stunden und kostet je nach Saison und Fluggesellschaft zwischen 600 und 1.000 Euro. Vom Flughafen Kuala Lumpur International Airport braucht man mit dem Auto etwa anderthalb Stunden bis Malakka.

Essen

Malakka ist auch bekannt für die "Baba-Nyonya-Küche": Baba Nyonya ist eine ethnische Gruppe, bei der chinesische Männer (Baba) malaysische Frauen (Nyonya) geheiratet haben. Auch die Kochtraditionen wurden so vermischt. So entstand zum Beispiel Cendol: Das ist ein Gelee mit Kokosnussmilch, das es wie Eis in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt.

1511 – A Famosa
Direkt neben der Replik des Sultanspalastes, am Fuße des Hügels, sieht man eine ziemlich mitgenommene Mauer mit einer Kanone davor: der frühere Eingang zur portugiesischen Festung A Famosa. 1511 waren die Portugiesen in Malakka eingefallen. Um sich zu verteidigen, bauten sie um den Hügel an der Flussmündung herum die Wehranlage. 1641 folgten ihnen die Niederländer. Sie ließen von der portugiesischen Festung nicht viel übrig. 

1553 – St. Pauls Kirche
Von hier führen ein paar Stufen an den fliegenden Händlern vorbei hinauf auf den Hügel. Dort steht die Ruine der St. Pauls Kirche. Im Inneren verwittern die Inschriften auf einer Reihe Grabsteine. Ein Einheimischer spielt auf der Gitarre Lieder aus den Heimatländern der Touristen: Beatles, Scorpions – alles parat. Einst war die Kirche nur eine Kapelle, die der portugiesische Kapitän Duarte Coelho errichten ließ. Er nannte sie Our Lady of the Hill. St. Pauls heißt sie erst, seit sie 1670 zu einer kleinen Bastion umgebaut wurde. Zuvor beteten in der Kapelle über 100 Jahre die katholischen Portugiesen – und hier wurde 1553 neun Monate lang der Leichnam des zum Heiligen erklärten Missionars Franz Xaver aufbewahrt, bevor er weiterverschifft wurde ins indische Goa.

Leserkommentare
  1. 1. Melaka

    "Heute sind in malaysischen Stadt Spuren nahezu jedes Kulturkreises zu finden: Es gibt einen Sultanspalast, eine portugiesische Festung, ein niederländisches Stadthuys, einen britischen Wetterhahn, Hindu-Tempel, Chinatown."

    Und ich hab' dort damals im Backpackers zum ersten mal in meinem Leben den vollständigen "Messias" von Händel gehört...

    Geile Stadt, und Georgetown auf Penang war die "andere" hochinteressante Straits Settlement

    Halleluja und mfg :-)

    • Ego1
    • 20. Mai 2013 9:34 Uhr

    aku merindukanmu ;)

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  • Schlagworte Kirche | Unesco-Weltkulturerbe | Malaysia
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