Singapur : Stadtsafari in der Nacht

Jedes Jahr lockt der Nachtzoo von Singapur über eine Million Besucher aus den klimatisierten Shopping Malls in den Dschungel. In der Dunkelheit begegnet man dort Exoten.
Ein Rudel asiatischer Löwen © Frank Stern

Die Taxifahrt in den nächtlichen Dschungel dauert eine halbe Stunde. Hier, in einem Stück Regenwald abseits der Metropole, ist Anand Kumars zweites Zuhause. Hätte er sich früher selbst nicht träumen lassen, eigentlich wollte er mal Tontechniker werden. Doch vor acht Jahren fing er als Tierpfleger im Nachtzoo von Singapur an: Gehege ausmisten, Futter verteilen, kranke Tiere versorgen – das volle Programm. Und er ist geblieben. "Das ist kein Job wie jeder andere, das hier ist Leidenschaft", sagt Kumar und wirft dem Löwen gegenüber ein paar Fleischstücke ins Gehege.

Das mächtige Raubtier hätte sich bei der Essenszuteilung wohl mehr Leidenschaft gewünscht, doch die Miniration hat Methode. "Sie dürfen sich nicht gleich am Anfang satt fressen", sagt Kumar. "Wenn die Besucher hier später vorbeikommen, sollen sie die Tiere in Aktion sehen. Dann gibt’s mehr." Weiter geht es im Elektrobuggy zum Freigehege von Nici und Helga, zwei Lippenbären, die vor drei Jahren aus dem Frankfurter Zoo nach Singapur kamen. Kaum haben die Schwestern den Pfleger erspäht, stürmen sie auch schon vor an den Rand des Sicherheitsgrabens.

Jeder Tierwärter im Nachtzoo von Singapur hat seine Favoriten. Für Kumar sind es Lippenbären, zottelige Wesen mit dichtem, schwarzem Fell und heller Schnauze, die sich am liebsten über Termitenhügel hermachen. Eines dieser Tiere hatte er gleich zu Beginn seiner Laufbahn ins Herz geschlossen – Muthu. "Er war unheimlich schlau", sagt Kumar. "Es machte Riesenspaß, mit ihm zu arbeiten." Doch dann, vor sechs Jahren, musste Muthu wegen einer unheilbaren Lebererkrankung eingeschläfert werden. Den Tag hat Kumar nicht vergessen. "Jeder hier muss lernen, mit so etwas umzugehen", sagt der 33-Jährige, "aber es ist hart".

Pyromanen im Lendenschurz

Während Kumar zur nächsten Station fährt, lassen am Eingang zur Night Safari gerade gut gebaute Feuerschlucker die Luft brennen. Es ist der Auftakt zu einem Zoobesuch der besonderen Art. Nach den Pyromanen im Lendenschurz warten im Amphitheater nebenan die Creatures of the Night, eine Zirkusshow mit nachtaktiven Tieren wie Otter, Marderbär und Tüpfelhyäne. "Ein Tierpark muss Entertainment und Attraktionen bieten, sonst bleiben die Leute weg", sagt Zoodirektor Kumar Pillai. Und der Erfolg gibt ihm recht: An Wochentagen gehen 2.000 bis 3.000 Besucher auf Nachtsafari, am Wochenende sind es täglich bis zu 4.500. Ganze 80 Prozent davon sind Touristen. Die lassen sich auch von den 35 Singapur-Dollar (22 Euro) Eintrittspreis nicht abschrecken. Geld, für das einiges geboten wird.

Der Tierpfleger Anand Kumar © Frank Stern

Die Fahrt in der offenen Safaribahn zum Beispiel, die in 40 Minuten durch sieben geografische Zonen führt. Nahezu lautlos zuckelt der Zug von Afrika über die Ausläufer des Himalajas bis ins burmesische Hinterland. Vorbei an den üblichen Verdächtigen wie Löwe, Tiger und Elefant, aber auch an Tieren, von denen die meisten Besucher noch nie etwas gehört haben. Das Himalaja-Tahr zum Beispiel, irgendwas zwischen Ziege, Schaf und Gämse, oder das Babirusa, ein Wildschwein, bei dem die Hauer fies durch den Oberkiefer brechen.

Während die Zooinsassen, die dem Menschen gefährlich werden könnten, durch Gräben auf Abstand gehalten werden, sind die gemütlicheren Vertreter so nah, dass man nur aussteigen müsste, um sie zu berühren. Bei den Malaiischen Tapiren wäre das an diesem Abend jedenfalls ziemlich einfach. Sie liegen am Rand der Fahrbahn, als habe sie jemand umgekippt. Von wegen nachtaktiv.

Der Zoodirektor Kumar Pillai © Frank Stern

Gelegentlich, wenn nach etlichen Ermahnungen durch die Safariführerin auch der letzte Zugpassagier den Blitz seiner Kamera ausgeschaltet hat und alle nörgelnden Kinder in tiefen Schlaf gesunken sind, kann man etwas erleben, das man in Singapur kaum für möglich hält: Waldesruh. Der Fahrtwind kühlt die feuchte Stirn, die Stimmen der Nacht gaukeln tiefste Wildnis vor, und unter künstlichem Mondschein zieht eine Tierwelt vorbei, wie sie in freier Natur kaum noch anzutreffen ist. Mehr als ein Drittel der über 130 im Nachtzoo präsentierten Arten sind vom Aussterben bedroht.   

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Eine interessante Stadt....

.. die ich gerne mal bereisen würde. Man sagt ja Singapur wäre für Interessenten die gerne mal den asiatischen Raum erkunden möchten soetwas wie ein "Asien-Light" zum reinschnuppern.

Mitunter bekommt man die Flüge hin und zurück ja schon "für 'nen Appel und'n Ei", nach diesem Artikel bin ich ja tatsächlich drauf und dran mich mal auf den Weg zu machen :-)

Ihrem Kommentar entnehme ich das Sie sich aktuell in Singapur aufhalten @ManRei? Haben Sie vielleicht ein paar Empfehlungen bzgl. einer Reise dorthin?

Grüße
deDude

Tipps für Singapur

Liebe/r deDude,

ich kenne Singapur nur als Stopover-Ziel, war also nie länger als drei Tage dort. Empfehlenswert ist das (nicht ganz günstige) New Majestic Hotel, das zwar kleine Zimmer, dafür aber zum Teil Terrassen mit Badewannen draußen und einen Pool hat. Von dort kann man die Stadt gut zu Fuß erkunden. Der Nachtzoo lohnt sich auf jeden Fall. Auch eine Wanderung um das Wasser-Reservoir der Stadt - man erlebt da Dschungel light. Berühmt ist Singapur für die Küche mit Einflüssen aus ganz Asien. Wer kann, sollte fünf kleine Mahlzeiten pro Tag einplanen und auch mal an den Straßenständen essen. Sonst könnte er was verpassen. Eine Fahrt mit der Seilbahn ist hübsch. Vor den Shopping Malls sollte man sich in Acht nehmen, die wecken mit ihrem tollen Angebot Begehrlichkeiten. Ich persönlich kann Stunden in dem kleinen Buchladen Polymath & Crust verbringen. Aber das würde ich Ihnen erst empfehlen, wenn Sie schon viel von der Stadt gesehen haben.

Viele Grüße aus dem Reisenressort!

Kurze Antwort

Super Polymath&Crust ist umgezogen und nennt sich jetzt Books Actually und ist jetzt in Tiong Bahru. Besitzer ist derselbe und jecer Besuch lohnt sich. Ein weiterer Teil von Singapore dessen Besuch sich lohnt. Hier gibt es ein sehr schoenes Hawker Centre und viele wunderschoene 30er Jahre Haeuser (Wikipedia). Bukit Timah Besuch lohnt isch auch, auf keinen Fall die Affen fuettern (ist bei Strafe verboten) und keine Plasiktueten mitnehmen, die Affen klauen die, auch Vorsicht bei Schmuck.
Es gabe viel zuviel zu berichten, wenn man die Shoppingmalls ignoriert.