BerchtesgadenBerg im Kasten

Das Haus der Berge setzt einen modernen Akzent in der alpinen Landschaft. In Berchtesgaden nähert man sich dem Gebirge und seinen Bewohnern multimedial. von 

Das Haus der Berge, im Hintergrund der Watzmann

Das Haus der Berge, im Hintergrund der Watzmann  |  © Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

Ulrich Brendel hat noch einen Berg Arbeit vor sich, man könnte auch sagen ein Gebirge. Der Biologe leitet das Projekt Haus der Berge, den Neubau eines Informationszentrums für den Nationalpark Berchtesgaden. Am 24. Mai soll das Haus im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eröffnen. An diesem Vormittag diskutiert Brendel mit dem Architekten, telefoniert, schiebt nebenbei mit dem Fuß eine vergessene Kabelrolle zur Seite.

Dennoch nimmt er sich Zeit für ein paar Radfahrer. Die älteren Herren in neonfarbenen Trikots haben ihre Räder vor dem Eingang abgestellt. Brendel kennt das: Die Einheimischen sind neugierig, möchten wissen, wie weit der Bau fortgeschritten ist und wollen ihre Meinung äußern. "Es passt doch gar nicht in die Gegend!", befindet einer der Radfahrer. "Der Kasten rostet ja schon!", ein anderer.

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Das Informationszentrum Haus der Berge steht im Westen von Berchtesgaden. Barock geschnitzte Villenfassaden, an denen Hirschgeweihe hängen, dominieren die Umgebung. Man habe zeitgemäß bauen wollen, "sich für Materialien aus der Region entschieden", entgegnet Brendel den Gästen. Die Form des Gebäudes ergebe sich aus dem Inhalt, aus den Bergen.

Das Haus der Berge, konzipiert vom Stuttgarter Atelier Brückner, besteht aus drei ineinander verschachtelten Kuben – oder Kästen. Es erstreckt sich entlang einer imaginären Achse, "der längsten Senkrechte der Ostalpen", einer 2.300 Meter langen Linie vom Grund des Königsees bis zum höchsten Punkt des Watzmanns. Über dem Haupteingang erhebt sich ein Turm aus Glas und Stahl, eine Art architektonischer Gipfel: Durch das Glas ist eine stilisierte Bergskulptur im Innern zu erkennen – und weit im Süden der noch schneebedeckte Watzmann.

Blick auf den Königssee

Blick auf den Königssee  |  © Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

Der Begriff "Kasten" treffe es ganz gut, sagt Brendel. "Was besonders kostbar ist, und das sind hier in der Region die Berge, stellt man in eine Vitrine." Bewusst sei für die Fassade wetterfester Stahl verwendet worden, die Rostschicht schütze das Metall vor weiterer Verwitterung. Das unbehandelte Lärchenholz solle ausdrücken, "dass die Natur und letztlich wir Menschen vergänglich sind". Den Radfahrern scheint das einzuleuchten. "Mission erfüllt." Brendel schmunzelt.

19 Millionen Euro hat die neue Touristenattraktion mit ihren 1.300 Quadratmetern überdachter Ausstellungsfläche gekostet. Auf drei Flächen, dem Informationszentrum, einem Bildungszentrum mit Seminarräumen sowie dem heute noch nicht fertigen, fast 1,5 Hektar großen Außengelände sollen die Lebensräume der Berge abgebildet werden. "Außer Meer und Vulkanen haben wir hier praktisch alles", sagt Brendel. Vor mehr als zehn Jahren wurde mit der Planung der Ausstellung begonnen. Man befragte Biologen und Nationalparkexperten: Wie kann biologische Vielfalt gezeigt werden? Welche Schwerpunkte setzt man? Das Thema Nachhaltigkeit wurde berücksichtigt: in der erweiterten Entwicklungszone des 1990 von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannten Nationalparks leben 100.000 Menschen. "Behutsame Bewirtschaftung der Almregion dient der Biodiversität."

Leserkommentare
  1. 1. [...]

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    Schauen Sie sich doch um, was heutzutage gebaut wird! Von der Valser Therme über das neue Lenbachhaus bis zu diesem häßlichen Kasten!
    Und Köppels Gedicht greift dies auf höchst konstruktive Weise auf, wenn er verlangt, daß die Architekten bauen sollen, wie sie pinkeln, nämlich im Bogen.
    Wenn das für die "Moderation" zu hoch ist, kann ich nichts dafür.

  2. ... mag sich sicher etwas dabei gedacht haben, ich finde diesen "Kasten" aber auch eher unpassend für die Gegend.

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  3. Schauen Sie sich doch um, was heutzutage gebaut wird! Von der Valser Therme über das neue Lenbachhaus bis zu diesem häßlichen Kasten!
    Und Köppels Gedicht greift dies auf höchst konstruktive Weise auf, wenn er verlangt, daß die Architekten bauen sollen, wie sie pinkeln, nämlich im Bogen.
    Wenn das für die "Moderation" zu hoch ist, kann ich nichts dafür.

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    ... der auch Köppel kennt . Na dann.

  4. ... der auch Köppel kennt . Na dann.

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    Antwort auf "Geht's noch?"
  5. Ein verrosteter Kasten also. Wieder mal ein feuchter Architektentraum, der sich in die Landschaft einfuegt wie ein Ufo.

    Interessant auch die so postmoderne wie hirnrissige Idee, mitten in den Bergen die Leute fuer Berge begeistern zu wollen, indem man mit Touchscreens, Plastikbaeumen und Praeparaten ein Abziehbild der Berge zeigt.

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    ... noch einer, dem's nicht gefällt. Wat mok wi nu?

    wenn der Direktor sagt, die Natur könne man je ohnehin nicht nachbauen, und der Besucher dann mittels Plastikhecht für ebendiese begeistert werden soll...

    vom Bauen mit Materialien aus der Region. Rostiges Eisen und Glas. Aus der Region.

    (Das Lenbachhaus, Herr Düsentrieb, erinnert mich an den Bad Homburger Hertie. Aber die Therme in Vals in all ihrer Klotzigkeit, die hat was. Doch.)

  6. ... noch einer, dem's nicht gefällt. Wat mok wi nu?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Haus der Berge"
  7. Hatte die Gelegenheit vor der Eröffnung im Probebetrieb reinzuschauen. Ich musste ein bisschen lachen als ich gesehen habe, dass Stuttgarter Architekten dieses Gebäude konzipiert haben, in dieser Stadt nennt sich sowas halt Architektur. Ob das Gebäude so in die Region passt, darüber kann man sich streiten. Ein Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall - interessant und informativ wenn man etwas über die Nationalparkregion erfahren will, besonders toll fand ich die Gestaltung der "vertikalen Wildnis!", wirklich gelungen!

  8. Wenn ich die Berge, Bäume, Seen, die Alpen, den Watzmann, den Königssee, etc.... sehen will, brauch ich mich doch nur dort
    umzusehen und nicht in so ein häßliches Gebäude dort(!) zu gehen.
    So ein Haus in einer Gegend, in der man Berge, Bäume, Seen, die Alpen, den Watzmann, den Königssee NICHT sehen kann, nunja, das wäre noch zu entschuldigen. Aber so? Hat wieder mal jemand zu viel Geld und zu wenig Geist gehabt?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Berg | Horst Seehofer | Unesco | Berchtesgaden | Biodiversität | Natur
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