Online-ZimmervermietungLuftschlösser am Rande der Legalität

Ein Airbnb-Vermieter wurde in New York zu einer Geldstrafe verurteilt. Bedeutet das Urteil das Ende des touristischen Wohnung-Teilens? von Kim Bode

Airbnb will mehr bieten als ein Dach über dem Kopf: Lifestyle, Gemeinschaft und Authentizität.

Airbnb will mehr bieten als ein Dach über dem Kopf: Lifestyle, Gemeinschaft und Authentizität.   |  © LEchaos/ photocase

Als Livs Mitbewohner seinen Auszug ankündigte, war ihr sofort klar, dass es von jetzt an anders laufen sollte. Statt sich wie all die Jahre zuvor einfach jemand neuen zu suchen, entschied sich die New Yorkerin, das freie Zimmer von nun an über die Internet-Plattform Airbnb an Kurzzeitgäste zu vermieten. Für Liv klang das nach jeder Menge spannenden Begegnungen – und nicht zuletzt nach einer rentablen zusätzlichen Einnahmequelle. Schließlich ist das Leben in New York nicht gerade günstig. 

Zunächst aber bedeutete das allerdings: Geld ausgeben. Einige Tausend Dollar investierte sie in Renovierungsarbeiten: entrümpeln, streichen, neue Möbel, Klimaanlage. Airbnb schickte sogar einen Fotografen vorbei, Liv erstellte ihr Profil, schrieb zahlreiche E-Mails hin und her. Schließlich zog ihr erster Gast ein. 

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Dann kam der Schock: Ein New Yorker Gericht entschied zwei Tage später, dass ein anderer privater Zimmeranbieter gegen die Gesetze des Stadt verstoßen habe. Nigel Warren habe ein illegales Hotel betrieben, hieß in dem Urteil von Mitte Mai. Die Schlagzeilen überschlugen sich. Liv, die ihren richtigen Namen angesichts des heiklen Themas nicht veröffentlicht sehen möchte, dachte zunächst, alles sei umsonst gewesen. "Ich war enttäuscht und geriet leicht in Panik", sagt die junge Frau Mitte 20.  

Es war ein erheblicher Dämpfer für die gesamte Airbnb-Community. Das Portal zählt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 300.000 Angebote, in 33.000 Städten und 192 Ländern. Seit der Unternehmensgründung vor knapp fünf Jahren sind demnach bereits mehr als zehn Millionen Übernachtungen über die Seite der Startup-Firma aus San Francisco gebucht worden.  

Der Fall Nigel Warren

Im vergangenen September vermietete der New Yorker Nigel Warren sein Zimmer über Airbnb unter, als er für ein paar Tage nach Colorado fuhr: Eine Besucherin aus Russland blieb insgesamt drei Nächte für je 100 Dollar in dem Appartement im East Village, während Warrens Mitbewohner im Raum nebenan wohnte. 

Doch als Warren zurückkam, hatte er nicht nur 300 Dollar mehr in der Tasche, sondern vor allem auch eine Klage der Stadt mit einer Höchststrafe von mehr als 30.000 Dollar am Hals. Die Behörden hatten offenbar eine Beschwerde erhalten und daraufhin die Wohnung aufgesucht, wo sie Warren eben nicht antrafen. Das verstößt allerdings gegen das Gesetz der Stadt: In New York darf man keine Wohnung oder ein Einfamilienhaus für weniger als 30 Tage vermieten, wenn man nicht selbst anwesend ist. 

Laut Gerichtsurteil vom Mai müssen Warren beziehungsweise sein Vermieter eine Strafe von 2.400 Dollar zahlen. Die beiden wollen allerdings Berufung einlegen. Airbnb unterstützt sie dabei das Urteil anzufechten – wohl wissend, dass die Erfolgsaussichten begrenzt sind. "Es kann sein, dass wir wieder verlieren, bevor wir Erfolg haben", teilte Airbnb vergangene Woche mit. Aber das Unternehmen will sich nicht unterkriegen lassen: "Die Sharing-Wirtschaft wird hier bleiben – und ebenso wir."

Dass Airbnb plötzlich illegal sein sollte, wie einige Schlagzeilen verkündeten, traf Vermieter und Nutzer der Plattform gleichermaßen. Zwar legte sich die anfängliche Panik schnell wieder, denn Warren ist nach wie vor ein Einzelfall: Normalerweise schreiten die Behörden nicht ein, solange sie keine Beschwerde erhalten. Allerdings wirft das überraschende Gerichtsurteil durchaus Fragen am Konzept Airbnb auf. 

Private Zimmer unterliegen anderen Feuerschutzregeln als Hotelzimmer. Das war etwa auch ein Beschwerdepunkt in der Klage gegen Warren. Tatsächlich sind die Sicherheits- und Versicherungsbedingungen im Vergleich zu klassischen Hotels eher mau. Außerdem zahlen die Airbnb-Kunden keine  Abgaben an die Stadt, wie sie für herkömmliche Hotelgäste vorgeschrieben sind.  Einige Nutzer haben Airbnb als Portal für ihr eigenes lukratives Privatgeschäft ausgemacht – zum Unmut von Hotels und Stadtverwaltung.    

Wie Sarah etwa: Auch sie wohnt in New York und möchte ebenfalls lieber anonym bleiben. Neben ihrer eigenen hat sie noch drei weitere Wohnungen in Manhattan gemietet und darüber hinaus noch eine in Miami. Zusammen mit einer Freundin vermietet sie diese über Airbnb an Feriengäste. Sie nennt es ihr "Business", ihren Zweitjob. "Das ist wirklich ziemlich viel Arbeit", sagt die Mittdreißigerin. Aufenthalte koordinieren, die Wohnungen gemütlich einrichten und in Schuss halten, ein gutes Verhältnis zu den Vermietern und Nachbarn pflegen.

Das New Yorker Urteil beunruhigt Sarah nicht: "Da muss sich ja erst einer beschweren." Sie sorge vor, indem sie sich stets bemühe, sich mit allen gut zu stellen. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin kann sich vor Anfragen kaum retten, derzeit denken sie sogar darüber nach, in andere Städte zu expandieren.

Leserkommentare
    • deDude
    • 17. Juni 2013 17:07 Uhr

    ... irgendwer muss doch dafür sorgen das die großen Hotel-Konzerne mit ihren Bettenburger weiter alimentiert werden.

    Angebot und Nachfrage gilt im Kapitalismus eben immer nur so lange wie es zum Vorteil des Anbieters ist, aber sobald die Waage leich in Richtung Verbraucher kippt muss umgehend der Staat eingreifen....

    Manchmal komme ich mir vor wie in einer Nummer von Monty Python, nur ohne die Endpointe....

    8 Leserempfehlungen
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    Sie übersehen leider, wie der Artikel selbst, bei allem Zynismus gegenüber "dem Kapital" und "der Hotelbranche" eine Sache: Über den Missbrauch von privaten Internetbörsen wie Airbnb als Grundlage für ein halblegales "business", wie etwa 'Sarah' im Artikel eines betreibt, ensteht eine weitere Verschärfung des ohnehin schon bestehenden Wohnungsmangels insbesondere in Großstädten wie New York, Berlin, etc. Durch den Aufkauf von freistehenden Wohnungen (sinnigerweise von Sarah "Expansion" genannt), lediglich zur dauerhaften Vermietung im Sinne eines Hotels, das sich in diesem Fall eben sämtliche Kosten gegenüber der Stadt erspart, werden es nicht nur Immigranten schwerer haben ein neues Leben in einer dieser Städte zu beginnen. Die stadtzentralen Wohnungen werden teurer - wie sich ja schon in den Preiserhöhungen bei Airbnb intern selbst spiegelt -, und auch Einheimische werden, neben anderen Entwicklungen wie Gentrifizierung, zunehmend in Randbezirke gedrängt, da die Mietpreise in die Höhe schnellen.
    Sarahs' Fall stellt dabei meinen Erfahrungen nach keine Ausnahmesituation dar: Bei eigenen Reisen, sind mir solche 'business'-Pläne qua Airbnb immer wieder begegnet.
    Ich denke es wäre dementsprechend ein geeigneter Lösungsansatz, lediglich Hauptwohnsitze zur Vermietung zuzulassen, sodass hier keine Wohnraum-Monopolisierung in der Hand weniger privater 'Nebenjob'-Unternehmer. Auch die Hotelbetreiber sollte dies zufriedenstellen.

    Sie übersehen leider, wie der Artikel selbst, bei allem Zynismus gegenüber "dem Kapital" und "der Hotelbranche" eine Sache: Über den Missbrauch von privaten Internetbörsen wie Airbnb als Grundlage für ein halblegales "business", wie etwa 'Sarah' im Artikel eines betreibt, ensteht eine weitere Verschärfung des ohnehin schon bestehenden Wohnungsmangels insbesondere in Großstädten wie New York, Berlin, etc. Durch den Aufkauf von freistehenden Wohnungen (sinnigerweise von Sarah "Expansion" genannt), lediglich zur dauerhaften Vermietung im Sinne eines Hotels, das sich in diesem Fall eben sämtliche Kosten gegenüber der Stadt erspart, werden es nicht nur Immigranten schwerer haben ein neues Leben in einer dieser Städte zu beginnen. Die stadtzentralen Wohnungen werden teurer - wie sich ja schon in den Preiserhöhungen bei Airbnb intern selbst spiegelt -, und auch Einheimische werden, neben anderen Entwicklungen wie Gentrifizierung, zunehmend in Randbezirke gedrängt, da die Mietpreise in die Höhe schnellen.
    Sarahs' Fall stellt dabei meinen Erfahrungen nach keine Ausnahmesituation dar: Bei eigenen Reisen, sind mir solche 'business'-Pläne qua Airbnb immer wieder begegnet.
    Ich denke es wäre dementsprechend ein geeigneter Lösungsansatz, lediglich Hauptwohnsitze zur Vermietung zuzulassen, sodass hier keine Wohnraum-Monopolisierung in der Hand weniger privater 'Nebenjob'-Unternehmer. Auch die Hotelbetreiber sollte dies zufriedenstellen.

  1. eines Wirtschaftssystems war schon immer, dass es auf der einen Seite neue Jobs geschaffen hat, aber auf der anderen in anderen Branchen oder Orten, Jobs vernichtete.

    Außerdem haben die großen Hotelkonzerne auch große Kredite aufgenommen von großen Banken, die günstiges Geld von der Zentralbank erhalten - da kann es nicht angehen, dass jetzt der kleine dezentrale Mann/Frau die Möglichkeit erhält sich ein Zubrot zu verdienen - weil da gewisse Feuervorschriften nicht erfüllt werden: Zwar dürfen da Menschen das Zimmer für Monate Mieten - aber nicht für Tage - weil dann die Feuergefahr viel, viel größer ist....

    Altes Spiel - Bürokratie und Großkonzerne arbeiten Hand in Hand - je mehr Bürokratie, desto besser für die Großen - die haben dann einfach 2-3 Fachabteilungem mehr und 2-3 zusätziche Abmahnanwälte, und schon hat man den Markt bereinigt und die Konkurrenz ausgedünnt......

    Amsterdamm zeigt deutlich, dass es eben auch eine Option B gibt - einfach bestimmte Regeln festlegen und eventuell auch einen kleinen Obolus, ala Kurtaxe verlangen....

    Dabei möchte ich die allerdings nicht unerwähnt lassen, dass dadurch tendenziell die Mieten für den normalen Stadtbürger weiter steigen werden: Wie beschrieben kann das Zimmer in der WG a) an Touristen oder b) an einen Mitbewohner vermietet werden - :-) - jede Wohnung die so vom Markt verschwindet ist eine Wohnung weniger für die normalen Bürger, sprich die Preise steigen weiter.

    Eine Leserempfehlung
  2. In allen größeren Städten gibt es Websites über die man Ferienwohnungen mieten kann. Einfach Ferienwohnungen oder appartments suchen, und man findet.

    Warum das jetzt Anlass für einen ZEIT Artikel ist, ist nicht ganz klar.

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    der Klage...

  3. 4. Wegen

    der Klage...

  4. auch hier kommt das sharing-prinzip, so wünschenswert es im grundsatz auch sein mag, an seine grenzen. ähnlich wie in der film- und musikbranche muss man auch die frage äußern dürfen, wie und ob hier am ende die gesellschaft tatsächlich profitiert.

    eine wichtige frage (neben etwa einzuhaltenden bauordnungrechtlichen vorschriften) ist doch: zahlen denn die untervermieter auch steuern für ihre teilweise erheblichen nebeneinkünfte? ich unterstelle, dass dies die wenigsten tun.

    so sehr man gegen die hotellobby wettern kann, kann es jedenfalls auch nicht sein, dass sich hier einzelne bewohner auf kosten der allgemeinheit bereichern. ein mieter bspw., der für seine wohnung 1.000 € miete zahlt und diese 15 tage im monat für 100 €/nacht vermietet, ist nun mal ein unternehmer der auch pflichten hat.

    wo kommen wir denn hin, wenn viele bewohner der teuren innenstädte ihre wohnungen gewinnbringend weitervermieten? die preise steigen, wohnraum wird noch mehr unbezahlbar und es findet ein gewerblich bedingter verdrängungsprozess der eigentlichen anwohner statt. in touristischen badeorten oder in venedig kann man sich die kulissenhaften auswirkungen des ausverkaufs ja mal beispielhaft ansehen.

    am ende sollte sich auch der mieter einer solchen unterkunft fragen, ob er sein handeln gesellschaftlich angemessen vertreten kann. doch leider ist das touristen oftmals ziemlich egal, denn es ist ja nicht ihre stadt, in der sie auf dauer leben müssen...

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  5. Wenn man bedenkt, welche hygienischen, feuerpolizeilichen und gesundheitsrechtlichen Anforderungen für Hotels gelten dann finde ich den Gedanken, dass sich Leute in irgendwelche Betten legen über die sich nichts wissen, sich in Badezimmern tummeln, die voll von Pilzen sein können und mit Personal teilen, dass nie ein Gesundheitszeugnis bekommen hat, schon ziemlich eklig. Aber Gier frisst Hirn, dass gilt auch in diesem Bereich.
    Und sein wir doch mal ehrlich, wer glaubt denn das die Einnahmen ordnungsgemäß versteuert werden? Mir ist es wurscht, wenn Leute, denen ihre persönliche hygienische Situation egal ist, sich bei irgendwelchen anderen Menschen für teures Geld einnisten, aber bitte hinterher dann nicht über Filzläuse jammern....

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  6. Sie übersehen leider, wie der Artikel selbst, bei allem Zynismus gegenüber "dem Kapital" und "der Hotelbranche" eine Sache: Über den Missbrauch von privaten Internetbörsen wie Airbnb als Grundlage für ein halblegales "business", wie etwa 'Sarah' im Artikel eines betreibt, ensteht eine weitere Verschärfung des ohnehin schon bestehenden Wohnungsmangels insbesondere in Großstädten wie New York, Berlin, etc. Durch den Aufkauf von freistehenden Wohnungen (sinnigerweise von Sarah "Expansion" genannt), lediglich zur dauerhaften Vermietung im Sinne eines Hotels, das sich in diesem Fall eben sämtliche Kosten gegenüber der Stadt erspart, werden es nicht nur Immigranten schwerer haben ein neues Leben in einer dieser Städte zu beginnen. Die stadtzentralen Wohnungen werden teurer - wie sich ja schon in den Preiserhöhungen bei Airbnb intern selbst spiegelt -, und auch Einheimische werden, neben anderen Entwicklungen wie Gentrifizierung, zunehmend in Randbezirke gedrängt, da die Mietpreise in die Höhe schnellen.
    Sarahs' Fall stellt dabei meinen Erfahrungen nach keine Ausnahmesituation dar: Bei eigenen Reisen, sind mir solche 'business'-Pläne qua Airbnb immer wieder begegnet.
    Ich denke es wäre dementsprechend ein geeigneter Lösungsansatz, lediglich Hauptwohnsitze zur Vermietung zuzulassen, sodass hier keine Wohnraum-Monopolisierung in der Hand weniger privater 'Nebenjob'-Unternehmer. Auch die Hotelbetreiber sollte dies zufriedenstellen.

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    Antwort auf "Na hören Sie mal...."
  7. Sie übersehen leider, wie der Artikel selbst, bei allem Zynismus gegenüber "dem Kapital" und "der Hotelbranche" eine Sache: Über den Missbrauch von privaten Internetbörsen wie Airbnb als Grundlage für ein halblegales "business", wie etwa 'Sarah' im Artikel eines betreibt, ensteht eine weitere Verschärfung des ohnehin schon bestehenden Wohnungsmangels insbesondere in Großstädten wie New York, Berlin, etc. Durch den Aufkauf von freistehenden Wohnungen (sinnigerweise von Sarah "Expansion" genannt), lediglich zur dauerhaften Vermietung im Sinne eines Hotels, das sich in diesem Fall eben sämtliche Kosten gegenüber der Stadt erspart, werden es nicht nur Immigranten schwerer haben ein neues Leben in einer dieser Städte zu beginnen. Die stadtzentralen Wohnungen werden teurer - wie sich ja schon in den Preiserhöhungen bei Airbnb intern selbst spiegelt -, und auch Einheimische werden, neben anderen Entwicklungen wie Gentrifizierung, zunehmend in Randbezirke gedrängt, da die Mietpreise in die Höhe schnellen.
    Sarahs' Fall stellt dabei meinen Erfahrungen nach keine Ausnahmesituation dar: Bei eigenen Reisen, sind mir solche 'business'-Pläne qua Airbnb immer wieder begegnet.
    Ich denke es wäre dementsprechend ein geeigneter Lösungsansatz, lediglich Hauptwohnsitze zur Vermietung zuzulassen, sodass hier keine Wohnraum-Monopolisierung in der Hand weniger privater 'Nebenjob'-Unternehmer. Auch die Hotelbetreiber sollte dies zufriedenstellen.

    Antwort auf "Na hören Sie mal...."

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