ReisekofferSouvenirs zum Aufkleben

Kofferaufkleber transportierten im 19. Jahrhundert Werbung für Hotels und Reiseziele – und galten als Statussymbole. Auch Marlene Dietrich schmückte damit ihr Gepäck. von Ralf Nestmeyer

Die Utensilien und Insignien, mit denen man sich auf Reisen begibt, verändern sich schneller als die Reiseziele. Wer verreist heute noch mit einer Reiseschreibmaschine oder einer eleganten Hutschachtel? Und auch die bunten Hotelaufkleber, die einst jeden Koffer zierten, sind aus der Reisewelt verschwunden.

Nur manchmal entdeckt man auf Flohmärkten noch Koffer mit aufgeklebten Landschaftspanoramen aus den Schweizer Bergen oder der Silhouette des Eiffelturms. Den Orten, an denen die früheren Besitzer einst ihre Ferien verbracht hatten.

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Die Geschichte der Kofferaufkleber reicht zurück bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, als das vornehme Bürgertum bevorzugt mit der Eisenbahn verreiste. Um Verwechslungen auszuschließen, wurde der Name des Gastes vom Hoteldiener auf ein Etikett geschrieben und entweder am Griff des Gepäcks befestigt oder direkt auf den Koffer geklebt. Wahrscheinlich waren es dann italienische Hoteliers, die zuerst das Gepäck ihrer Gäste mit einem Aufkleber versahen.

Souvenirs und Statussymbole

Vor allem die Besitzer der Palast- und Grand Hotels ließen ihre Hoteletiketten kolorieren und typografisch aufwändig gestalten. Weil diese während der Weiterreise des Gastes anders als die Kofferanhänger nicht durch neue ersetzt wurden, wurden die Etiketten zu beliebten Werbeträgern. Für die Hoteliers waren Kofferaufkleber wie Visitenkarten für ihre  Häuser. Die Touristen schätzten sie als Souvenir.

Der Text stammt aus dem Reiseführer "Provence – Côte d'Azur".

Der Text stammt aus dem Reiseführer "Provence – Côte d'Azur".  |  © Michael Müller Verlag

Nicht zuletzt war ein Gepäckstück mit vielen Aufklebern ein Statussymbol: es stand für die Welterfahrenheit des Besitzers und verriet durch die Namen der Hotels seinen sozialen Stand. Mitreisende oder der Hotelportier konnten aus der Anzahl und der Herkunft der Aufkleber – war er im Raffles Hotel in Singapur, im Negresco in Nizza? –Rückschlüsse auf den Gast ziehen. Das führte dazu, dass die Aufkleber renommierter Hotels gehandelt wurden wie Briefmarken.

So wie in den 1970er-Jahren die Traveller ihre Rucksäcke und die Heckscheiben ihrer VW-Busse mit Stickern schmückten, so waren die Kofferaufkleber ein individuelles Zeugnis für die Reiselust der Upper Class. Die weitgereisten Koffer wurden zu einer Art Logbuch, das mit wertvollen Erinnerungen verknüpft war. Begehrt waren Aufkleber mit exotischem Dekor sowie mit Motiven von Schiffen, deren Namen für Passagen bis nach Südamerika standen.

Leserkommentare
    • cmim
    • 13. April 2013 3:52 Uhr

    ... brauchen Sie mehr Mitarbeiter???

    via ZEIT ONLINE plus App

  1. ...als Teilnehmer einer Reisegruppe an der türkischen Ägäisküste. Die Koffer standen gesammelt in der Lobby eines feinen Studiohotels und waren bereits alle mit jenen bunten Aufklebern des Hotels verziert. Zusätzlich enthielt jeder Aufkleber ein Feld, in dem mit Edding die Zimmernummer eingetragen wurde. Leider erwies sich der Koffer als weniger haltbar als der Aufkleber selbst. Er ging 2 Jahre später kaputt und wanderte samt dieses Aufklebers in den Müll.

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