Schnellzug nach LondonDeutsche Bahn darf den Eurotunnel befahren

Mit dem ICE nach London in fünf Stunden: Die Deutsche Bahn hat eine Lizenz für den Ärmelkanaltunnel erhalten. Der erste Zug wird aller Voraussicht nach 2016 starten.

Die Deutsche Bahn darf künftig den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien mit Passagierzügen befahren. Nach dreijähriger Prüfung erteilte die zuständige Kommission die notwendige Genehmigung.

"20 Jahre nach dem Start der kommerziellen Verbindungen haben die Behörden den Kanaltunnel endlich für alle geöffnet", teilte Eurotunnel-Chef Jacques Gounon mit. Das seien "wundervolle Neuigkeiten für Millionen von Passagieren in Nordeuropa".

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Die Deutsche Bahn will künftig eine regelmäßige Hochgeschwindigkeitsverbindung nach London anbieten. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, plant die Bahn zwei Verbindungen: zum einen von Frankfurt nach London über Köln, Brüssel und Lille, zum anderen von Amsterdam nach London. 

Die Fahrzeit von Frankfurt nach London soll demnach etwa fünf Stunden betragen. Von Köln aus soll die Fahrt sogar weniger als vier Stunden dauern. Wann der erste Zug fährt, ist noch unklar. Das hänge wesentlich davon ab, wann Siemens die Züge liefern könne, sagte eine Sprecherin der Bahn. Vermutlich würden erst 2016 die ersten deutschen Züge durch den Tunnel fahren.

Frankreich wollte Monopol für Euro-Tunnel behalten

Zu den bislang zehn Millionen Passagieren, die jedes Jahr durch den Tunnel befördert werden, dürften zwischen drei und vier Millionen Bahngäste hinzukommen. Bislang durchqueren den Kanaltunnel zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover nur auf dem französischen TGV basierende Eurostar-Züge. Außerdem dürfen Güterzüge und Pendelzüge für Autos, Busse und Lastwagen den Tunnel passieren. Die Betreibergesellschaft Eurotunnel erhält für jeden Zug, der durch den Kanaltunnel fährt, eine Gebühr.

Das Monopol für die Eurostar-Züge hatte bislang der französische Staatskonzern SNCF. Wegen millionenschwerer Aufträge für die französische Industrie hatten Frankreichs Regierung und der Alstom-Konzern zu verhindern versucht, dass auch deutsche ICE-Züge von Siemens durch den Tunnel fahren dürfen. Um die Genehmigung für die Deutsche Bahn hatte es deshalb jahrelang Streit gegeben. Die Deutsche Bahn hatte bereits im Oktober 2010 erstmals eine Testfahrt im Tunnel absolviert

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Leserkommentare
  1. Schaffen das die Klimaanlagen...???

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    1. "Wie sind denn die Temperaturen im Tunnel?
    Schaffen das die Klimaanlagen...???"

    an sich Klasse,aber ich habe auch größte Bedenken,ob die deutschen Züge mit der schlechten Wartung,schlechte Klimaanlagen etc dafür überhaupt sich eigenen.und ob das klappt mit Siemens alles etc
    irgendwie traut man so ein Project den Deutschen gar nicht mehr zu,nach all den Dingen,die in den Sand gesetzt wurden etc-

    • mugu1
    • 15. Juni 2013 10:01 Uhr

    Ich bin zwar nicht mehr so oft in Deutschland, aber wenn, dann nutze ich die Zeit auch regelmäßig, um mit der Bahn (oder dem Flugzeug) irgendwelche Städte in Europa zu besuchen. So war ich auch bereits einmal mit dem Zug in London, der ja bekanntermaßen in St.Pancras Intl. hält.

    Wenn nun die DB (leider erst in rd. 3 Jahren) Direktverbindungen ab Deutschland anbietet, so ist das eine positive Nachricht; denn trotz aller tw. auch berechtigter Kritik an den Zuständen rund um die Bahn...wer auch die anderen Betreiber kennt, weiss, dass diese auch nicht besser sind. Wenn dann noch der Preis stimmt, sich also in einem Rahmen bewegt, der die Alternative zum Fliegen attraktiv werden lässt, steht auch einer Nutzung nichts im Wege.

    Das Problem dabei ist aber genau das. Wird die DB solche Preise überhaupt anbieten? Anbieten können? Preise also, die eine Alternative zum Fliegen sind?

    Dass die Bahn - selbst mit Kampfpreisen - nicht an die günstigsten Preise der Billigflieger heranreichen wird (fliegen z.B. Ryan Air u. Easy Jet noch?), sollte dabei jedem bewusst sein. Allerdings hat die Bahn auch einen Vorteil: der Halt "mitten" in London, der Transferkosten und -zeit spart, sowie - unschlagbar - die arge Gepäckbegrenzung beim Fliegen (vor allem bei den Billigfliegern).

    Eine Spitze gegen die DB kann ich mir dennoch nicht verkneifen: So denn die ICE´s auch fahren und nicht laufend mit den bekannten Problemen liegenbleiben oder sich unendlich erscheinende Verspätungen einhandeln.

  2. ...nicht mehr mit ihren alten Güterwagen durch die Schweiz fahren, wenn sie noch über alte Sockel-Bremssysteme verfügen oder zu laut sind.

    Ich wette, es wurde noch kein einziger Güterwagen umgerüstet. Aber keiner kann dann sagen, man hätte es nicht gewusst.

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  3. 1. "Wie sind denn die Temperaturen im Tunnel?
    Schaffen das die Klimaanlagen...???"

    an sich Klasse,aber ich habe auch größte Bedenken,ob die deutschen Züge mit der schlechten Wartung,schlechte Klimaanlagen etc dafür überhaupt sich eigenen.und ob das klappt mit Siemens alles etc
    irgendwie traut man so ein Project den Deutschen gar nicht mehr zu,nach all den Dingen,die in den Sand gesetzt wurden etc-

  4. ... bei Alsthom bestellen sollen. Die wissen wenigstens, wie's geht, und die DB könnte "aus dem Stand" den Betrieb aufnehmen. Wnn Siemens sagt "zwei Jahre", weiß man ja, was dabei rumkommt: Die Fahrplantrassen sind zu bezahlen, die Züge warten auf die Freigabe durchs EBA. Die DB zahlt. Zwei Jahre. Drei Jahre, ... , fünf Jahre ...

    • Lefty
    • 15. Juni 2013 14:51 Uhr

    Und ich glaubte dasselbe wie der Mitforist Werner Franke.....
    Stellt sich nur noch die Frage: Mit welchen Zügen will denn die DB nach London fahren, Und wann? 2016? Glaube ich nicht,eher 2025?

  5. Das entscheidende Kriterium wird wohl der Fahrtpreis sein. Da die DB auf der Strecke durch den Kanaltunnel kein Monopol hat, muss sie sich der Konkurrenz stellen. Den Gewinn macht man halt anderswo, z. B. auf der Brennerstrecke. Da nur gemeinsame Züge von DB und ÖBB über den Brenner fahren, nutzt man das Monopol schamlos aus. Eine Fahrt von Brixen nach Innsbruck kostet 22 Euro, das entspricht bei einer Fahrtstrecke von 88,237 Kilometern einem Kilometerpreis von etwa 25 Cent. Hinzu kommt, dass im Winter die Heizung und im Sommer die Klimaanlage meistens nicht funktioniert und auch der Speisewagen fast immer außer Betrieb ist, so dass man sich fragt, warum dieser nutzlose Ballast mitgezogen wird.

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  • Quelle AFP, Reuters, dpa, ds
  • Schlagworte Deutsche Bahn | Siemens AG | Frankreich | Großbritannien | London | Amsterdam
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