Unesco-Weltkulturerbe : Wenn Wasser Geschichten erzählt

Seit 300 Jahren begeistern die Kasseler Wasserspiele Einheimische und Besucher. Nun könnte die Unesco der barocken Anlage den Status Weltkulturerbe verleihen.
Die Wasserspiele unterhalb des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe © dpa

Hoch über Kassel, auf dem östlichen Bergkamm des Habichtswaldes, lehnt ein kupfergrüner Herkules an seiner Keule und schaut über den Bergpark Wilhelmshöhe, die Stadt und das Tal. Die acht Meter hohe Statue, Wahrzeichen Kassels, thront auf einer Pyramide, die auf einem Oktogon steht. Das achteckige Bauwerk ist das Schloss eines Riesen. Jener liegt selbst als steinerner Koloss besiegt zu Herkules Füßen.

In den Sommermonaten wird er jedoch zweimal die Woche aktiv. Dann spuckt er seinem Bezwinger eine zwölf Meter hohe Wasserfontäne entgegen. Es ist der Auftakt eines Schauspiels, das jedes Jahr 800.000 Besucher anlockt. Die Kasseler Wasserspiele sind nun, mit Herkules und Bergpark, auf bestem Weg, in die Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten aufgenommen zu werden. Bis Ende der Woche wird die Entscheidung der Unesco-Vollversammlung erwartet.

Wer beim Wort Wasserspiele an einen Springbrunnen denkt, und meint, es wäre mit der Fontäne aus dem Maul des Riesen getan, irrt. Nachdem die ersten Tropfen unter dem Oktogon hervorgeflossen sind und ihren Weg den Berghang hinab antreten, beginnt eine eineinhalb Stunden dauernde Inszenierung, die seit 300 Jahren eine Geschichte von Herrschaft, Triumph und Kontrolle erzählt.

Landgraf Karl von Hessen-Kassel holte um das Jahr 1700 den Architekten und Wasserbauer Giovanni Francesco Guerniero von Italien nach Kassel, um von ihm seine Vorstellungen eines Barockparks realisieren zu lassen. Guerniero schuf von 1701 bis 1717 das Riesenschloss mit Herkulesstaue, die daran anschließenden Kaskaden sowie die Neptungrotte.

Der Bau der Anlage war eine Herkulesaufgabe

Startpunkt der Wasserspiele ist die Vixierwassergrotte zu Herkules’ Füßen. Von hier aus dirigiert ein Wassermeister das Schauspiel. Er und seine Helfer – manche schreiben es waren zwei, manche sprechen von vier –laufen mit Schraubschlüsseln durch den Wald, der die Wilhelmshöhe vom Schloss trennt, und öffnen und schließen nach einem strikten Zeitplan Ventile. Niemand sieht sie, alles wirkt wie von Zauberhand choreografiert.

Als erstes öffnet sich das Speicherbecken hinter Herkules. Kurz darauf beginnt der Kopf des Riesen die Fontäne in Richtung Herkules zu speien – erreicht ihn aber nie. Es ist Symbol für den Herrschaftsanspruch des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel über Land und Leute, den in Zeiten des Absolutismus kein anderer ihm streitig machen konnte. Von hier aus fließt das Wasser in Kaskaden über 46 Stufen und 105 Meter Höhenunterschied zur Neptungrotte, wo es Neptuns Hörner zum Erschallen bringt.

Das Wasser allein sollte des Langrafens Herrschaftsinterpretation inszenieren. Eine Anlage von solcher Komplexität bauen zu lassen, glich einer Herkulesaufgabe, für deren Lösung er sich selbst durch die entsprechende Statue ein weithin sichtbares Denkmal setzte.

Anzeige

Aktiv durch den Urlaub

Entdecken Sie ein vielfältiges Angebot rund um das Thema Aktivurlaub.

Reise starten

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren