Oslo mit Kind : Die spinnen, die Norweger!

Wikinger und Friedensnobelpreis, mehr fällt Pia Volk nicht ein zu Oslo. Sie erkundet mit ihrem Sohn die Stadt und merkt: Das genügt, denn alles hängt damit zusammen.
Ein Haus auf einer der vielen Inseln im Oslofjord ©Pia Volk

"Ab jetzt musst du mich Agent P. nennen", sagt mein neunjähriger Sohn Paul zu mir und hält mir seinen Agentenausweis unter die Nase. Er hat soeben die Agentenprüfung im Nobelpreismuseum in Oslo bestanden. In dem interaktiven Museum werden Kinder auf eine Mission geschickt und müssen einen Fall lösen. Ganz nebenbei lernen sie, wie verschiedene Menschen versucht haben, Frieden in der Welt zu stiften.

Der Friedensnobelpreis wird seit jeher in Oslo verliehen – abgesehen davon weiß ich nicht viel über diese Stadt. Muss man aber auch nicht, denn in Oslo führen alle Wege zum Nobelpreiscenter.

"Was weißt du über Norwegen?", frage ich Agent P., aber er zuckt nur mit den Schultern. "Kennst Du Wikinger?" bohre ich weiter. Da reibt er seinen Zeigefinger rund um die Nase, wie es Wickie, der schlaue Zeichentrickwikinger tut.

Das Nobelpreiscenter liegt direkt am Hafen in einem großen gelben Gebäude, dem ehemaligen Bahnhof. Daneben steht das Rathaus. Am anderen Ende des Rathauskais thront die mächtige Festung Akershus, die zwar nicht von den Wikingern gebaut wurde, aber von deren Nachfahren. Der König und die Königin sind aber längst ausgezogen. Sie haben ein Schloss in der Mitte der Stadt, umgeben von einem großen Park.

Die Nackten im Vigeland Park

Das Schloss ist ziemlich langweilig, denn wir dürfen nicht hinein, um selbst mal Neu-Wikinger-Agent zu spielen. Deshalb steigen Paul und ich in die Tram und fahren in den Vigeland Park, zehn Minuten vom Rathauskai entfernt. Dort steht ein großer Spielplatz, der mindestens so imposant ist wie die Festung Akerhus. Zumindest, wenn man ein laufender Meter ist. Paul klettert auf den Türmen herum und erklärt mir, das gehöre zu seinem Agentenjob. "Ich muss hier das Gelände erforschen", sagt er, während er durch ein Fernglas schaut, das auf einem der Türme verankert ist. "Und was siehst Du? Nichts als Nackte, oder?" frage ich.

Spielplatz im Vigeland Park © Pia Volk

Im Park stehen viele Figuren, groß und klein, eher dick als dünn, allesamt Nackedeis, verrenkt in seltsamen Posen. Sie stammen von Gustav Vigeland einem norwegischen Bildhauer und einer der berühmtesten Künstler des Landes. Paul giggelt beim Anblick der Skulpturen. Er ist in dem Alter, in dem er in Lachanfälle ausbricht, wenn man "Penis" sagt.  Auf der Wiese neben den Nackten aus Stein spielen eine Frau in einer Burka und ein ähnlich verhüllter Mann Federball. Keine zehn Meter weiter liegen pubertierende Teenager im Gras und necken sich. Ein älteres Paar schlendert händchenhaltend an den Figuren vorbei. Ein sehr friedliches Nebeneinander herrscht im Vigeland Park. Dessen Namensgeber hat nicht nur diese Figuren erschaffen, sondern auch die Friedensnobelpreismedaille entworfen. Wo wir wieder beim Friedensnobel angelangt sind und dem zugehörigen Museum am Hafen.

Mit der Fähre durch den Fjord

Am besten erkundet man Oslo gleich vom Wasser aus. 120 Kilometer lang ist der Oslofjord. Er ist ein Kind der letzten Eiszeit, während der die Gletscher das Gestein ausschürften. Später drang in die riesigen Mulden das Meer ein. Fähren verbinden die Schären und Inseln im Fjord. Boot Nummer 91 bringt Paul und mich vom Rathauskai hinüber nach Bygdoy, auf die Insel, die alle hier nur Museumsinsel nennen. Gleich vier Museen gibt es auf dem kleinen Eiland. Wir schauen uns aber nur eines an.

Die Fram im Eis

Das Fram Museum ist Fridtjof Nansen gewidmet, dem wahnsinnigen Norweger, der Ende des 19. Jahrhunderts beweisen wollte, dass es Ozeanströmungen gibt. Die Fram ist ein besonderes Schiff, gebaut nicht um zu fahren, sondern um festzufrieren. Nansen fuhr hoch in Richtung Nordpol, mitten ins Packeis, und dort blieb die Fram, fast drei Jahre lang. Sie fror fest zwischen den Eisschollen. "Warum haben die das gemacht?", will Paul wissen. Ich zeige ihm die Landkarte von damals, die an einer Wand hängt. Sie ist voller leerer Flecken. "Wow, die konnten nicht einfach auf ihr Smartphone schauen und wussten wo sie waren!" Ich nicke. "Die sind einfach dorthin gefahren, wo es noch nichts gab." 

Nordpol als Tiefkühlkammer

Paul hat dafür kaum Verständnis. Es sinkt gegen Null, als ich ihm erzähle, dass es auf einem festgefrorenem Schiff kälter ist als im Tiefkühlfach und es da oben am Nordpol noch dazu sechs Monate Tag und sechs Monate Nacht ist. Damit man sich vorstellen kann, wie die Polnächte gewesen sein müssen, gibt es im Museum einen kleinen Gang, verschlossen von Aufzugtüren, minus 20 Grad, alles mit Eis überzogen. Eine männliche Puppe, die aussieht wie ein Zombie, liegt dort in einer vereisten Koje. Paul gruselt sich und zeigt dem Mann einen Vogel. "Die spinnen, die Norweger!", sagt er.

Wir klettern nach unten, in Richtung Maschinenraum. "Hier stinkt es", sagt Paul. Es riecht nach Teer und Öl. "Das ist, weil es ein echtes Schiff ist." Paul ist fasziniert. Er schaut in die Kabinen und wundert sich, wie klein die Menschen gewesen sein müssen, die in den kurzen Kojen geschlafen haben. Er ängstigt sich vor dem Zahnarztwerkzeug und weiß nicht, was ein Grammophon ist, weil er Schallplatten noch nie gesehen hat.

Pia Volk

Pia Volk ist freie Journalistin. Wenn sie sich nicht gerade mit ihrem Sohn in der Weltgeschichte herumtreibt und von dort berichtet, lebt sie in Leipzig.

Als wir wieder oben an Deck ankommen, leuchtet die Decke des Hauses wie der Sternenhimmel. Grüne und lilafarbene Lichtwellen legen sich darüber. "Ist das schön!", ruft Paul aus. Nordlichter. Die haben Nansen und sein Team ein halbes Jahr lang gesehen. Unsere dauern keine fünf Minuten, dann stehen wir wieder draußen, am Oslofjord und besteigen das Boot in Richtung Rathauskai und Nobelpreiscenter. Immer wieder zurück zum Start. "Nansen hat übrigens später auch den Nobelpreis gewonnen, wussten Sie das, Agent P.?", frage ich Paul und er schüttelt den Kopf. "Weil er ein Schiff zu einem Eiswürfel gemacht hat?", fragt er zurück. Falsch! Aber die Lösung herauszufinden wäre ein Grund, mal nach Oslo zu fahren.  

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Gehaltssumme bezog sich auf das Jahr 2011 ...

da lag der Wechselkurs im Jahresschnitt laut EZB bei 7,7934 :-)
http://sdw.ecb.europa.eu/...

Ich habe nur die (grobe) Zahl 7,5 im Kopf gehabt. Hätte ich ja gleich nachchauen können. LOL

In jenem Fall wäre der korrekte Euro-Betrag € 3.336,16.
Im Schnitt. Und netto eben!
In Oslo verdient man allerdings teilweise sehr viel mehr.

In D betrug der Nettolohn 2011 lt. Destatis € 2.245,50. Die Lohnspreizung in D ist allerdings weit höher (Skandinavien hat die geringste). Wie auch die Zahl der Niedriglöhner (über 22%, in N nur etwa 7%).