Hochwasserschutz"Wer klug handelt, macht den Hochwasserschutz zum Event"

Der Hochwasserschutz muss sich vom Tourismus inspirieren lassen, sagt Adrian von Dörnberg. Im Gespräch erklärt der Touristik-Professor, warum das umgekehrt schon gelingt. von 

ZEIT ONLINE: Herr von Dörnberg, welche Auswirkungen hat der Hochwasserschutz auf den Tourismus?

Adrian von Dörnberg: Sehr positive Auswirkungen! Durch Deichverstärkungen und Hochwasserpolder entstehen Überschwemmungsgebiete, die oft unter Naturschutz stehen. Ringsherum entstehen Radwanderwege oder Sporteinrichtungen. Das ist ideal für den Tourismus! 

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ZEIT ONLINE: Und wie steht es mit den negativen Auswirkungen – wie Schutzmauern, die nach Sicht einiger das Stadtbild zerstören?

von Dörnberg: Selbst solche umfangreichen Schutzmaßnahmen, die auf ein alle 50 oder 100 Jahre hereinbrechendes Hochwasser ausgerichtet sind, müssen keine Einschränkungen für den Tourismus bedeuten.

Adrian von Dörnberg

ist Professor für Touristik und Verkehrswesen an der Fachhochschule Worms

ZEIT ONLINE: In der sächsischen Stadt Grimma sah man das aber anders. 2002 begann man mit dem Bau einer Schutzmauer. Allerdings wurde nur ein Teil fertig gestellt, weil Bürgerinitiativen erfolgreich dagegen protestierten. Sie hatten Angst, dass die Mauer das historische Stadtbild zerstört. Verhindert Tourismus hier den Hochwasserschutz?

von Dörnberg: Bei den Planungen gilt es, die Bedürfnisse der Touristen und der Branche zu berücksichtigen. In Grimma ist das Gegenteil passiert. Wenn die Mauer das Stadtbild verschandelt und der Ort dadurch unattraktiv wird, bleiben die Touristen fern. Hier kollidiert das Bedürfnis nach Attraktivität mit dem Risiko eines Hochwassers.

ZEIT ONLINE: Was würden Sie als Touristikfachmann raten, wie betroffene Kommunen mit diesem Dilemma bestmöglich umgehen sollten?

von Dörnberg: Wer klug handelt, macht Hochwasserschutz zum Event. Natürlich sollte man Schutzmauern bauen – und mit etwas Kreativität kann man damit sogar die Anziehungskraft einer Region steigern. Weil man eine Aussichtsplattform anbringt oder ähnliches. Ohne Schutz hingegen wächst das Risiko für den Tourismus. Wenn Häuser nach einem Hochwasser saniert werden müssen, verliert eine Stadt an Authentizität. Hier muss auch die Politik Überzeugungsarbeit leisten.

ZEIT ONLINE:Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich kündigte an, die Mitbestimmung der Bürger bei Hochwasserschutz zu beschneiden, um Blockaden zu verhindern...

von Dörnberg: Die Ankündigung rührt vermutlich daher, dass Sachsen für einen Großteil der Schadensbeseitigung aufkommen muss. Trotz der neuen Katastrophe kann ein Ministerpräsident nicht die Bürgerbeteiligung aussetzen. Auch den Bürgern von Grimma dürfte spätestens seit 2002 bewusst gewesen sein, welches Risiko sie ohne Schutzmauer eingehen. Und Politiker handeln nicht unbedingt weniger fahrlässig, schauen Sie sich das Drama um die Hamburger Elbphilharmonie oder den Berliner Flughafen an. 

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Leserkommentare
  1. Dieses Prinzip hat scheinbar auch in Grimma einige Freunde.

    "Die Ankündigung rührt vermutlich daher, dass Sachsen für einen Großteil der Schadensbeseitigung aufkommen muss."

  2. Schutzmauern und Hochwasserschutz - es kommt darauf an wo und wie nah die am Wasser stehen.

    Sonst ist es sankt St. Floriansprinzip ( verschone mein Haus - zünde andere an ), weil dann der nächste Ort unter dem Wasser absäuft.

    Hochwasserschutz muß schon an den ganz kleinen Bächen anfangen.

  3. ... bleiben, dass es so etwas wie einen "Touristik-Professor" geben kann; zumal einen, der – zumindest an dieser Stelle – nur Phrasen von sich gibt, die jede Leerstelle vor Neid erblassen ließen.

    2 Leserempfehlungen
  4. Das klingt so, als hätte es sich Dr. Erika Fuchs ausgedacht – und gleich wieder verworfen, versteht sich ;-)

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tourismus | Mitbestimmung | Naturschutz | Stadt | Stanislaw Tillich | Drama
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