Die Luft ist schwer vom Bratfett und dem Geruch exotischer Gewürze. Dicht an dicht stehen die mobilen Garküchen. Geschäftige Köche versenken Frühlingsrollen und Bananen in Frittierkörben. Reiskocher dampfen vor sich hin.

Unter bunten Stoffgirlanden haben sich Großfamilien vom Enkel bis zur Oma um einfache Plastiktische geschart, vor sich prall gefüllte Teller mit Nasi Goreng oder Saté Ajam. Wüsste man nicht, dass gleich hinter der Zeltstadt der Tong Tong Fair das Zentrum von Den Haag mit seinen Hochhäusern liegt, so wäre die Illusion eines asiatischen Nachtmarkts perfekt. Viele der Menschen hier tragen asiatische Züge – mit europäisch-niederländischem Einfluss.

In Den Haag lebt ein Großteil der Indos, wie sich die Eurasier in den Niederlanden selbst bezeichnen, also der Menschen, die sichtbares Zeugnis der kolonialen Vergangenheit des heutigen Indonesien – sind.

Unter Ellen Derksen, die seit über 25 Jahren die Leitung inne hat, wuchs die Tong Tong Fair zur heute weltweit größten eurasischen Veranstaltung heran. Die Tochter einer in Niederländisch-Indien geborenen Mutter und eines niederländischen Vaters teilt die Biographie vieler Haager Indos. Sie kam hier zur Welt, wuchs in Ostjava auf und gehörte nach der Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens im Jahr 1949 zu den über 350.000 Rückkehrern in eine fremde Heimat: "Ich musste mich assimilieren, ich musste niederländisch werden, so schnell es ging." Den anderen Teil ihrer Herkunft konnte und wollte die heute 76-Jährige  jedoch nicht leugnen.

Schon bald nach ihrer Ankunft in Den Haag engagierte sie sich in einer Gruppe von Aktivisten, die der eurasischen Gemeinschaft eine Stimme verleihen wollten und deshalb ein Kulturfestival ins Leben riefen. Heute ist das Event Kulturschau, Familienzusammenführung, kulinarisches Festival und Verkaufsbörse. Hier haben jene Menschen eine Plattform, die zwischen der europäischen und asiatischen Kultur nicht wählen wollen, sondern ihre ganz eigene Identität feiern. Derksen, die als Psychotherapeutin arbeitete, sagt: "Als Mischling ist man immer in der Minderheit, außer beim Tong Tong Festival. Hier ist jede Stimme wichtig, hier wird jede Seite gehört."

In der Stadtverwaltung tat man sich lange schwer mit diesen Stimmen, denn sie erinnerten an die koloniale Vergangenheit mit all ihren negativen Seiten. Erst mit der Internationalisierung der Witwe Niederländisch-Indiens, wie Den Haag auch genannt wird, weil sie dieser Teil der Niederlande mit der Unabhängigkeit Indonesiens gestorben ist, setzte ein Umdenken ein. Tolerant und weltgewandt präsentiert sich die Stadt heute ihren vielen internationalen Einwohnern und besinnt sich dabei auch auf das – ihr spezielles Erbe.